Victory Condition

von Chris Thorpe

Deutsch von Katharina Schmitt I Deutschsprachige Erstaufführung!

Ein Paar kommt aus dem Urlaub nach Hause, füllt die Waschmaschine, steht vor dem leeren Kühlschrank, bestellt Pizza und beginnt von Biographien zu erzählen, von denen nicht klar ist, ob es die eigenen sind:
Ein Scharfschütze führt den Befehl seiner Regierung aus und zielt auf eine Demonstrantin. Seine Gedanken changieren zwischen politischer Legitimierung und obszöner Zärtlichkeit für die junge Aktivistin. Eine Frau beginnt ihren Arbeitstag in einer Agentur für Design mit der Vermutung, aufgrund einer Gehirnblutung in der U-Bahn-Station bewusstlos zusammengebrochen zu sein.
Der Komplexität einer immer vernetzteren Welt steht die direkteste Verbindung zwischen zwei Menschen gegenüber – die Schusslinie. Während der Scharfschütze einen Moment höchster Konzentration und tödlicher Linearität beschreibt, breiten sich Raum und Zeit mit all der darin vorhandenen multidimensionalen Gleichzeitigkeit, quasi als barockes Wimmelbild, vor der Designerin aus, in das sie hinein zu zoomen im Stande ist, um es mit größter Aufmerksamkeit zu betrachten.

In der Welt des Gaming gibt es zwei Arten von Spielen: jene, in denen man ohne finales Ziel durch ein sich ständig veränderndes, fiktives Universum wandert, und jene, in denen ein klar definiertes Ende angestrebt wird: der Sieg. "Victory Condition" handelt davon, dass die Menschheit in den zyklischen Wiedergängen der Geschichte vom Irrglauben angetrieben wird, ein für alle Mal gewinnen zu können. Ob es der politische Umsturz ist oder der karrieristische Aufstieg – immer wollen wir nur eines: gewinnen. Diesem auf ein Endziel hin gerichteten Denken steht die Vieldimensionalität der Welt diametral entgegen. Alles passiert immer. Eine Tatsache, die unsere Vorstellungskraft sprengt, das neuronale Netz überfordert, sodass das menschliche Bewusstsein notgedrungen gelernt hat zu fokussieren und damit Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen uns – ob wir es wollen oder nicht – mit der Welt verbinden.

Dem aus Manchester stammenden Autor Chris Thorpe gelingt es, die banal anmutenden Entschlüsse, die wir in unserem Alltag fällen, mit den großen politischen Fragen unserer Zeit zu verknüpfen. Und auch wenn die apokalyptische Welt, die der Autor entwirft, es nicht vermuten lässt, so gibt gerade die Verbindung zwischen den Menschen, die er in seinem Stück zur conditio humana erklärt, Grund zur Hoffnung, steckt darin doch auch die Möglichkeit zur Überwindung der Victory Condition.

Der junge Londoner Theater- und Opernregisseur Sam Brown ist mit seinen Inszenierungen international erfolgreich, diese waren u. a. an der Bayerischen Staatsoper, der English National Opera und dem Schauspielhaus Graz zu sehen. Mit "Victory Condition" zeigt er seine erste Arbeit am Residenztheater.

  • premiere 23 Nov 18
  • Regie Sam Brown
  • Bühne + Kostüme Alex Lowde

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Marstalljahresplan

Am Ende (fast) jeder Spielzeit stand in den vergangenen Jahren ein Wochenende mit rasch und wendig erarbeiteten Inszenierungen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren, Assistentinnen und Assistenten, sowie Regie-Studierenden der Theaterakademie August Everding. Was Marstallplan hieß, wird in unserer letzten Spielzeit zum Marstalljahresplan: drei Wochenenden mit jeweils zwei Premieren über die Spielzeit verteilt.

Marstalljahresplan

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019