Der Sandmann

nach E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmanns Erzählung von 1815 "Der Sandmann" ist ein Paradies für Deutungsjäger. Das Bravourstück der schwarzen Romantik verbindet Mythen wie die vom Sandmann, der den Kindern die Augen blutig aus dem Kopfe reißt, den (Alp-)Traum vom menschenähnlichen Automaten und eine psychopathologische Fallstudie miteiner literarischen Fingerfertigkeit, die der Postmoderne Tränen in die Augen treibt. Virtuos spielt der Autor auf der Klaviatur des Unheimlichen (von dem Freud wusste,dass es "irgendwie eine Art von heimlich" ist): Es knallt und pufft und brennt in diesem Text, der die Menschen wie Puppen verrenkt und die ärgsten Phantasien in dieWelt stellt, bis sie beinahe zerbricht. Eines der zentralen Motive, die sich durch den "Sandmann" ziehen, ist das des versehrten, entrissenen, in jedem Fall unzuverlässigen Auges. Subkutan durchwirkt die Angst vor dem Verlust des Sehens, des Blickes, des eigenmächtigen Zugriffs auf die Welt (von Freud als Kastrationsangst übersetzt) alle Verästelungen des Textes und ergreift schleichend vom Leser Besitz. Heute, da wir uns zwischen fragmentierten Narrativen, alternativen Fakten und manipulierten Bildern kaum noch einigen können, welche Wahrheit denn unumstößlich, welchen Augen noch zu trauen ist, scheint uns der 200 Jahre alte "Sandmann" von unheimlich-heimlicher Vertrautheit: Wo keine Gewissheiten sind, ist Furcht. Aber auch die Freiheit des Spiels.

Marstall
  • Fr 24. Mai 19, 19:30 Uhr
  • Di 04. Jun 19, 20:00 Uhr
  • Mo 17. Jun 19, 20:00 Uhr
  • So 23. Jun 19, 19:00 Uhr
  • Do 27. Jun 19, 20:00 Uhr
  • premiere 31 Mär 19
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std.
  • Keine Pause
  • Regie Robert Gerloff
  • Bühne Maximilian Lindner
  • Kostüme Johanna Hlawica
  • Musik Cornelius Borgolte
  • Licht Martin Jedryas
  • Video Marie-Lena Eissing
  • Dramaturgie Angela Obst
mit

DER SANDMANN INHALTSANGABE

Eine Reise ins Herz der deutschen Finsternis

Napoleon, den Befreiungskriegen und der preußischen Restauration ist es zu verdanken, dass E.T.A. Hoffmann zum wirkmächtigen Schriftsteller wird. Eine historische Zäsur am Ende des 18. Jahrhunderts, die eine "Explosion des Politischen" (Safranski) aus dem staatlichen Monopol heraus in die Gesellschaft mit sich bringt, hat, in Verbindung mit dem Kriegsgeschehen genau vor Hoffmanns Nase, seine Politisierung zur Folge.

DER SANDMANN INHALTSANGABE

DER SANDMANN (FOTOGALERIE)

WAS HEIßT SPIELEN? – No. 16

Die Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann 2018 in einem Gespräch über die neue rechte Rhetorik. Assmann nimmt auch auf Orwells „1984“ und die darin verhandelte Manipulation von Sprache im totalitären Staat bezug.

"Dass Worte ihre Grundbedeutung plötzlich ändern, indem wir da sind und zuschauen und merken, dass sich Bedeutungen entziehen und andere da-runtergelegt werden, das ist eine sehr beunruhigende Erfahrung, die ich im Moment mache."

WAS HEIßT SPIELEN? – No. 16

"Aber dann

und wann

ist es, als

greife eine schwar-

ze Faust

in unser Leben

und reiße

irgend-

eine

Freude heraus,

die uns

auf-

ge-

gangen."

E.T.A. Hoff-

mann

"Der

Sand-

mann"

 

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Marstalljahresplan

Am Ende (fast) jeder Spielzeit stand in den vergangenen Jahren ein Wochenende mit rasch und wendig erarbeiteten Inszenierungen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren, Assistentinnen und Assistenten, sowie Regie-Studierenden der Theaterakademie August Everding. Was Marstallplan hieß, wird in unserer letzten Spielzeit zum Marstalljahresplan: drei Wochenenden mit jeweils zwei Premieren von jungen Regisseurinnen und Regisseuren über die Spielzeit verteilt, die auch über das Premierenwochenende hinaus in weiteren Aufführungen zu erleben sind.

Marstalljahresplan

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019