Das Vermächtnis (The Inheritance) – Teil 1

Teil 1 (Teil 2 am 20.5.)
Residenztheater, 19.00 Uhr
Do 19 Mai
Teil 1 (anschließend um 19 Uhr Teil 2)
Residenztheater, 15.00 Uhr
Sa 21 Mai
Teil 1 (Teil 2 am 25.6.)
Residenztheater, 19.30 Uhr
Fr 24 Jun
Teil 1 (anschließend um 19 Uhr Teil 2)
Residenztheater, 15.00 Uhr
So 26 Jun
DAS VERMÄCHTNIS (THE INHERITANCE) – TEIL 1
von Matthew Lopez
aus dem Amerikanischen von Hannes Becker I frei nach dem Roman «Howards End» von E.M. Forster
Deutschsprachige Erstaufführung
Premiere 30. Januar 2022
Residenztheater
3 Stunden 10 Minuten
1 Pause
Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Vorstellungsdauer

 

Teil 1: ca. 3 Stunden, 10 Min. (inkl. 1 Pause)

Lange Pause: ca. 50 Minuten

Teil 2: ca. 3 Stunden, 15 Min. (inkl. 1 Pause)

Das Stück wird in zwei Teilen gezeigt: Teil 1 und Teil 2

Teil 1 und Teil 2 werden sowohl als Doppelvorstellung als auch einzeln an aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt.

Für beide Vorstellungen können Sie Karten einzeln oder im Paket kaufen.

 

Trailer

Die Bühnenmusik zum Reinhören auf Spotify!

New York City in den letzten Monaten der Präsidentschaft Barack Obamas. Während der Autor Toby Darling der Premiere seines Theaterstücks entgegenfiebert, verbringt sein Partner Eric Glass Zeit mit seinem Bekannten Walter. Die Gespräche mit dem 55-jährigen führen Eric in eine Vergangenheit, die er als schwuler Mann Anfang dreißig nur vom Hörensagen kennt: die verheerende Aidsepidemie, welche die LGBTQ-Community von Beginn der 1980er-Jahre an erschütterte. Dabei ist in Walters Erzählungen immer wieder von einem alten malerischen Landhaus die Rede. Welche Rolle dieser Ort für Walter und seinen Partner Henry Wilcox gespielt hat, kann Eric nicht ahnen. Im Herbst 2016 verfolgt Erics Freundeskreis fassungslos die Wahlniederlage Hillary Clintons gegen den Republikaner Donald Trump. Amerika wandelt sich. Plötzlich scheinen Freiheiten, für welche die vorangegangene Generation von Aktivist*innen gekämpft hat, nicht mehr selbstverständlich. Eric muss sich fragen, wer er ist und sein will.

 

Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Theaterstück «Das Vermächtnis» gelingt dem international gefeierten amerikanischen Dramatiker Matthew Lopez ein Meisterwerk des Storytelling: ein Bühnenepos in zwei Teilen, Beziehungs- und Gesellschaftsdrama, überreich an Figuren, ein Sittenbild, so komisch wie tragisch. Er übernimmt darin Motive aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Roman «Howards End», transferiert diese ins New York der 2010er-Jahre und erzählt temporeich die berührende Geschichte einer Wahlfamilie und schwulen Community, die vor der Frage steht, ob sie bereit ist, das Vermächtnis der jüngeren Geschichte anzunehmen. Lopez' Stück verneigt sich vor den Schicksalen der Vergangenheit und entwirft ein utopisches Bild gemeinsamer Verantwortung und gegenseitigen Respekts. Dabei steht es in der Tradition von Tony Kushners «Engel in Amerika», das in dieser Spielzeit ebenfalls am Residenztheater zu sehen sein wird.

 

Für Teil 2 von «Das Vermächtnis (The Inheritance)» kehrt Nicole Heesters nach langer Zeit wieder ans Residenztheater zurück.

IN DER ZUKUNFT WEITERGEHEN

EINE MÜNCHNER PERSPEKTIVE AUF DIE AIDSEPIDEMIE DER 1980ER-JAHRE UND QUEERE ERINNERUNG HEUTE

Ein Gespräch mit Sabrina Berndt, Forum Queeres Archiv München, anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung von Matthew Lopezʼ zweiteiliger Bühnensaga «DAS VERMÄCHTNIS»


Frau Berndt, Sie sind Vorstandsmitglied des Forum Queeres Archiv München, das sich als «Gedächtnis der LGBTIQ*- Community» versteht. 1973 sind Sie in die schwule Szene Münchens gekommen und haben die erste Welle der Aidsepidemie in den 1980er-Jahren – bis zu Ihrer Geschlechtsangleichung noch als schwuler Mann – miterlebt. Wie würden Sie diese Zeit beschreiben?

In der Anfangszeit von Aids haben wir es alle nicht fassen können. Die Unsicherheit war unglaublich groß. Wir wussten ja gar nicht genau, was diese Krankheit ist. Es hieß, sie wird über Geschlechtsverkehr übertragen und nimmt einen tödlichen Verlauf. Wir dachten, man bekommt Läsionen, Krebs, Atembeschwerden. Aber dass die Erkrankung ein spätes Stadium einer HIV-Infektion darstellt und erst ihr letztes Erscheinungsbild zum Tod führt, haben wir nicht gewusst. Die Panik legte sich erst langsam, als die ersten Medikamente verfügbar waren. Ich habe Ende 1986 mit der Geschlechtsangleichung begonnen, also genau in dieser Zeit. Ich bin von einer Beerdigung zur nächsten gegangen. Es war grauenvoll. Alles Menschen, die sich in der Anfangszeit angesteckt haben, als man nichts über die Krankheit wusste, und die 1988/89/90 gestorben sind, weil die Krankheit so weit fortgeschritten und nicht mehr behandelbar war.

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Literaturempfehlungen aus der Dramaturgie

 

«Wiedersehen in Howards End»

von E. M. Forster

Aus dem Englischen von Egon Pöllinger.

(Kartoniert. S. Fischer Verlag, 2005)


«Grundlagen eines kritischen Denkens»

von Didier Eribon

Aus dem Französischen von Oliver Precht.

Darin besonders das Kapitel: «Heimgesuchtes Leben. Subjektivität, Sexualität, Kreativität»

(Kartoniert. Verlag Turia + Kant, 2018)


«Betrachtungen zur Schwulenfrage»

von Didier Eribon

Aus dem Französischen von Achim Russer und Bernd Schwibs.

(Gebunden. Suhrkamp Verlag, 2019)


«Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat»

von Hervé Guibert

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel.

(Gebunden. August Verlag, 2021)


 

Englischsprachig:

 

«When We Rise. My Life in the Movement»

von Cleve Jones

(E-Book. Constable, 2017)


«Out of the Shadows. Reimagining Gay Men’s Lives»

von Walt Odets

(E-Book. Allen Lane, 2019)

Zum Autor Matthew Lopez

Geboren in Panama City, US-Bundestaat Florida, studierte Matthew Lopez Theater- und Performancekunst an der University of Southern Florida. Für sein Debütstück «The Whipping Man» wurde Lopez mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2011 mit dem Outer Critics Circle Award / John Gassner Playwriting Award. Weitere Stücke sind «Tio Pepe» (Summer Play Festival 2008), «The Legend of Georgia McBride» (2014, nominiert für den Outer Critics Circle Awards / Outstanding New Off-Broadway Play, 2016), «Reverberation» (2015) und «Zoey’s Perfect Wedding» (2018). Seine Stücke wurden am McCarter Theatre, The New Group, Penumbra Theatre Company, Ars Nova und The Lark Play Development Center entwickelt und aufgeführt. Im März 2018 wurde sein 300 Seiten umfassendes Opus Magnum «The Inheritance» (deutsch: «Das Vermächtnis») am Young Vic Theatre in London von Stephen Daldry uraufgeführt. Im Herbst desselben Jahres wechselte die Produktion ans Londoner West End, die Broadway-Premiere der US-Version folgte im Herbst 2019. «The Inheritance» war 2019 für insgesamt acht Olivier Awards nominiert, u. a. in der Kategorie «Best New Play». Es wurde mit dem Whatsonstage Award in der Kategorie «Best New Play» (2019), dem Drama Desk Award in der Kategorie «Outstanding Play» (2020) und dem Tony Award in der Kategorie «Best Play» (2021) ausgezeichnet. Matthew Lopez ist Mitglied der Ars Nova Writers’ Group, Stipendiat des New York Theatre Workshop und arbeitete als Staff-Writer für die erfolgreiche HBO-Serie «The Newsroom» von Aaron Sorkin.

Künstlerische Leitung

Inszenierung und Bühne Philipp Stölzl
Kostüme Kathi Maurer
Komposition Ingo Ludwig Frenzel
Licht Gerrit Jurda
Mitarbeit Bühne Franziska Harm
Dramaturgie Ewald Palmetshofer