Begehren

von Josep Maria Benet i Jornet

Deutsch von Fritz Rudolf Fries

Ein Ehepaar in seinem Haus auf dem Lande. Inbegriff des häuslichen Friedens wie auch Beginn einer Vielzahl von Horrorfilmen. Sie und der Ehemann – sie haben sich eingenistet in der Bequemlichkeit der Zweisamkeit, die aus Gewohnheiten besteht und aus Abhängigkeiten.

Dieses sorgfältig über Jahre etablierte Gleichgewicht kann von außen leicht gestört werden. Ein Anruf, an dessen anderem Ende niemand ist, reicht bereits, um Gewissheiten infrage zu stellen. Derselbe fremde Mann, der immer wieder mit einer Panne neben seinem Auto mitten auf der Landstraße steht, löst Bedrohungsgefühle aus, bis die Frau ihn konfrontiert. In einem Diner treffen sie auf eine zweite Frau, während der Ehemann daheim wartet. Die hinzugekommene Frau erinnert sich an eine vergangene Beziehung; irritierend ihr Changieren zwischen Gegenwart und lang vergessener Vergangenheit. Zurück im Landhaus, ihrem eskapistischen Ort der Zweisamkeit, klingelt wieder das Telefon. Ist niemand dran, kocht die Zweisamkeit über, zielen die kleinen Verletzungen näher und näher ans Herz. Und plötzlich steht die Frau auf der Landstraße, neben dem Auto, mit Panne. Und der (Alp-)Traum hat sich in ihre somnambule Lebensrealität gestülpt. Eine Szenenfolge, immer wieder durchbrochen von Monologen der Figuren, angesiedelt auf einem Lost Highway im Nirgendwo, wo der Mensch mit sich allein sein muss und doch mit allen und allem in Verbindung steht. Eine mystische Erkundung des menschlichen Daseins.

"Begehren" legt uns Zuschauern bewusst in die Irre führende Fährten aus, beginnend mit den namenlosen Figuren, von denen wir nur wissen, was sie uns erzählen, deren Identitäten wie durch den Nebel von Erinnerungen erscheinen, die Motivationen undurchsichtig. Die Realität ihres Begehrens ist brüchig, Situationen im steten Kippen gefangen. Schizophrenie und Berechnung liegen fast deckungsgleich übereinander, Begehren und Vergessen ergänzen sich zu einem theatralen Vexierspiel, das immer wieder zwischen Thriller und Kammerspiel wechselt.

Die junge Regisseurin Mirjam Loibl zeigt mit dem Stück "Begehren" des Katalanen Josep Maria Benet i Jornet ihre zweite Arbeit im Marstall. Mit Dawn Kings "Foxfinder", einer düsteren Parabel über die Mechanismen einer Überwachungsgesellschaft, debütierte sie 2017 im Marstall des Residenztheaters.

  • premiere 26 Jan 19
  • Regie Mirjam Loibl
  • Bühne Thilo Ullrich
  • Kostüme Anna Maria Schories
  • Musik Constantin John

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Marstalljahresplan

Am Ende (fast) jeder Spielzeit stand in den vergangenen Jahren ein Wochenende mit rasch und wendig erarbeiteten Inszenierungen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren, Assistentinnen und Assistenten, sowie Regie-Studierenden der Theaterakademie August Everding. Was Marstallplan hieß, wird in unserer letzten Spielzeit zum Marstalljahresplan: drei Wochenenden mit jeweils zwei Premieren über die Spielzeit verteilt.

Marstalljahresplan

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019