Don Juan

von Molière

Deutsch von Hartmut Stenzel

Ein spanischer Adliger, gleichermaßen mit sexuellem Appetit, intellektueller Finesse und moralischer Un­bekümmertheit gesegnet, streunt mit seinem geistig etwas schwerfälligen Diener durch Sizilien und reißt Frauen auf. Das ist manchmal mühseliger, manchmal ein Fingerschnippen, doch wirklich unangenehm wird es, wenn die Frauen ihn nicht ziehen lassen wollen oder  bewaffnete Brüder haben. Noch unangenehmer kann es werden, die Statue eines Toten zum Essen einzuladen. Dabei ist sein Credo doch offenkundig: "Ich habe einen natürlichen Hang, mir bei allem, was mich anzieht, kei­ne Schranken zu setzen."

Don Juan heißt der vitale Freigeist und ist, neben Faust, das Paradigma der männlichen Gier in der europäischen Literatur. Ursprünglich, 1630 bei Tirso de Molina, noch ein rhetorisch unauffälliger, sexuell umso aktiverer, ja brutaler Frauenaufreißer, wird er durch unzählige (Um-­) Deutungen und Fortschreibungen mythisiert und dä­monisiert, aber auch destabilisiert und verbürgerlicht. So hat noch jede historische Epoche den Don Juan be­kommen, der ihr gebührt.

Molières Adaption zielt auf den freien Radikalen, dessen Normverstöße aus großer Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftspolitischen, moralischen und religiösen Kodizes gespeist sind. Don Juan gerät hier zum ver­führerischen Atheisten, der an Mathematik statt ans Jenseits glaubt, zum ephemeren Verschwender und Verbraucher, der Gott und König verlacht und über­haupt alle Väter, die auf den (irdischen und himmli­schen) Thronen sitzen. Regisseur Frank Castorf wendet sich somit einmal mehr einer ewig rastlosen "sexuellen Großmacht" (Brecht) zu, dem die Frauen wie Stern­schnuppen zufliegen und die Erde beklemmend eng ist.

Residenztheater
  • Di 20. Nov 18, 18:30 Uhr
  • Do 20. Dez 18, 18:30 Uhr
  • premiere 29 Jun 18
  • Vorstellungsdauer ca. 4 std.
  • eine pause
  • Regie Frank Castorf
  • Bühne Aleksandar Denić
  • Kostüme Adriana Braga Peretzki
  • Soundtrack William Minke
  • Licht Gerrit Jurda
  • Live-Kamera Josef Motzet + Jaromir Zezula
  • Video + Live-Schnitt Marie-Lena Eissing
  • Dramaturgie Angela Obst
mit

"Don Juan" Soundtrack von William Minke

Die Musik aus Frank Castorfs neuer Inszenierung

Rabbit Snare – Throbbing Gristle
The Boys Are Back In Town – Thin Lizzy
Good Morning Spider – Sparklehorse
Gracias Por La Noche – Blake Leyh
Bisbigli Della Gente – Ennio Morricone
Blue Spanish Sky – Chris Isaak
The Grindhouse Blues – Robert Rodriguez
Blue Moon – The Mavericks
A Waste Land – Jan Jelinek
Jesus In The Courtyard – King Dude
Up In Flames – Koko Taylor
Blue Dark Waltz – Luis Bacalov
Mountains Falling – David Lynch & John Neff
So Tell the Girl That I'm Back In Town – Jay-Jay Johanson

"Don Juan" Soundtrack von William Minke

Kurt-Meisel-Preis 2018 an Franz Pätzold

Förderpreise gehen an Mathilde Bundschuh + Philip Dechamps. Alfred Kleinheinz erhält einen besonderen Freundschaftspreis

Resi-Schauspieler Franz Pätzold erhält den diesjährigen Kurt-Meisel-Preis des Vereins der Freunde des Residenztheaters. Die Förderpreise für junge Theatertalente gehen in diesem Jahr an die Schauspielerin Mathilde Bundschuh und den Schauspieler Philip Dechamps. Ein besonderer Freundschaftspreis geht 2018 an Alfred Kleinheinz für seine Verdienste um den Verein der Freunde des Residenztheaters. Die feierliche Verleihung findet im Rahmen einer öffentlichen Theatermatinee am Sonntag, den 8. Juli um 11.00 Uhr im Residenztheater statt.

Kurt-Meisel-Preis 2018 an Franz Pätzold

Franz Pätzold im Capriccio-Portrait des BR

"Gerade feierte er als 'Don Juan' Premiere: Franz Pätzold. Er ist der Mann der Stunde am Münchner Residenztheater. Auch beim Film startet er gerade durch. Nun erhält Pätzold den Kurt-Meisel-Preis."

Franz Pätzold im Capriccio-Portrait des BR

DON JUAN INHALTSANGABE

Don Juan ist neben Faust das Paradigma der männlichen Gier in der europäischen Literatur. Der mythisch aufgeladene Frauen-aufreißer hat sich in unser Vokabular eingespeist, ist sprichwör t  - licher Pate für den begehrenden und begehrten Womanizer ge-worden, diesem gleichmütigen Serientäter, dem kein Nebenbuhler gewachsen ist und keine Frau widerstehen kann.  Die Suche nach einem realen Vorbild ist ergebnislos verl aufen.

DON JUAN INHALTSANGABE

Fliegendes Blatt 16/16

von Monika Rinck

MEIN LOHN! MEIN LOHN! MEIN LOHN!

Das Angebot beendet die Nachfrage.
Besitz ist gleichbedeutend mit Vernichtung.
Ein jedes geteiltes Interesse verendet.
Brandneue Ware geht in den Zerstückler.
Andre brandneue Ware steht schon bereit.

Fliegendes Blatt 16/16

"Woran ich glaube? Ich glaube, dass zwei und zwei vier sind." Molière, "Don Juan"

Social Media Bühnentour "Don Juan"

#EINNEUERCASTORFFÜRMÜNCHEN

Hinter, neben und vor allem auf die Bühne der Castorf-Inszenierung "Don Juan" im Resi: am 7. Juli bei der Social Media Bühnentour exklusiv für nur 10 Resi-Fans mit Twitter- oder Instagram-Account. Aus nächster Nähe die detailreich ausgestatteten Bühnenbildwelten von Aleksandar Denić erkunden, die Spielfläche der Castorf-Inszenierung erobern und Einblicke in die mehrstöckigen Bühnenbau, die den Zuschauern sonst verborgen bleiben, erhalten.

Social Media Bühnentour "Don Juan"

Probenstart für Frank Castorf + das Resi-Ensemble

"Don Juan" feiert am 29. Juni im Resi Premiere

Frank Castorf bringt mit seiner Inszenierung von Molières "Don Juan" ab dem 29. Juni das Paradigma der männlichen Gier in der europäischen Literatur auf die Resi-Bühne. Aktuell befindet er sich mit Bibiana Beglau, Nora Buzalka, Götz Schulte, Marcel Heuperman, Aurel Manthei, Franz Pätzold und Jürgen Stössinger aus dem Ensemble des Residenztheaters in Proben zur Inszenierung von Molières vitalem Freigeist.

Probenstart für Frank Castorf + das Resi-Ensemble