Der Hausmeister

Inhaltsangabe

"Wenn sich der Vorhang zu einem meiner Stücke hebt, dann werden Sie mit einer Situation konfrontiert, [..] etwas, was vorher noch nicht geschehen ist, was gerade jetzt geschieht, und wir wissen nicht mehr über die Personen als ich über Sie." schreibt Harold Pinter. Er betont wiederholt, wie wichtig ihm sei, dass es reale Vorlagen für seine Figuren gibt und dass sie sich in derselben Welt zurechtfinden müssen, in der auch er lebt und die wohl auch die unsere ist. Pinter schreibt: "Du erfindest das Wort, und dann, auf seltsame Weise, indem es an Eigenleben gewinnt, starrt es Dich an, wird störrisch, und meistens besiegt es Dich." Über den "Hausmeister" wissen wir, dass er aus etwas mehr als fünfzehntausend störrischen Wörtern besteht. Sie klingen auf einem enormen Resonanzraum." Der Hausmeister" ist sehr genau notiert: Der Text zählt siebzehn mal das Wort "Stille", 163 mal "Pause" und 362 mal "…" Ellipsen.

Es ist ein großes Nichtzustandekommen eines Gespräches, es sind viele unterbrochene und nicht beendete Sätze darunter. Für Pinter gibt es zwei Arten des Schweigens: "Eins, wenn kein Wort geredet wird. Das andere, wenn vielleicht ein Redewasserfall nötig wird. Ich rede hier von einer Sprache, die darunter verschlossen ist. Die Rede, die wir hören, deutet auf das, was wir nicht hören. Das ist ein notwendiges Ausweichen, ein krampfhaftes, hinterhältiges, schmerzliches oder spöttisches Vernebeln, das die andere Sprache dort belässt. Wenn ein wirkliches Schweigen eintritt, bleibt uns immer noch ein Echo, aber wir sind dem Eigentlichen näher. Man kann Sprache auch so betrachten, dass man sagt, sie sei ein unablässiges Bemühen, Blößen zu bedecken." Die Figuren seiner Stücke begegnen sich oft zum ersten Mal, dringen in fremde Räume ein, ringen um Dominanz. Die doppelbödige Alltäglichkeit verleiht seinen Stücken inhaltliche Substanz und Kraft, die sie zu Erfolgen machte und zwar auf der ganzen Welt, in allen Sprachen. Pinter selber verweigerte sich zeitlebens der angestrengten Interpretation seiner Stücke; auf die Frage, ob "Der Hausmeister" vom Gott des Alten Testaments, vom Gott des Neuen und der Menschheit handele, antwortete Pinter knapp: "Nein, es handelt von einem Hausmeister und zwei Brüdern." Genauso so antwortend ließe sich widerlegen, dass das Stück von Territorialität, Verdrängung, Fußorthopädie, gescheiterem Altruismus oder vom Wetter handele. Nein, es handelt von einem Hausmeister und zwei Brüdern. Der Resonanzraum, auf dem Pinters Worte klingen  erschufen das Adjektiv "pinteresk", das es bis in den Duden schaffte. Trotz seiner Eigenheit wurde Pinter nach dem Erfolg bald schon mit allen großen Dramatikern der Welt verglichen, ob nun Tschechow, Shakespeare oder Shaw; er selber bekannte sich nur zu Kafka und Beckett. Wie auch immer, seine Figuren leben, es ist, als wären sie ihm begegnet: "Du erfindest die Figuren, und dann stellt sich heraus, dass sie sehr stark, robust und widerstandsfähig sind. Sie betrachten ihren Schöpfer bedächtig." Und jetzt schauen Sie zurück.
 

Bild 

DER HAUSMEISTER (FOTOGALERIE)

Der Hausmeister

Der Hausmeister

von Harold Pinter

Der Hausmeister