Kunst(ver)lust

"Schließt doch endlich die Theater und Opernhäuser, Museen… Musik? Tanz? Literatur? Wir wünschen einen erlebnisreichen Aufenthalt im Mittelalter!" Shenja Lacher © Simon Höfele / Florian Wetzel, Kunstverlust e.V.
"Schließt doch endlich die Theater und Opernhäuser, Museen… Musik? Tanz? Literatur? Wir wünschen einen erlebnisreichen Aufenthalt im Mittelalter!" Shenja Lacher © Simon Höfele / Florian Wetzel, Kunstverlust e.V.

Das Ziel von "Kunstverlust" ist es, die öffentliche Aufmerksamkeit auf den gesellschaftlichen und politischen Stellenwert von Kunst und Kultur zu lenken. Dafür fotografieren wir Menschen verschiedener Altersgruppen und Berufsfelder. Mit ihrer Persönlichkeit und einem Statement unterstützen sie unsere Arbeit und geben unserem Anliegen ein Gesicht. Wir setzen uns mit dieser Initiative für die Förderung der kulturellen Vielfalt in Deutschland und die damit verbundene Wertschätzung künstlerischer Arbeit ein.

Unsere Motivation

Das Erkennen und Fördern sowie die Pflege all dessen, was Kunst schafft, scheint in unserer gewinnorientierten Welt immer mehr an Bedeutung zu verlieren. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland zahlreiche künstlerisch-kulturelle Institutionen hinterfragt, abgebaut oder gar geschlossen. So gab es im Jahre 1992 beispielsweise noch 168 Kulturorchester, von denen zwei Jahrzehnte später nur noch 131 existierten. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, denn bundesweit kämpfen zahlreiche Theater, Museen, Bibliotheken und andere Kulturinstitutionen um ihre Existenz. Darüber hinaus leben zahlreiche hochqualifizierte Künstlerinnen und Künstler am Rande des Existenzminimums. Mit 55,5 % verdienen mehr als die Hälfte aller Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland jährlich weniger als 20.000 € brutto. Ähnlich ergeht es vielen Musikschullehrern, die überwiegend als freie Mitarbeiter beschäftigt werden und mit durchschnittlich 12.404 Euro brutto jährlich erschreckend wenig verdienen.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die zu geringe Förderung kultureller, künstlerischer und ästhetischer Bildung an Grund- und weiterführenden Schulen. In verschiedenen Klassenstufen wird Kunst- und Musikunterricht gar nicht mehr oder nur wahlweise angeboten. Zudem ergab eine Untersuchung des Deutschen Musikrates und der zugehörigen Landesmusikräte aus dem Jahr 2012, dass im Grundschulbereich bis zu 80 % des Musikunterrichts ausfällt. Dieses Ergebnis ist äußerst besorgniserregend, weil vor allem Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben sollten, die gesamte Bandbreite der kulturellen Vielfalt zu erfahren und zu entdecken.

Unser Ziel: KunstLUST statt KunstVerlust!

Wir wollen, dass diesen Entwicklungen Einhalt geboten wird, denn die kulturelle Vielfalt eines Landes bildet die Identität einer Gesellschaft. Die Künste schulen unser Bewusstsein und fordern uns immer wieder heraus, über uns selbst, unser Umfeld und unsere gemeinsame Zukunft nachzudenken. Kunst und Kultur gehören aus diesem Grund direkt in die Mitte der Gesellschaft und insbesondere in unser Schul- und Bildungssystem. Wir möchten Menschen aller Generationen wieder neugierig auf Kunst machen, denn Neugierde schafft Kontakt, Kontakt schafft Verbundenheit und Verbundenheit zur Kunst ist das, was sie am Leben hält. Das alles ist aber nur möglich, wenn sich die Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern verbessern und es zu ihrer stärkeren öffentlichen Anerkennung kommt. Aus diesem Grund sollten wir uns alle die folgenden wunderbaren Worte des berühmten Dirigenten Claudio Abbado zu Herzen nehmen: "Ein Land ist reich, wenn es die Kultur fördert. Kultur ist Reichtum, nicht umgekehrt."

Unser Vorhaben

Um diesem Anliegen ein Gesicht zu geben, fotografieren wir Menschen, die unsere Ansichten und Wünsche teilen. Sie alle unterstreichen mit ihrem persönlichen Statement die Lebendigkeit, Aktualität, Vielfalt und Bedeutsamkeit jeglicher Form von Kunst. Wir wollen eine gesellschaftspolitische Diskussion anregen, indem wir die gesammelten Porträts und Statements im Internet, im Fernsehen, in Zeitungen oder Zeitschriften sowie auf Plakaten der Öffentlichkeit vorstellen. Auch wollen wir durch künstlerische Aktionen an öffentlichen Plätzen direkt auf diese Kampagne aufmerksam machen und für Kunst begeistern. Insgesamt soll unsere Initiative dazu beitragen, dass es zu einem Umdenken in Politik und Gesellschaft kommt. Wir alle müssen erkennen, dass sich Kunst und Kultur finanziell zwar nicht immer rechnen, aber auf jeden Fall auszahlen!

Weitere Informationen zu Kunstverlust unter www.kunstverlust.de sowie auf der Facebook-Seite der Initiative.