Ewald Palmetshofer
Geboren 1978 in Oberösterreich, ist Dramatiker und Dramaturg. Palmetshofer studierte Theologie und Philosophie/Psychologie an der Universität Wien. Seine Stücke «hamlet ist tot. keine schwerkraft» (2007), «wohnen. unter glas» (2008) und «faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete» (2009) wurden am Schauspielhaus Wien uraufgeführt, wo Palmetshofer Hausautor, Gastdramaturg und Kurator der Serie «Die X Gebote» war, in deren Rahmen sein Stück «herzwurst. immer alles eine tochter» 2010 uraufgeführt wurde. Es folgten die Uraufführungen von «tier. man wird doch bitte unterschicht» (Staatsschauspiel Dresden, 2010), «räuber.schuldengenital» (Burgtheater Wien, 2012) und «die unverheiratete» (Burgtheater Wien, 2014, eingeladen zum Berliner Theatertreffen und ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis 2015). Von 2015 bis 2019 war er Dramaturg am Theater Basel, wo sein Stück «Edward II. Die Liebe bin ich» nach Christopher Marlowe 2015 uraufgeführt und zum Schweizer Theatertreffen eingeladen wurde. 2017 wurde sein Drama «Vor Sonnenaufgang» nach Gerhart Hauptmann am Theater Basel uraufgeführt und für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. 2018 war am Theater Basel Palmetshofers Neudichtung der Semi-Oper «König Arthur» von Henry Purcell und John Dryden zu sehen. 2018 wurde Palmetshofer mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis und 2019 mit dem Gert-Jonke-Preis ausgezeichnet. Sein Stück «Die Verlorenen», das die Intendanz von Andreas Beck am Residenztheater eröffnete, wurde zu den 45. Mülheimer Theatertagen «Stücke 2020» eingeladen und in der Kritiker*innenumfrage von Theater heute zum Stück des Jahres gewählt. Seine Dramen wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2014 erschien im S. Fischer Verlag unter dem Titel «faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete» ein Band mit den gesammelten Theaterstücken des Dramatikers. Von 2012 bis 2015 unterrichtete er am Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst Wien.
Basierend auf seinen Vorlesungen im Rahmen der 9. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik erschien 2024 «Körper. Schreiben. Theater, Affekt und die Berührungen der Sprache» im Alexander Verlag Berlin. In der Spielzeit 2024/2025 kam «Sankt Falstaff», frei nach Shakespeares «King Henry IV», am Residenztheater zur Uraufführung.
Seit der Spielzeit 2019/2020 ist er Dramaturg am Residenztheater.
Wie schreibst du das, Ewald Palmetshofer?
Anlässlich der Uraufführung von «Sankt Falstaff» trifft sich Intendant Andreas Beck mit dem Hausautor Ewald Palmetshofer und spricht mit ihm über sein neustes Werk. Wann er mit dem Schreiben angefangen hat, wie er seine Sprache dem Alltäglichen ablauscht und welche Hoffnung für Krisenzeiten in seinem neuen Stück steckt – darum geht es in dieser Spezial-Folge von «Wie spielst schreibst du das?».
Zu sehen in
Joe und Kate Keller haben den wirtschaftlichen Aufstieg geschafft. Die Herstellung von Flugzeugteilen für die Air Force hat der Familie Wohlstand gebracht. Ob Joe wirklich nichts von einer schadhaften Lieferung wusste, die zum Absturz von einundzwanzig Militärmaschinen geführt hat, wird nicht mehr hinterfragt. Doch dann werden die Kellers von ihrer Vergangenheit heimgesucht.
Am Beispiel einer Familie zeigt Arthur Miller eine Gesellschaft, die über ihrem Streben nach Gewinn jegliche ethische Substanz verloren hat. Ein Stück über die Suche nach Wahrheit und Verantwortung und die Enthüllung einer kollektiven Lebenslüge.
Alle meine SöhneUnter dem gleichgültigen Mond von Soho versucht Londons Unterwelt Mackie Messer dingfest zu machen; mit Songs und Texten, so geschliffen scharf wie Macs Messer. Brecht, Hauptmann und Weill erschufen mit »Die Dreigroschenoper« (uraufgeführt 1928) eine völlig neue Form des Musiktheaters. Ein Stück über eine Gesellschaft, in der alles auf seinen Geldwert reduziert wird und Räuber*innen Bürger*innen sind – und umgekehrt.
Die DreigroschenoperAsiimwe Deborah Kawe erzählt in ihrem Schauspiel von der Lebensleistung einer nicht-dokumentierten Einwanderin. Wie so viele andere trägt die Krankenpflegerin Achen, Hauptfigur der Autorin, mit ihrer Arbeitskraft und als Steuerzahlerin zur Prosperität eines Landes bei, das sich über Nacht entschloßen hat, sie daraus zu vertreiben.
Das Gelobte LandBrechts kurzes Stück kreist um die erschreckend aktuelle Frage, ob es angesichts eines gewaltsamen Angriffs die Möglichkeit neutraler Enthaltung gibt. «Würgendes Blei», der zweite Teil der Inszenierung, schreibt die Geschichte der Frau Carrar bis in die Gegenwart weiter, sucht nach einer Sprache für den Schrecken von Krieg und Zerstörung und erhebt Anklage gegen die Gewalt und ihre Werkzeuge.
Die Gewehre der Frau Carrar / Würgendes BleiIn Peter Weiss’ bahnbrechendem Stück treffen zwei von der Französischen Revolution Desillusionierte und Verfechter des Exzesses aufeinander: Marat vs. Sade. Ein Streitgespräch zwischen Marat, dem Befürworter des Terrors, und dem Marquis de Sade, dem Meister der Eskapaden, über die alles entscheidende Frage, ob eine Veränderung der Verhältnisse überhaupt möglich ist. Und falls ja, um welchen Preis? Und mit welchen Mitteln? «Marat/Sade» ist ein Spektakel des Übergangs, der Zeitenwende und des Zweifelns.
Marat/SadeXerxes, Herrscher des persischen Großreichs, will Griechenland erobern. Mit einer überwältigenden Übermacht an Schiffen und Kriegern zieht er 480 v. Chr in die Schlacht. Doch eine militärische List kostet ihn den Sieg. Fast dreihunderttausend Männer seines Heeres fallen. Acht Jahre später entscheidet sich Aischylos, der auf der Seite der siegreichen Athener gekämpft hat, die Perspektive der Besiegten einzunehmen. Er verfasst mit »Die Perser« nicht nur die älteste überlieferte Tragödie der Weltliteratur, sondern ein – auch nach 2500 Jahren – immer noch aktuelles Plädoyer für Menschlichkeit.
Die Perser