Marat/Sade

von Peter Weiss

Als Autor und Regisseur lädt Marquis de Sade zum grotesken Revolutionstheater und ruft die Geister der Französischen Revolution herauf. Deren Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind bereits wenige Jahre nach der Revolution für immer verloren. Radikaler Individualismus steht auf der Tagesordnung. Die Freiheit des Einzelnen geht auf Kosten anderer und die Brüderlichkeit scheint zum Nationalismus verkommen. Die Darstellung der Ermordung des wichtigsten Wortführers für die Rechte des einfachen Volkes, Jean Paul Marat, kommentiert de Sade mit seiner eigenen Erfahrung gegenüber einer Revolution, die "zu Ende geführt" wurde "von Kaiser Napoleon". Während der extreme Sozialist Marat und der skeptische Individualist de Sade noch über die Notwendigkeit sozialer Umwälzung debattieren, lässt de Sade dreimal die Mörderin Marats, Charlotte Corday, auftreten. Die ehemalige Landadlige und ihr Liebhaber, der girondistische Abgeordnete Duperret, eröffnen als konservative Patrioten den Totentanz der Restauration. Denn längst will auch das Volk sein Stück vom Kuchen und fordert: "Marat wir wollen keine Tüten kleben/ Marat wir wollen im Wohlstand leben." 

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung, die Peter Weiss am 29. April 1964 über Nacht als Theaterautor weltberühmt gemacht hat, stellen sich die Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und politischem Bewusstsein immer wieder neu. Peter Weiss’ Drama, von Tina Lanik inszeniert, ist geschichtsphilosophische Reflexion und Theaterspektakel zugleich und dank seiner radikalen Offenheit bis heute kontrovers.

 

 

Residenztheater
  • Do 27. Sep 18, 19:30 Uhr
  • Sa 29. Sep 18, 19:30 Uhr
  • Mo 01. Okt 18, 19:30 Uhr
  • Mo 22. Okt 18, 19:30 Uhr
  • premiere 27 Sep 18
  • Regie Tina Lanik
  • Bühne + Kostüme Stefan Hageneier
  • Musik Cornelius Borgolte
  • Licht Gerrit Jurda
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
mit

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019