Begehren

von Josep Maria Benet i Jornet

Deutsch von Fritz Rudolf Fries

Ein Paar hat ein Haus gekauft. Es ist ein Kleinod auf dem Lande, liebevoll zu renovieren. Das könnte so schön sein. Würde nicht eines Tages das Telefon klingeln. Als sie abhebt, ist niemand dran. Und doch hat eine Frau nach ihr gefragt. Hat die Person am Ende der Leitung etwas mit dem seltsamen Mann zu tun, der immer an der Landstraße steht, wenn sie zum Einkaufen fährt? Der vorgibt, eine Panne zu haben, an der stets gleichen Stelle? Während der Ehemann zuhause wartet, fährt sie der diffusen Bedrohung entgegen. Doch die Konfrontation mit der eigenen Angst endet nicht auf der regennassen Straße, bringt der Fremde sie doch in einen Self-Service, in dem, wie zufällig, eine Bekannte auftaucht – und mit ihr die Erinnerung an ein Früher, von dem man nie sicher sein kann, welche der Figuren es eigentlich erlebt hat.

"Begehren" erzählt davon, was passiert, wenn die Gewissheit des eigenen Lebensentwurfs in Bewegung gerät und sich eine über Jahre etablierte Zweisamkeit als bequem gewordene Abhängigkeit entpuppt. Zwischen Landhaus und Self-Service überlagern sich damals und heute, Wunsch und Realität wie die Bilder eines verworrenen Traumes. Die Figuren geben ihr Geheimnis nicht preis, die Erzählspuren, die sie legen, entschlüsseln sich nicht. Der Text wirkt dabei fast wie das Drehbuch eines Neo-Noir-Films.

Die junge Regisseurin Mirjam Loibl zeigt mit dem Text des Katalanen Josep Maria Benet i Jornet bereits ihre zweite Arbeit im Marstall. 2017 debütierte sie am Haus mit Dawn Kings "Foxfinder", einer düsteren Parabel über die Mechanismen einer Überwachungsgesellschaft.

Marstall
  • Sa 26. Jan 19, 20:00 Uhr
  • Mi 30. Jan 19, 20:00 Uhr
  • Mi 06. Feb 19, 20:00 Uhr
  • Fr 15. Feb 19, 20:00 Uhr
  • premiere 26 Jan 19
  • Regie Mirjam Loibl
  • Bühne Thilo Ullrich
  • Kostüme Anna Maria Schories
  • Licht Uwe Grünewald
  • Musik Constantin John
  • Dramaturgie Carolina Heberling
mit

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Marstalljahresplan

Am Ende (fast) jeder Spielzeit stand in den vergangenen Jahren ein Wochenende mit rasch und wendig erarbeiteten Inszenierungen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren, Assistentinnen und Assistenten, sowie Regie-Studierenden der Theaterakademie August Everding. Was Marstallplan hieß, wird in unserer letzten Spielzeit zum Marstalljahresplan: drei Wochenenden mit jeweils zwei Premieren von jungen Regisseurinnen und Regisseuren über die Spielzeit verteilt, die auch über das Premierenwochenende hinaus in weiteren Aufführungen zu erleben sind.

Marstalljahresplan

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019