IN AGONIE

Inhaltsangabe

DIE GLEMBAYS (1. Teil)

Nach sechzehn Jahren kehrt der Künstler Leo Glembay anlässlich eines Jubiläums der glembayschen Bank wieder in sein Elternhaus zurück. Seit dem Tod seiner Mutter hat er das haus gemieden, um seinem Vater und dessen neuer Frau aus dem Weg zu gehen. Nun will er den Besuch nutzen, um mit seiner Familie abzurechnen, deren dubiose Geschäfte und Affären für ihn unerträglich sind. die Feierlichkeiten werden von Todesfällen sowie der Enthüllung einiger intimer Beziehungen der Baronin überschattet, die auf direkte oder indirekte art mit den Machenschaften der Familienmitglieder zusammenhängen. leo sieht seinen hass dadurch erneut begründet und beschließt vorzeitig abzureisen. Als er seine Koffer packt kommt sein Vater und stellt ihn zur Rede. In der folgenden Abrechnung eskaliert die Situation und Ignaz Glembay erleidet einen Herzinfarkt. 

Durch Glembays Tod eröffnet sich ein finanzieller Abgrund aus Schulden und Spekulationsgeschäften. Die Fassade der großbürgerlichen Gesellschaft bröckelt, darunter zeichnet sich der unausweichliche Zerfall und Niedergang einer Familiendynastie ab, für die es keine Rettung zu geben scheint. Leo versucht krampfhaft, sich den Strukturen seiner Herkunft zu widersetzen, doch die Wurzeln dieses Denkens reichen tief.
 

GALIZIEN (2. Teil)

Krieg ist in Europa ausgebrochen. Überall hinterlässt er eine Schneise der Verwüstung und des Ausnahmezustands. Es ist der Herbst des Jahres 1916 an der Ostfront in Galizien. Die Brussilow-Offensive der Russen hat die Truppen der k. u. k. Armee stark geschwächt und ein erbitterter Stellungskrieg beginnt. 

Eine Gruppe kaiserlich königlicher Soldaten hat sich in der Gegend um Lemberg in einer zerbombten Schule einquartiert und sie zu ihrer Lagerstätte umfunktioniert. Der junge Pianist und Kadett Horvat hält die Absurdität und Tristesse des Krieges nicht mehr aus und plant zu desertieren, doch kurz vor seinem Aufbruch gerät er mit dem unberechenbaren und vom Krieg stark gezeichneten Oberleutnant Walter in Streit und fällt dessen Sadismus und Willkür zum Opfer. Er wird zur Strafe dazu abkommandiert, ein Todesurteil an einer alten Frau zu vollstrecken, was ihn endgültig bricht. Als er mit seinem Kompagnon Oberleutnant Gregor vor der eigenhändig gehängten Frau steht und der verhasste Bobby Agramer kommt, um ihm zu sagen, dass er vor einer höheren Gesellschaft Klavier spielen soll, entwickelt sich ein Streit, in dem Horvat Agramer mit einer Waffe bedroht. Dies hat einen Haftbefehl zur Folge, doch Gregor und Horvat können fliehen.

Gregor will die Sache ins Reine bringen und geht mit Horvat zu der Gesellschaft, vor der er auch spielen soll. Dort wartet man bereits auf ihn, sowohl in seiner Rolle als Pianist als auch als gesuchter Rebell.
 

IN AGONIE (3. Teil)

Die spuren des Ersten Weltkriegs sind noch sichtbar, weite Landstriche noch nicht wieder hergestellt und Städte zerstört. Die Menschen müssen sich in den Wirren der Nachkriegszeit neu orientieren.

Im Mittelpunkt des Stücks steht Laura, eine junge Frau, die versucht sich zu emanzipieren und einen Neuanfang zu wagen. Terrorisiert von ihrem spielsüchtigen und alkoholkranken Ehemann Lenbach, der sie erpresst, von ihrem Geld lebt und es verzockt, und in der ständigen Hoffnung, diese Beziehung endlich lösen zu können, sucht sie Halt bei Ivan von Križovec, mit dem sie seit drei Jahren eine Affäre hat. Für Lenbach bedeutet diese ständige finanzielle Abhängigkeit und gesellschaftliche Nutzlosigkeit und das Wissen vom intimen Verhältnis seiner Frau zu einem anderen dauernde Erniedrigung. Als er sich schließlich selbst tötet und damit die Karten neu mischt, will Laura Križovec noch einmal zu einer festen Liaison drängen. Jedoch stellt dieser sich als eine nicht geringere menschliche Enttäuschung dar als der Mann, der ihr Leben bislang zerstörte. 

Krleža beschreibt in diesem Kammerspiel präzise und facettenreich die Topographie einer Dreiecksbeziehung, in der die Figuren – oft mit sich selbst überfordert – versuchen, ihren Platz zu finden und die Situation zu ordnen.

Über Miroslav Krleža

Miroslav Krleža (7. Juli 1893 - 29.12.1981) stammt aus Zagreb und kehrte im Laufe seines Lebens immer wieder dorthin zurück. Dennoch kann er nicht als nur kroatischer Schriftsteller gesehen werden, sondern war europäischer Autor, der mit vielen bedeutenden Zeitgenossen aus anderen Ländern in regem Kontakt stand und die politischen Ereignisse in Europa genau beobachtete. Dies wurde sicherlich dadurch gefördert, dass er mehrere europäische und die slawischen Sprachen beherrschte, Russland, Italien und Deutschland bereiste und zeitweise in Frankreich, Polen und der Tschechoslowakei lebte.

Über Miroslav Krleža

Untergänge

Über Miroslav Krleža und seine Trilogie

„Um sein Handwerk rechtschaffen auszuüben, muss der Schriftsteller Dissident, ja sogar Defätist in Bezug auf den Staat und die Institutionen, auf Nation und Autoritäten sein. Er ist der verlorene Sohn, der zu seinem väterlichen Herd nur zurückkehrt, um von ihm erneut fortzuziehen. Die Negation ist seine Form der Annahme der Welt.“ (Miroslav Krleža)

Untergänge

In Agonie Programmheft (PDF)

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In Agonie

In Agonie

von Miroslav Krleža

In Agonie (Galizien)

"Der Mensch ist ein unge- heuer zähes Tier. Er hat alle anderen Tiere um sich herum aufge- fressen und jetzt frisst er seines- glei- chen."

Miroslav Krleža, "In Agonie"