Faust-Festival München

Mit Martin Kušejs Inszenierung im Resi und einem Vortrag des Literaturwissenschaftlers Michael Jaeger über die Analogie der Moderne im Faust

Das Faust-Festival München 2018 vereint vom 23. Februar bis 29. Juli 2018 zahlreiche Veranstaltungen zu Goethes Klassiker, darunter natürlich auch Martin Kušejs gefeierte Inszenierung im Resi. Diese bringt mit Werner Wölbern in der Titelrolle und Bibiana Beglau als Mephisto des Deutschen liebste Alter-Ego-Figur in unsere Zeit, in eine Zeit, die pathogen den permanenten Kick sucht. Faust mit seiner fanatischen Ich-Show wird im Residenztheater zum Sinnbild unserer Angst vor dem Stillstand, der Leere und der Erinnerung an die eigene Nichtigkeit.

Vor der Vorstellung am 10. März spricht der Literaturwissenschaftler und Faust-Experte Michael Jaeger die "Erfahrung der Modernität" in Goethes Tragödie. Seinem Publikum teilte Goethe über den Helden mit, dass dessen Gesinnung dem modernen Bewusstsein vollkommen "analog" sei. Im Zentrum des Vortrags wird die Frage stehen, welcher ästhetisch literarischer Verfahren sich Goethe bedient und welche historischen, politischen und ökonomischen Bezüge er entwirft, um aus der alten Legende des Teufelsbündlers eine Analogie der Moderne zu machen.

"Faust ist einer wie wir. In unserer Textfassung finden sich auch Elemente aus 'Faust II', und schnell ergibt sich das Bild eines Mannes, der alles hat, aber unbefriedigt ist wie am ersten Tag, nicht mehr ganz jung, noch lange nicht alt, mit gelebtem Leben hinter sich und der bangen Frage: Das soll es jetzt also sein? Er kennt Sex, er kennt Drogen, er kennt Bücher, er kennt Menschen – und jagt wie wir alle weiter, auf der Suche nach dem immer neuen, nach dem immer besseren, nach dem ultimativen Kick. Stillstand erträgt er nicht." Martin Kušej

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Die eigensinnige Textfassung der Inszenierung verbindet Elemente aus "Faust II" mit dem ersten Teil, arbeitet mit Umstellungen, Überschreibungen, Zeitschleifen und Neuschöpfungen, setzt vom Ende her den Anfang und verweist am Ende zurück auf den Anfang, denn "Faust I" lässt sich nur verstehen, wenn man "Faust II" mitdenkt. Sie ist auch online zugänglich – zum Vor- und Nachlesen, zur Anregung, zum Weiterdenken.

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Faust – oder die Erfahrung der Modernität

Faust – oder die Erfahrung der Modernität

Vortrag von Michael Jaeger

Bild

Faust

Spielfassung zum Download (PDF)

Der Regisseur Martin Kušej hat sich mit seinen Produktionsdramaturgen Angela Obst und Albert Ostermaier auf eine dramaturgische Reise durch der Tragödie beider Teile eingelassen - denn "Faust I" lässt sich nur verstehen, wenn man "Faust II" mitdenkt. So ist eine eigensinnige Textfassung Grundlage dieses Abends geworden, die Elemente aus "Faust II" mit dem ersten Teil verbindet, die mit Umstellungen, Überschreibungen, Zeitschleifen und Neuschöpfungen arbeitet, die vom Ende her den Anfang setzt und am Ende auf den Anfang zurückweist. Wir haben uns entschlossen, diese Fassung hier online zugänglich zu machen – zum Vor- und Nachlesen, zur Anregung, zum Weiterdenken...

Faust

Faust

Zum Stück

Ein Name wie ein Stein. Ein literarisches Gelände wie ein Steinbruch, in dem Goethe sein ganzes Leben verbrachte und allen folgenden Generationen Raum für unendliche Grabungen, Bergung und geologische Feinarbeit ließ. Den mittelalterlichen Stoff um Dr. Faustus mit dem säkularen Motiv des Teufelspaktes verfugend, schuf Goethe ein Killerpaar, das als megalomanes Himmelfahrtskommando Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Zeitstrudel bannt und nicht weniger als die blutige Vermessung der menschlichen Seele vollzieht, Kollateralschäden inklusive.

Faust

Faust ist einer wie wir

Interview

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht Regisseur Martin Kušej vor der Premiere von "Faust" über den Charakter seines Fausts, den Respekt vor dem Stoff und erklärt, warum in seiner Inszenierung Mephisto von einer Frau gespielt wird: "Faust ist einer wie wir. In unserer Textfassung finden sich auch Elemente aus 'Faust II', und schnell ergibt sich das Bild eines Mannes, der alles hat, aber unbefriedigt ist wie am ersten Tag, nicht mehr ganz jung, noch lange nicht alt, mit gelebtem Leben hinter sich und der bangen Frage: Das soll es jetzt also sein? Er kennt Sex, er kennt Drogen, er kennt Bücher, er kennt Menschen – und jagt wie wir alle weiter, auf der Suche nach dem immer neuen, nach dem immer besseren, nach dem ultimativen Kick. Stillstand erträgt er nicht."

Faust ist einer wie wir
Faust

Faust

von Johann Wolfgang Goethe

Faust