Gerrit Jurda

Stücke

Zurück aus dem Krieg wird Amphitryon von seiner Frau Alkmene nicht mehr wiedererkannt. In der Nacht zuvor hat sich der Gott Jupiter einen Spaß erlaubt und sie in Gestalt ihres Ehemanns verführt. Ein bitteres Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf.

Amphitryon

«Dantons Tod» basiert auf historischen Quellen der Französischen Revolution, deren Maxime der «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» unser Verständnis moderner europäischer Demokratien geformt hat. Büchner erzählt aber nicht vom triumphalen Anfang, als der Kampf dem Volk galt, sondern fokussiert auf das Ende der sogenannten Schreckensherrschaft der Jakobiner 1794, als die Revolution nur noch Terror der Guillotine bedeutet.

Dantons Tod

Kleists Novelle, die auf das Erdbeben von Santiago de Chile im August 1647 Bezug nimmt, ist von kristallener Schönheit und irritiert als poetisch verdichtete, verstörende Vision aktueller Debatten in Zeiten der Pandemie. Erzählt wird von Plünderungen im rechtlosen Raum, aber auch von Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit. Und dem trügerischen Idyll des verloren geglaubten Paradieses, das keine gesellschaftlichen Schranken kennt, folgt Diffamierung und Lynchjustiz.

Das Erdbeben in Chili

Argan bildet sich nicht nur ein, krank zu sein, sondern ist es auch: Er leidet an Hypochondrie. Er kann und will sich nicht anders zu seinem sozialen Umfeld ins Verhältnis setzen als über sein Leid, um das er in tyrannischer Selbstbespiegelung kreist. PeterLicht seziert sowohl den Individual- als auch den Gesellschaftskörper und bricht das letzte Tabu neoliberaler Selbstoptimierer*innen – das der Sterblichkeit.

Der eingebildete Kranke oder das Klistier der reinen Vernunft

Roland Schimmelpfennig, einer der renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker*innen, entwirft in raffinierten Zeitsprüngen, markanten Brüchen bzw. klug konstruierten Übergängen das kaleidoskopartige Bild einer Gesellschaft zu Beginn einer Pandemie. Er zeigt seine Figuren bei losen Begegnungen und beiläufigen Gesten und erstellt so in präzisen, poetisch verdichteten Konversationssplittern, Miniaturen und Momentaufnahmen eine Kartografie der Krise.

Der Kreis um die Sonne

Die drei Musketiere, die eigentlich vier sind, treten auf und denken über ihr Alleinsein nach. Kann man die berühmte Formel «einer für alle, alle für einen» mathematisch erklären? Wer ist eigentlich «der eine»? Und wer sind überhaupt «alle»?

Die drei Musketiere

Simon Stone hat Tschechows «Drei Schwestern» zum Ausgangspunkt seiner Neudichtung genommen und diese mit rasanter Dialogkunst und subtilen Charakterstudien thematisch im Hier und Jetzt verortet. Aus Tschechows Provinzpersonal werden so urbane Sinnsuchende, die in Zeiten von Social Media Kindheitserinnerungen wie Zukunftsvisionen nachhängen.

Drei Schwestern

Ronja überwindet mutig Grenzen, sei es mit einem waghalsigen Sprung über den Höllenschlund, der die Mattisburg in zwei Teile teilt, oder durch ihre Freundschaft mit Birk, Sohn des Erzfeindes Borka. Daniela Kranz kreiert mit Schauspieler*innen des Ensembles und Münchner*innen partizipativ die zauberhafte Welt des Mattiswaldes und seiner kleinen Heldin.

Ronja Räubertochter

Hamsuns Trilogie zeigt die Geschichte eines Menschen, der sich von den tonangebenden Eliten übersehen und um gesellschaftliche Anerkennung betrogen fühlt. Ivar Kareno muss sich entscheiden, ob er am radikalen Denken seiner Jugend festhält oder eine politisch gemäßigte Karriere einschlägt.

Spiel des Lebens

Gerhart Hauptmann erzählt in «Vor Sonnenaufgang» von einer Bauernfamilie, deren sozialer Aufstieg mit innerer Verhärtung einhergeht. Ewald Palmetshofer übernimmt Struktur und Figurenkonstellation des Hauptmann'schen Frühwerks und bettet seine Mittelstandsfamilie in einen urbanen Ballungsraum. Sein kluges Familienporträt macht an individuellen Krisen größere gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar: die Unversöhnlichkeit unterschiedlicher ideologischer Positionen.

Vor Sonnenaufgang