Das Schlangenei

von Ingmar Bergman

Deutsch von Heiner Gimmler

Abel Rosenberg ist gemeinsam mit seinem Bruder Max und dessen Frau Manuela jahrelang als erfolgreicher Zirkusartist um die Welt gezogen. Nach Max' Verletzung leben die drei mit ihren gesparten Dollars in Berlin. In den trüben Novembertagen des Jahres 1923, als ein Dollar 150 Millionen Mark wert ist und Hitlers Putschversuch in München scheitert, wird das verlorene Künstlertrio in eine Folge mysteriöser Morde verwickelt. Max begeht Selbstmord und Abel und Manuela erleben immer intensiver den fiebernden Alptraum von sozialer Verwerfung und Nationalismus. Dagegen versucht Polizeiinspektor Bauer eine kleine Insel der Ordnung und der Vernunft zu schaffen und tut mitten im allgemeinen Chaos seine Pflicht. Doch längst sind existentielle Leere und Extremismus an die Stelle traditioneller Werte getreten und schaffen so den Nährboden für die zynischen Visionen des Mediziners Hans Vergérus.

Ingmar Bergmans 1976/77 in München gedrehter Film "Das Schlangenei" beschreibt ein Deutschland, dessen Ordnung am Zerbrechen ist und das durch Abschottung und Passivität die demokratische Idee in Frage stellt. Regisseurin Anne Lenk inszeniert den Film von Ingmar Bergman, der 2018 Jahr 100 Jahre alt geworden wäre und dem Residenztheater von 1977 bis 1984 als Theaterregisseur eng verbunden gewesen ist, als surreales Kammerspiel über die Katastrophe menschlicher Selbstvernichtung, die hinter der dünnen Schale der Zivilisation immer wieder aufs Neue zu erleben ist.

Cuvilliéstheater
  • Do 23. Nov 17, 19:30 Uhr
  • Di 28. Nov 17, 19:30 Uhr
  • Di 05. Dez 17, 19:30 Uhr
  • Sa 09. Dez 17, 19:30 Uhr
  • Do 14. Dez 17, 19:30 Uhr
  • Di 19. Dez 17, 19:30 Uhr
  • premiere 30 Sep 17
  • Vorstellungsdauer ca. 2 std.
  • Keine Pause
  • Regie Anne Lenk
  • Bühne Judith Oswald
  • Kostüme Sibylle Wallum
  • Musik Jan Faszbender
  • Licht Markus Schadel
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz
mit

Das Schlangenei Programmheft Auszug (PDF)

Das Schlangenei Programmheft Auszug (PDF)
Bild

FLIEGENDES BLATT 02/16

von Monika Rinck

Wir betreten nun den Innenraum, das ist vermutlich die Lunge. Links davon der Bänkelgesang: Es ist die Milz. Bitte entfernen Sie sich ein wenig weiter vom Thema. Fasern und Bronchien, der ganze Zirkus mit Namen Bronchitis. Die Gewalt steht längs der Leber an einem Pranger. Die Leber muss schuften. Huch! Was schuftet die Leber! Unermüdlich ist sie und unendlich müde. Der Organismus antwortet mit Fieber. Es hampeln Synapsen. In Penumbra, umtanzt von Sexualitäten und ihren Organen. Mehl. Hier brüten die Eier in körpereigenen Zellophanen. Hier brodelt der Schoß.

FLIEGENDES BLATT 02/16

DAS SCHLANGENEI INHALTSANGABE

Ingmar Bergmans in München gedrehter Film "Das Schlangenei" beschreibt ein Deutschland, dessen Ordnung am Zerbrechen ist und das durch Abschottung und Passivität die demokratische Idee in Frage stellt. Der schwedische Regisseur befand sich zur Zeit der Entstehung des Films im "bayrischen Exil". Er war zuvor während einer Probe im Stockholmer Dramaten zu Unrecht wegen Steuerhinterziehung von der Polizei abgeführt und angeklagt worden. Bergman erlitt einen Nervenzusammenbruch.

DAS SCHLANGENEI INHALTSANGABE

DAS SCHLANGENEI (FOTOGALERIE)

"Die Vergif-tung schrei-tet konti-nuier-lich fort." Ingmar Bergman, "Das Schlan-genei"

Die Schatten der Zukunft

Patrick Thor über aktuelle Fragestellungen von Ingmar Bergmans "Schlangenei", eine mögliche "Kainisierung" der Gesellschaft in Zeiten der AfD und darüber wie schnell die dünne Schale der Zivilisation brechen kann. MEHR ...
Die Schatten der Zukunft

Ingmar Bergman in München

"Die Erschöpfung des Exils" auf Bayern 2

In den späten 1970er Jahren flüchtete der weltberühmte Regisseur Ingmar Bergman vor der schwedischen Steuerbürokratie ins Exil nach München, wo er am Residenztheater Regie führte und zwei (besonders pessimistische) Filme drehte. Die Stadt gefiel ihm, aber er gefiel ihr nicht. Eine Hassliebesgeschichte, erzählt von Markus Metz und Georg Seeßlen (Bayern 2) zum 10. Todestag von Ingmar Berman am 30. Juli 2017.

Ingmar Bergman in München

Spielzeiteröffnung 2017/18

Politisches Schauspielertheater mit "Kinder der Sonne" + "Das Schlangenei"

Mit der Premiere von Maxim Gorkis "Kinder der Sonne" eröffnet das Residenztheater am 23. September die Spielzeit 2017/18. Es ist die siebte Spielzeit unter Intendant Martin Kušej, in der mit der Frage "Wer ist wir?" eine neue Perspektive auf das eigene Schaffen und das Publikum eingenommen wird. David Bösch inszeniert das vom russischen Dramatiker Gorki am Choleraaufstand 1892 angelehnte Drama "Kinder der Sonne" über den eitlen Chemiker Protassow. Am 30. September zeigen wir die zweite Premiere der neuen Spielzeit: "Das Schlangenei" von Ingmar Bergman im Cuvilliéstheater inszeniert von Anne Lenk.

Spielzeiteröffnung 2017/18