DIE VERROHUNG VON GESELLSCHAFTEN
Residenztheater, 18.30 Uhr
So 19 Apr
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ZWISCHENRUF - POLITIK UND KULTUR MIT CATHRIN KAHLWEIT

Seit Jahrzehnten waren die Zeiten nicht mehr so bedrohlich, war die Weltlage so unübersichtlich, die Angst vor Krieg und Terror so groß. Russland tritt das Völkerrecht mit Füßen, die USA kündigen historische Bündnisse auf und bedrohen ihre Partner, die liberale Demokratie ist unter Druck durch Rassismus, Nationalismus, Extremismus.

Die wachsende Zahl der Krisen und Dramen, die diese Welt in Atem halten, braucht ruhige Einordnung, kluge Erklärung, treffende Analyse - und ein Quäntchen Zuversicht. In der Talk-Reihe «Zwischenruf – Politik und Kultur am Theater» diskutieren Schriftsteller, Wissenschaftler und Insider über brandaktuelle Themen der Zeit: über Sicherheit und Propaganda, soziale Verwerfungen und die Verrohung von Gesellschaften, über Feindbilder und Macho-Politik. Kuratiert und moderiert wird die neue Reihe am Residenztheater von der langjährigen SZ-Korrespondentin und Osteuropa-Expertin Cathrin Kahlweit.

DIE VERROHUNG VON GESELLSCHAFTEN am SO 19 APR

mit Ricarda Lang, Wilhelm Heitmeyer und Ingrid Brodnig

Seit Jahren verstärkt sich in der deutschen Gesellschaft der Eindruck, dass das Verhalten im privaten, öffentlichen und institutionellen Raum zunehmend verroht. Und tatsächlich nehmen Hass, Gewalt und Rücksichtslosigkeit zu: gegen Minderheiten und sozial Schwache, gegen politische Gegner, gegen Helfer und Ordnungskräfte, gegen Andersdenkende und Anderslebende. Dazu tragen eine Aufheizung des politischen Diskurses, wirtschaftliche Ungleichheit, autoritäre Tendenzen und soziale Medien bei. Die ehemalige Grünen-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, der Soziologe und Rechtsradikalismusforscher Wilhelm Heitmeyer und die Journalistin und Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig diskutieren gemeinsam mit Moderatorin Cathrin Kahlweit, welche Strukturen und Krisen diese gefährliche Entwicklung befördern. Warum die Fähigkeit zu Solidarität und Mitgefühl abnimmt. Und wie man politisch, im persönlichen Umfeld und online darauf reagieren kann.

Über die Journalistin Cathrin Kahlweit

Cathrin Kahlweit ist 1959 in Göttingen geboren. Sie studierte Russisch und Politikwissenschaft in Göttingen, Tübingen, an der University of Oregon (USA) und am Puschkin Institut (UdSSR). Nach der Hamburger Journalistenschule und Tätigkeit als freier Journalistin für den Bayerischen Rundfunk und diverse Printmedien wurde Kahlweit 1989 Mitglied der außenpolitischen Redaktion der Süddeutschen Zeitung. In den Jahren nach der Wende berichtete sie vor allem aus Osteuropa. Nach Stationen in Frankfurt und München wechselte sie 2007 für ein Jahr nach Berlin, wo sie die Redaktion der ARD-Talkshow von Anne Will leitete, kehrte aber zur SZ zurück. Kahlweit ging 2012 als außenpolitische Korrespondentin für Mittel- und Osteuropa nach Wien, 2017 bis 2020 berichtete sie aus Großbritannien, 2020 bis 2024 erneut aus Ost- und Südosteuropa. Seit 2025 arbeitet Cathrin Kahlweit als freie Publizistin und Moderatorin in München und Wien. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter «Architekten des Umbruchs; die Erben Gorbatschows» (1993) und «Damenwahl; Politikerinnen in Deutschland» (1994).