Mauser

von Heiner Müller

"Wofür sind wir bereit zu töten? Oder besser, wofür sind wir bereit zu sterben? Beide Fragen sind in Heiner Müllers 'Mauser' so präsent, wie sie in der gegenwärtigen westeuropäischen Gesellschaft abwesend sind. Es ist nicht zulässig, über Gewalt als Mittel zur Veränderung der sozialen Verhältnisse nachzudenken, unterdessen ist die Gewalt das wesentliche Instrument zur Aufrechterhaltung der bestehenden sozialen Ordnung." (Oliver Frljić)

Im russischen Bürgerkrieg wird dem Genossen A von der Partei die Leitung des Revolutionstribunals in Witebsk übertragen. Er verrichtet die "Arbeit des Tötens" zur Zufriedenheit, bis er plötzlich in einen Exzess verfällt und das Magazin seiner Mauser in eine Leiche entlädt. Wer das Töten nicht mehr als Arbeit, sondern als Lust empfindet, ist für die Revolution untragbar geworden. Der Genosse A wird – wie einst der Prinz von Homburg – aufgefordert, in seine eigene Hinrichtung einzuwilligen.

Für Oliver Frljić, dessen Inszenierung "Balkan macht frei" seit vorletzter Spielzeit im Marstall zu sehen ist, stellt sich in Heiner Müllers Stück von 1970 die Frage, ob gesellschaftlicher Wandel ohne Gewalt zu haben ist, und was es hieße, wenn dem nicht so wäre.

 

 

Marstall
  • Sa 21. Okt 17, 20:00 Uhr
  • Mo 23. Okt 17, 20:00 Uhr
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 30
  • Keine Pause
  • Regie + Bühne + Musik Oliver Frljić
  • Kostüme Sandra Dekanić
  • Licht Gerrit Jurda
  • Dramaturgie Marija Karaklajić + Sebastian Huber

Kurt-Meisel-Preis 2017 an Thomas Loibl

Förderpreise an Nora Buzalka und Thomas Lettow

Ensemblemitglied Thomas Loibl wurde mit dem diesjährigen Kurt-Meisel-Preis des Vereins der Freunde des Residenztheaters ausgezeichnet. Die Mitglieder des Vereins würdigen damit seine herausragenden schauspielerischen Leistungen am Residenztheater. Die Förderpreise für junge Theatertalente gehen in diesem Jahr an Nora Buzalka und Thomas Lettow, die beide seit 2014 dem Ensemble angehören.

Kurt-Meisel-Preis 2017 an Thomas Loibl

KÖPFE IN STÜCKEN 11: Abartige Antwort

Ein Fortsetzungsroman von Dietmar Dath

Die Worte schmeckten nach fauligem Hibiskus, aber andere hätten ihr nicht das Leben gerettet, also unterdrückte Svenja den Würgereflex, als sie sagte: "Du bist ein Teil meiner Vergangenheit, den ich vergessen und verleugnen wollte." Es klang fast so kalt kalkuliert, wie es war, und wenn Svenja sich selbst als Beobachterin von außen in dieser Lage hätte zuhören können, wäre sie vielleicht beeindruckt gewesen von der Selbstbeherrschung, mit der sie alle Skrupel beiseite ließ, die sie daran hätten hindern können, einen eigentlich Unbeteiligten in ihr Drama zu zerren.

KÖPFE IN STÜCKEN 11: Abartige Antwort

Mauser

INHALTSANGABE

"Ein Mensch – Was ist das?" Im russischen Bürgerkrieg, der von der Oktoberrevolution 1917 bis zur Gründung der Sowjetunion im Jahre 1922 dauerte, wird A in das Revolutionstribunal der Stadt Witebsk berufen. Sein Vorgänger B hatte bei der Durchführung der Exekutionsbefehle versagt und aus Mitleid drei konterrevolutionäre Bauern freigelassen, anstatt sie hinzurichten. Wer aber Feinden der Revolution die Freiheit schenkt, ist selbst einer, und so besteht A's erste Aufgabe darin, seinen Vorgänger hinzurichten.

Mauser

Mauser Programmheft Auszug (PDF)

Mauser Programmheft Auszug (PDF)
Bild

"Ich bin ein Mensch."

"Was ist das."

Heiner Müller, "Mauser"

Heiner Müller am Resi

Der April steht im Zeichen von Heiner Müller mit dem Gastspiel "Der Auftrag" vom Schauspiel Hannover, der Wiederaufnahme von "Zement" im Residenztheater, Oliver Frljićs Premiere "Mauser" im Marstall + der Buchpremiere "Für alle reicht es nicht".

Heiner Müller am Resi

Statement von Martin Kušej zur Hetze gegen Oliver Frljić

"Wir verurteilen die kunstfeindlichen Proteste während der Aufführungen von Oliver Frljićs Inszenierungen der vergangenen Tage – 'Klątwa / Der Fluch' in Warschau sowie 'Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt' in Split – aufs schärfste und stellen uns der Hetze extremer Nationalisten gegen Regisseur Oliver Frljić entgegen. Wir erklären uns solidarisch mit den Kollegen des Teatr Powszechny in Polen und des Hrvatsko Narodno Kazalište in Kroatien. Das gewaltvolle Einschreiten der Nationalisten ist ein schwerer Angriff auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und gefährdet massiv die Kunstfreiheit, die nicht in Frage gestellt werden darf. Besonders besorgniserregend scheint uns, dass dieses Klima von offizieller Seite befördert wird. Nach seiner Inszenierung 'Balkan macht frei' freuen wir uns, mit Heiner Müllers 'Mauser' ab kommenden Donnerstag, 27. April, Oliver Frljićs zweite Münchner Arbeit im Marstall präsentieren zu können." Martin Kušej, Intendant des Residenztheaters, 25. April 2017

Statement von Martin Kušej zur Hetze gegen Oliver Frljić