Unsere Zeit

Premiere
Residenztheater
Feb 2021
UNSERE ZEIT
von Simon Stone nach Motiven von Ödön von Horváth
Uraufführung/Auftragswerk
Premiere Feb 2021
Residenztheater
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Ödön von Horváth, der sich selbst als «eine typische österreichisch-ungarische Angelegenheit» beschrieb und dessen Leben 1938 ein tragisches Ende fand, gilt als einer der bedeutendsten Literat*innen und Diagnostiker*innen seiner Zeit. Klaus Mann fand eine «Atmosphäre echter Poesie» in jedem seiner Sätze, die Horváth meist perspektivlosen Kleinbürgern und Frauen in patriarchalischer Abhängigkeit in den Mund legte. Horváths Dramen, Romane und Erzählungen, die starke biografische Bezüge zu München aufweisen, sind präzise sozialpolitische Analysen einer radikal entfremdeten und sozial deprivierten Gesellschaft, die am Abgrund steht und selbst alle Abgründe in sich trägt – und deren wirkmächtigste Perspektiven der private und ökonomische Zusammenbruch und der aufkommende Faschismus, die finsterste Zeitenwende der jüngeren europäischen Geschichte, sind.

 

Auch wir befinden uns in Krisenzeiten: Unser aller Gegenwart ist von einem massiven Einbruch der Finanzmärkte und ökonomischem Abschwung bestimmt, der gravierende gesellschaftliche Umwälzungen zur Folge haben kann. Erneut sind wir nicht nur gefordert, dem bedrohlichen Anstieg rechtspopulistischer Parteien entgegenzuwirken, sondern solidarische Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens nach der Krise zu verteidigen.

 

Der australische Autor und Regisseur Simon Stone, dessen aufsehenerregende, radikal zeitgenössische Interpretationen klassischer Dramen international für Furore sorgen, greift Figuren, Erzählstränge und Motive aus Horváths dramatischem OEuvre auf und verbindet diese zu einem postheroischen, berührenden Panorama menschlicher Anstrengungen am Abgrund. Dabei befragt er in einer Poesie der Alltagssprache den Horváth’schen Kosmos für unsere aktuellste Gegenwart.

Künstlerische Leitung

Inszenierung Simon Stone
Dramaturgie Constanze Kargl