Träumende Kollektive. Tastende Schafe (Staat 3)

Eine Produktion von Rimini Protokoll und dem Staatsschauspiel Dresden

"Politik im freien Theater"

Ein interaktives Stück für eine Cloud aus bis zu 120 Theaternutzer*innen. | An interactive play for a cloud of up to 120 participants


Data-Mining und Big Data, digitale Echokammern und Machine Learning: Das Internet produziert alternative Formen der Partizipation und stellt hergebrachte Praktiken der Meinungsbildung infrage. Nach "Top Secret International (Staat 1)" über global agierende Geheimdienste und "Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)" über die Großbaustelle als Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit erkunden Rimini Protokoll im dritten Teil ihrer Tetralogie die Bedeutung des digitalen Raums für demokratische Prozesse. Ihr Ausgangspunkt ist Griechenland, wo die Demokratie erst kürzlich zu scheitern schien. Das Jahr 1990 markierte einen Einschnitt. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten der Kalte Krieg beendet. Gleichzeitig begann etwas Neues: Im Jahr 1990 wird das Internet für die kommerzielle Nutzung freigegeben und damit zu einer der ersten gesamtdeutschen kollektiven Erfahrungen; es prägt die Arbeitswelt, die soziale Kommunikation und das Verhältnis zu politischen Institutionen. Wie geht eine neue Generation, die nun mit der ganzen Welt vernetzt ist, mit Fragen persönlicher, sozialer und politischer Identität um? Wodurch wird ihr Wahlverhalten beeinflusst? Werden demokratisch legitimierte Wähler/innen durch algorithmische Legitimationen ersetzt? Welche Erwartungen stellen wir an die Mechanismen demokratischer Willensbildung? Welche Formen von Partizipation und Demokratie sind für uns relevant?

Daniel Wetzel, der diesen Abend für Rimini Protokoll konzipiert und inszeniert hat, fragt nach dem Wert der Ware „Daten“ und bringt diese in einer sinfonischen Situation zum Klingen. Mit einer Smartphone-App ausgestattet begeben sich die Zuschauer/innen in einen permanenten Abstimmungsprozess. Das Publikum selbst wird dabei zum Klangkörper, der netztypische Dynamiken des Schwarmverhaltens in den analogen Raum überführt.


Data mining and big data, digital echo chambers and machine learning: the Internet produces alternative forms of participation and challenges traditional practices of opinion forming. The third part of Rimini Protokoll’s "States 14”"tetralogy starts in Greece, where democracy only recently seemed to fail, and explores the significance of digital space for democratic processes. This follows "Top Secret International (State 1)”"which looked at globally active secret services and "Society under Construction (State 2)", in which large-scale construction sites are explored as models for the current state of society. The year 1990 marked a caesura: after the fall of the Berlin Wall, the Cold War ended with the unification of the two German states. At the same time something new started. In 1990, the Internet was opened up for commercial use, making it one of the first pan-German collective experiences; it now shapes the world of work, social communication and relationships to political institutions. How does a new generation which is now networked with the world, deal with personal, social and political identity issues? What influences voting behaviour? Are democratically legitimised voters being replaced by algorithms? What expectations do we have of the mechanisms of democratic decision-making? Which forms of participation and democracy are relevant for us?

Daniel Wetzel examines the value of data as a commodity and makes it resonate in this symphonic-like production. Equipped with a smartphone app, the audience particiaptes in a permanent voting process. The audience itself is thereby transferred into analogue space by the swarm behaviour and dynamics typical of the Internet.


"Träumende Kollektive. Tastende Schafe (Staat 3)" ist Teil der Produktionsserie "Staat 1 – 4", einer Kooperation zwischen Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich und Rimini Protokoll im Rahmen des HKW- Langzeitprojekts 100 Jahre Gegenwart. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. "Staat 1" wurde vom Goethe-Institut mitinitiiert und koproduziert. 

Das 10. Festival "Politik im Freien Theater" ist eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit den Münchner Kammerspielen und dem Spielmotor München e.V. Das Festival wird gefördert durch die Landeshauptstadt München. Die Münchner Aufführungen von "Träumende Kollektive. Tastende Schafe (Staat 3)" werden unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater und gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.

Das Ticket ist auch Teil des Festivalpass. Dieser gilt für 10 verschiedene Eintrittskarten Ihrer Wahl und kostet 80,-/ 40,- (erm.). Der Festivalpass ist ausschließlich bei Bestellung per Telefon oder an der Tageskasse der Münchner Kammerspiele erhältlich (kein Online-Ticketing). Die Eintrittskarten des Festivalpasses gelten als Fahrausweis für den MVV.

 

  • premiere 02 Nov 18
  • Wahlweise in deutscher oder englischer Sprache | Either in German or English | Anschließend Publikumsgespräch