Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag

von Warlam Schalamow

Uraufführung!! Deutsch von Gabriele Leupold

Die sibirische Kolyma ist eine riesige Region Russlands, weit weg von Moskau, eine lebensfeindliche, von Permafrost durchdrungene "Insel" am Ende der Welt. Dort, "am Kältepol", überlebt der Dichter Warlam Schalamow zwischen Steinbrüchen, Goldminen und Lagerbaracken, dem Tode meist näher als dem Leben, bei Schwerstarbeit, Schnee und Hunger. Insgesamt fast 18 Jahre ist er Inhaftierter eines weitverzweigten Lagersystems zur Zeit des Stalinismus, das unter dem Namen "Gulag" zu trauriger Berühmtheit gelangt. Nach seiner Entlassung notiert er, über ein beeindruckendes Gedächtnis verfügend, mit maßloser Schaffenswut, die "Erzählungen aus Kolyma": Zeugnis vom Lager, das zur Chiffre des 20. Jahrhunderts werden sollte, und literarisches Ringen um die Fassbarkeit des undenkbaren und doch erdachten und gelebten Grauens. Schalamows Erzählungen zeugen von der Normalität des Monströsen, von der unumkehrbaren Deformation der Psyche und der Lakonik kurz aufblitzenden Glücks, von der Gleichgültigkeit des Todes, der nicht schlimmer sein kann als das, was man hier Leben nennt. Mit einer Sprache, die jegliches Ornament abstreift und nach dem Wesentlichen und Wahrhaftigen sucht, ergründet Schalamow unerbittlich den dünnen Firnis von Zivilisation und Kultur, ja die Essenz des Menschlichen. Gegen die Verführung des Vergessens schafft er ein immenses Werk, dunkles Kompendium eines menschlichen Infernos, im Zentrum die Frage: "An welcher letzten Grenze kommt das Menschliche abhanden? Wie davon erzählen?" 

Timofej Kuljabin, 1984 geboren, ist leitender Regisseur am Nowosibirsker Theater "Rote Fackel" und eines der aufsehenerregendsten Regietalente seiner Generation. 2015 wurde seine international beachtete Inszenierung von "Tannhäuser" an der Nowosibirsker Staatsoper auf Betreiben der orthodoxen Kirche hin wegen Blasphemie abgesetzt, ebenso wie der damalige Intendant. "Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag" ist seine erste Schauspielinszenierung in Deutschland.

  • premiere 03 Mär 18
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 15
  • Keine Pause
  • Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
  • Regie Timofej Kuljabin
  • Bühne Oleg Golovko
  • Kostüme Galya Solodovnikova
  • Licht Georgij Belaga
  • Dramaturgie Olga Fedianina + Angela Obst

Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag Programmheft Auszug (PDF)

Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag Programmheft Auszug (PDF)
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FLIEGENDES BLATT 12/16
VON MONIKA RINCK

Fliegendes Blatt 12/16

Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag

Das Ferne nah sehen von Angela Obst

Der GULag ist uns fern. Er gehört zur Geschichte Russlands, sagen wir, verbindet sich mit dem unbekannten Sibirien, dem leeren und fremden Territorium im Osten, blinder Fleck im europäischen Gedächtnis, den Hegel bereits 1837 in seinen "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte" exkommunizierte: "Zuerst ist die nördliche Abdachung, Sibirien, auszuschalten. Sie liegt für uns jenseits der Betrachtung.

Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag

AM KÄLTEPOL – ERZÄHLUNGEN AUS DEM GULAG (FOTOGALERIE)

Probeneinblick: "Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag"

Der russische Regisseur Timofej Kuljabin, eines der aufsehenerregendsten Regietalente seiner Generation, erarbeitet mit einem rein weiblichen Ensemble die Uraufführung von Warlam Schalamows Erzählungen aus dem Gulag. Mit "Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag" feiert er am 3. März im Cuvilliéstheater Premiere. Ein Probeneinblick in Bildern. MEHR ...
Probeneinblick: "Am Kältepol – Erzählungen aus dem Gulag"

4 Premieren in 10 Tagen

Premierenrausch auf allen Resi-Bühnen mit "Der Balkon", "Ein Volksfeind", "Erschlagt die Armen!" + "Am Kältepol"

Innerhalb von 10 Tagen feiern 4 Neuinszenierungen auf den Bühnen des Residenztheaters Premiere: "Der Balkon" von Jean Genet ab 22. Februar im Marstall, Ibsens "Ein Volksfeind" ab dem 24. Februar im Resi, ab dem 2. März das Solo "Erschlagt die Armen!" im Marstall und die Uraufführung von Warlams Schalamows Erzählungen aus dem Gulag "Am Kältepol" am 3. März im Cuvilliéstheater.

4 Premieren in 10 Tagen

"Das Glück des Men-schen ist seine Fähig-keit zu verges-sen." Warlam Schala-mow, "Am Kältepol – Erzäh-lungen aus dem Gulag"

"Has the world changed, or have I changed?"

Eines Morgens, aus unruhigen Träumen erwachend, im Ohr die alte Liedzeile: "Has the world changed, or have I changed?" Es ist der Petersburger Blutsonntag 1905, Berlin im Novemberregen 1923, ein Junitag im Jahr 1483 in London oder New York in den späten 1980ern. Und auch die schönen Tage von Aranjuez sind bereits vorbei.

"Has the world changed, or have I changed?"