Marstallplan 2: Das Nest

von Franz Xaver Kroetz

Marstallplan "Luxus braucht Sklaverei"

Wie leben wir und auf wessen Kosten? Wer zahlt den Preis von Luxus und Wachstum? Und wo bleibt die persönliche Möglichkeit einer Wahl oder eines Eingriffs? Wo die Chance auf Veränderung? Das Sommerfestival Marstallplan 2015 stellt sich diesen Fragen und lädt junge Regisseure zum Thema ein. Die Marstallplan-Inszenierungen werden in kurzer Zeit produziert. Sie sind Skizzen und eine gewollte Überforderung am Ende der Spielzeit. Das Festival sucht 2015 das Spiel mit der grotesken Geschichte des Handels vom Menschen mit Menschen. Den modernen Sklaven und dem Wachstumsmarkt Mensch schenken wir ein Festival lang Aufmerksamkeit.

Ein Kind ist teuer. Besonders wenn man ihm bieten möchte, was die anderen haben. Doch Kurt ist immerhin Lastwagenfahrer, und er und seine Freundin Martha sparen, wo sie können. Nach der Geburt ihres Sohnes gerät Kurt jedoch zusehends unter finanziellen Druck: Kapital wird ihm zum Maßstab seiner Qualität als Vater und Partner. So begrüßt er jede Überstunde, stürzt sich folgsam und ergeben in die Arbeit und genießt das Vertrauen seines Chefs, ohne zu merken, wie dieser seine Abhängigkeit missbraucht. Erst als er durch einen "Spezialauftrag" seinen Sohn in Lebensgefahr gebracht hat, beginnt Kurt die natürliche Ordnung, an die er so fest geglaubt hatte, zu hinterfragen. Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will? Kroetz führt in seinem Volksstück, mit dem er 1976 den Mülheimer Dramatikerpreis gewann, seinem Protagonisten die fatalen Konsequenzen einer Unmündigkeit vor Augen, die nicht nur einer kapitalistischen Gesellschaftsstruktur, sondern ebenso ihrer allzu bereitwilligen Akzeptanz verschuldet ist. Am Ende steht Kurt vor einer Wahl, die in diesem System auf zynische Weise obsolet geworden scheint: Denn selbst wenn er bei der Polizei für seine Tat einsteht, riskiert er damit mehr zu verlieren als zu gewinnen.

Julia Prechsl, 1992 in Landshut geboren, studiert im 3. Jahrgang Regie (Leitung: Prof. Sebastian Baumgarten) an der Theaterakademie August Everding / HMT München. Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Studium der Theater-/Medienwissenschaften und Pädagogik an der FAU Erlangen-Nürnberg und arbeitete als Regieassistentin in verschiedenen Produktionen, u.a. am Schauspiel Frankfurt und beim KULTURmobil. Neben diversen Regiearbeiten im Rahmen ihres Studiums inszenierte sie 2014 am Theater Hof Peter Lunds ZARAH 47. Ihre Stückentwicklung ARBEITSTITEL ZENZI ist im Mai 2015 bei den 33. Bayerischen Theatertagen in Bamberg zu sehen.

 

Der reguläre Preis beträgt 9 Euro je Einzelvorstellung. Beim Kauf von Karten für mindestens drei Einzelvorstellungen von Marstallplan 1 und/oder Marstallplan 2 erhalten Sie die Einzelkarte für je 6 Euro. Dieses Package ist nur telefonisch unter 089 2185 1940 und an den Kassen der Bayerischen Staatstheater erhältlich. Schüler und Studenten erhalten gegen Vorlage eines gültigen Ausweises Karten für 6 Euro je Einzelvorstellung.

  • premiere 05 Jul 15
  • Kooperation des Residenztheaters mit der Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München mit dem Studiengang Regie
  • Regie Julia Prechsl
  • Bühne und Kostüme Lili Anschütz
  • Licht Fabian Meenen
  • Video Florian Schaumberger
  • Dramaturgie Rose Reiter + Laura Olivi
mit
  • Simon Heinle Kurt
  • Genija Rykova Martha
  • Fiete Wachholtz Live-Musik
Bild 

MARSTSTALLPLAN 2: DAS NEST