Der nackte Wahnsinn

(Noises Off)

von Michael Frayn

Deutsch von Ursula Lyn

Der Regisseur ist mit seinen Nerven am Ende. In nicht mal 24 Stunden wird die Theaterpremiere der Komödie "Nackte Tatsachen" stattfinden, und die Schauspieler versagen. Oder haben sie sich gegen ihn ver-schworen? Gut, die Probenzeit war kurz für diesen Tür-auf-Tür-zu-Reigen aus Zufällen, Verwechslungen, Koinzidenzen, es geht um Steuerhinterziehung, Immobiliendeals, Quickies und Familienzusammenführung, kurz: ein Potpourri menschlicher Leidenschaften.

Die Generalprobe ist endlich holprig überstanden, doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Das Stück beginnt noch einmal, und diesmal sehen wir dem Ensemble von der Hinterbühne aus zu. Es ist Zeit vergangen, die Inszenierung weist einigen Verschleiß auf, die amourösen Verwicklungen fordern ihren Tribut, Spielverabredungen sind längst Verhandlungssache, doch auf magische Weise gibt es keine Toten, sondern den erlösenden Schlussvorhang. Und dann sehen wir das Stück ein drittes Mal – nimmt das denn nie ein Ende?

Nein. Das hört nicht auf. Michael Frayn benutzt in seiner berühmten Komödie das Spiel im Spiel und lässt uns durch diese (unendlich fortsetzbare) Entgrenzung über Wahrheit und Fiktion, Kunst und deren Produktion nachdenken und das Spiel und dessen kostbaren Freiheitsmoment feiern. Martin Kušej macht seine letzte Inszenierung während seiner Intendanz am Residenztheater zu einer großen Liebeserklärung: an das Theater, an die Kunst, an den Menschen.

Residenztheater
  • Fr 19. Okt 18, 19:30 Uhr
  • Sa 20. Okt 18, 19:30 Uhr
  • Di 23. Okt 18, 19:30 Uhr
  • Mo 29. Okt 18, 19:30 Uhr
  • Di 06. Nov 18, 19:30 Uhr
  • So 18. Nov 18, 19:00 Uhr
  • Mo 19. Nov 18, 19:30 Uhr
  • premiere 19 Okt 18
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std. 40
  • eine pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Annette Murschetz
  • Kostüme Heide Kastler
  • Licht Gerrit Jurda
  • Dramaturgie Angela Obst
mit

DER NACKTE WAHNSINN (FOTOGALERIE)

"Sardin-en rein, Sardinen raus. Das ist Farce. Das ist Theater. Das ist Leben." (Michael Frayn)

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019