Wolken.Heim.

von Elfriede Jelinek

Sie sind wieder unterwegs, die Waldgänger und Wanderer. Die Romantik der deutschen Landschaft und die Schönheit ihrer Dichtung verbindet die Generationen und die Geschlechter. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität verlieren sich fünf Wanderer in den Wolken des deutschen Geistes und stranden an einem Ort ohne Mitte: „Wolken.Heim.“. Vom Wolkenkuckucksheim, dem utopischen Reich zwischen Himmel und Erde, sind nur noch die Stabilität versprechenden Wänden eines nicht verortbaren Zuhauses geblieben, gefüllt mit Fetzen deutscher Philosophie, Heimatklängen und Versen Hölderlins. Fragt sich nur, wer dort Platz nimmt, heimisch wird und wer nicht, wer auf Durchreise ist und wer bleiben darf. Denn die Angst geht um unter unseren Wanderern: Der „Crash“ der Kulturen naht.

Jelineks 1988 uraufgeführtes Erfolgsstück bietet poetische Textflächen, auf denen fünf Personen nach möglichen Antworten suchen. Jelineks Überschreibung von Texten der deutschen Idealisten Hegel, Fichte, Kleist und Hölderlin bietet die Grundlage des rätselhaften „Wir“, das hier laut wird, über sich selbst spricht und die „Anderen“. Worte Heideggers und der RAF-Terroristen markieren die Katastrophenfälle dieses Denkens. Zwischen Wald und Wörtern sind alle Wege denkbar.

Regisseur Matthias Rippert begibt sich gemeinsam mit den Schauspielern auf eine spielerische Gedanken- und Sprachreise, die in Jelineks frühem Theaterstück Humor und Gegenwärtigkeit erfahrbar macht.  Mit einer ersten Regiearbeit beim Marstallplan 2015 hat er sich bereits in München vorgestellt. Im Rahmen des Marstalljahresplans setzt er nach „Das Licht im Kasten. Straße? Stadt? Nicht mit mir!“ am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken seine Auseinandersetzung mit Elfriede Jelinek fort.

Das Stück "Wolken.Heim." von Elfriede Jelinek ist als E-Book erschienen. Mehr dazu hier.

  • premiere 29 Mär 19
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 30
  • Keine Pause
  • Regie Matthias Rippert
  • Bühne Fabian Liszt
  • Kostüm Johanna Lakner
  • Musik Robert Pawliczek
  • Licht Tobias Löffler
  • Videoanimation Daniela Weiss
  • Dramaturgie Andrea Koschwitz

Raum der Wünsche

Die Requisite des Residenztheaters beheimatet eine Vielzahl von Gegenständen, die man sich nie erträumt hätte, und wäre wohl ein Paradies für jeden Sammler und Antiquitätenhändler. Ein Einblick. MEHR ...
Raum der Wünsche

WOLKEN.HEIM. INHALTSANGABE

"Wir haben nicht die Einheit außer uns, wir haben sie gefunden, sie ist in uns selbst und bei uns selbst. Die Freiheit. Die Materie hat ihre Substanz außer ihr, der Geist aber ist das Bei sich selbst Sein. Wie wir. Wie wir."

WOLKEN.HEIM. INHALTSANGABE

WAS HEIßT SPIELEN? – No. 15

Der Ethnologe Claude Lévi-Strauss (1908-2009) untersuchte die Denk- und Lebensweisen außereuropäischer Kulturen und setzte sie in Beziehung zur westlichen Zivilisation.

"Wenn das mythische Denken auf spekulativem Gebiet nicht ohne Analogien zur Bastelei auf praktischem Gebiet ist und wenn die künstlerische Schöpfung in der Mitte zwischen diesen beiden Formen der Tätigkeit einerseits und der Wissenschaft andererseits liegt, so bestehen zwischen Spiel und Ritus Beziehungen  der gleichen Art."

WAS HEIßT SPIELEN? – No. 15

WOLKEN.HEIM. (FOTOGALERIE)

"Und die Selbst-

sucht

steht am ruhigen Ufer und von da aus

sicher genießt sie des fernen

Anblicks ver-

worrene

Trümmer-

masse."

 

Elfriede Jelinek

"Wolken.

Heim."

 

Nicht man selbst sein müssen

Zum Ende machen wir noch einmal ernst: Es geht ums Spielen. Eine Tätigkeit, eine Haltung – und eine Grundsatzfrage. Dem Spieler und der Spielerin sind Authentizität und Glaubwürdigkeit, Selbstgewissheit und jene Identität fremd, die mit sich selbst im Reinen, aber arm an Möglichkeiten ist. Sie bestaunen die Zuverlässigkeit, den festen Glauben an eine planbare Zukunft, die Humorlosigkeit, die Geschlossenheit der Weltbilder, die Vergesslichkeit.

Nicht man selbst sein müssen

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Am 17. Mai stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende – seine letzte – Spielzeit am Residenztheater vor. Die Spielzeit 2018/19 wird keinesfalls eine Abschiedsspielzeit, sie ist bestimmt von großen anspruchsvollen Produktionen sowie reich an neuen, vielfältigen Spiel- und Erzählformen, mit denen Martin Kušej zusammen mit seinem Ensemble seit 2011 das Residenztheater prägt.

DAS SPIEL ALS POLITISCHER AKT: Die Spielzeit 2018/19 am Residenztheater

Marstalljahresplan

Am Ende (fast) jeder Spielzeit stand in den vergangenen Jahren ein Wochenende mit rasch und wendig erarbeiteten Inszenierungen von jungen Regisseurinnen und Regisseuren, Assistentinnen und Assistenten, sowie Regie-Studierenden der Theaterakademie August Everding. Was Marstallplan hieß, wird in unserer letzten Spielzeit zum Marstalljahresplan: drei Wochenenden mit jeweils zwei Premieren von jungen Regisseurinnen und Regisseuren über die Spielzeit verteilt, die auch über das Premierenwochenende hinaus in weiteren Aufführungen zu erleben sind.

Marstalljahresplan

Spielzeit 2018/2019

Hier finden Sie eine Übersicht über die Premieren und geplanten Projekte der Spielzeit 2018/19 am Residenztheater! Weitere Infos zu den einzelnen Inszenierungen finden Sie auch in unserem neuen Spielzeitheft, das ab sofort in unseren Spielstätten für Sie bereit liegt und das Sie hier herunterladen (PDF) oder hier direkt online durchblättern können.

Spielzeit 2018/2019