Schreiben, um zu verstehen

Sag mir, wo die Blumen sind
Sag mir, wo die Blumen sind

Beim europäischen Theaterprojekt des JUNGEN RESI "Sag mir, wo die Blumen sind" entwickeln Jugendliche aus Frankreich, England und Deutschland ihr eigenes Theaterstück zum Ersten Weltkrieg. Nach einer Recherchephase von zwei Jahren trafen die Schülerinnen und Schüler in Garmisch-Partenkirchen ein letztes Mal vor der Premiere zusammen. Im Blog berichten sie von Freundschaften, die sie entwickelten, den Herausforderungen, sich zu verständigen und zu verstehen aber auch von den Glücksmomenten, wenn es immer öfter funktioniert. Von ihren Erkenntnissen, dass Gruppenzugehörigkeiten Kraft geben, aber auch beängstigen können. Sie erzählen von den Ländergrenzen, die sie überquerten sowie von eigenen Hürden, die sie zu überwinden lernten. Davon, wie sie mit Kreativität ihre Erfahrungen verarbeiten konnten, oder einfach von überraschenden, prägenden und verbindenden Momenten. 

Am 19. April feiert "Sag mir, wo die Blumen sind" Premiere im Marstall. Danach zeigen die Jugendlichen ihr Stück in Garmisch-Partenkirchen, Lille, Amiens und Gosport. 

 

Mathieu Pierret

En fin d'année 2017, nous avons fait notre troisième rencontre à Garmisch-Partenkirchen. J'ai passé de très bons moments avec mes amis allemands, anglais et français. Nous avons approfondi le travail sur notre pièce de théâtre. Nous avons appris de nouvelles danses, chansons et de nouveaux textes et comment mettre en scène notre pièce.

(During the winter of 2017, we had our third "meeting" in Garmisch-Partenkirchen. I've spent very good moments with my English, German and French friends. We worked on our play. We learned new dances, songs and texts and how to stage the play.)

 

Moritz Keller

Mir ist die Bühnenprobe mit der ganzen Gruppe im Gedächtnis geblieben, als wir das Marschieren geprobt haben. Ich finde in diesem Moment hat man gespürt, dass wir als große Gruppe das Publikum überzeugen und vielleicht sogar beängstigen können. Aus dem Projekt nehme ich die Arbeit mit so einer großen Gruppe mit, denn es war für mich erstaunlich zu sehen, dass man alle gleichzeitig auf einer Bühne unterbringen, beschäftigen und mit ihnen produktiv arbeiten kann.

Ich glaube für mich war einer der besonderen Momente im Hinblick auf das gesamte Projekt, als wir durch die alten Schützengräben gelaufen sind und mir klar wurde, dass hier vor 100 Jahren einer der grausamsten Kriege in der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat. Insgesamt habe ich über das Thema "Grabenkampf" noch viel nachgedacht und auch die Infos darüber gut im Kopf behalten. 

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Xaver Rappensberger

Meiner Meinung nach war es sehr hilfreich für mich, an einem Theaterstück selber mitzuschreiben und nicht "nur" einen Text auswendig zu lernen und dann vorzutragen, sondern eben beim Entwickeln mitwirken, Ideen einzubringen und etwas nur aus dem Kopf heraus zu kreieren. Ich finde, dass eine solche geforderte Kreativität und Spontanität im späteren Leben immer wieder zu gebrauchen ist.

 

Daisy Lumsden

The last week in Garmisch was good but very stressful and it was hard to comprehend everything. There was a lot to do in a small amount of time, which made it even harder. During the week I learnt that language boundaries are extremely difficult especially when two people have contrasting ideas.

 

Simon Wallner

Die Workshops haben mir vor allem dabei geholfen, mich leichter zu überwinden, vor anderen zu spielen. Vorher war ich immer extrem aufgeregt, vor anderen zu stehen und etwas vorzuspielen, aber jetzt fällt es mir viel leichter.

In Bezug auf unser Thema kann ich jetzt, auch wenn es immer noch sinnlos war, die Menschen von damals besser verstehen, wieso sie in den Krieg gezogen sind. Da wir uns viel mit dem Leben der Leute beschäftigt haben, haben wir ganz andere Einblicke in die Kriegszeit bekommen. Besonders hat mich das Kriegsmuseum in London beeindruckt, aufgrund der Vielfalt an Informationen.

 

Paul Plisson

On a passé une semaine de travail enrichissante mais assez soutenue. On a sympathisé un peu plus et on se connait de mieux en mieux entre nous. Nous étions partagé en groupe la majeure partie du temps car nous avons sois travaillé sur la chorégraphie, la musique ou les scènes de théâtre. Nous avons aussi travaillé sur le texte car nous avions un script provisoire de la pièce. J’ai vraiment bien aimé cette semaine passé en Allemagne et j’ai encore gagné en aisance à l’oral et en confiance en moi.

(We spent a week of rewarding but fairly sustained work. We sympathized a little more and we know each other better every time. We worked in groups most of the time because we worked either on the choregraphy, the music or the scenes. We also worked on the text because we had a temporary script of the play. I really enjoyed this week in Germany and I gained more fluency and confidence in myself.

Sag mir, wo die Blumen sindSag mir, wo die Blumen sind

 

Moritz Rieger

Ein Moment, der mir von unserer Probenwoche in Garmisch in Erinnerung geblieben ist, weil er einfach so überraschend war: Während einer Probe bei Kilian wird zuerst ein Gedicht eingeübt. Aber so ein Gedicht über Gas und Tod braucht natürlich Soundeffekte: Drei von uns bekommen einen Luftballon, pusten ihn auf und versuchen 5 Minuten lang, ihn so zu halten, dass ein Ton entsteht, der den Tod darstellt, dabei aber nicht lächerlich sein soll. Natürlich sabbern wir uns dabei beim Aufpusten erstmal selbst an...

Gerade den Prozess des Szenenentwickelns und -aufschreibens finde ich sehr interessant. Wie das Schauspiel selbst, ist auch das Aufschreiben schon ein guter Weg, Geschehnisse zu verarbeiten und dabei nach Möglichkeit zu verstehen. Inhaltlich fand ich es sehr interessant, sich tiefer mit den Gründen und Ursachen zu befassen, wieso Krieg entsteht, warum Menschen in den Krieg ziehen und weshalb die Dinge so passiert sind, wie sie eben passiert sind – und vielleicht daraus lernen.

 

Bobbie Garland

I had an amazing time in Garmisch, full of fun, incredible places and beautiful snow! One of my highlights of the week was when I was asked to be part of the documentary team as a narrator as I felt Anja and her team saw someone special in me to have chosen me. The days were long but I was up for the challenge as I enjoy theatre and having fun with everyone. By the end of the week I could really see the performance coming together and it looked amazing. Although I do not like dancing, I still loved being a part of the dances on stage and even asked to be in more.

 

Gizem Malik

Ich fand die Proben sehr besonders. Es standen alle auf der Bühne und haben mitgemacht. Es war niemandem peinlich. Man hatte einfach ein Gemeinschaftsgefühl, obwohl jeder anders und einzigartig ist. Was ich vor dem Projekt nicht richtig wusste, sind die Friedensbewegungen. Mir ist erst dann klar geworden, dass es auch früher sowas wie Proteste bzw. Bewegungen gab. Es hört sich zwar banal an, aber man denkt sonst nie darüber nach, weil sich die Situation nicht ergibt. Es ist eigentlich schade, weil heutzutage wird Freiheit von viel zu vielen Menschen als selbstverständlich hingenommen.

Ich habe mir im Laufe des Projekts viel Offenheit angeeignet. In Frankreich war es noch schwierig mit fremden Leuten zu arbeiten und dann noch auf einer anderen Sprache. Mit dieser Offenheit ist gemeint, dass ich mich nicht verstellen muss und dass man mehr kommuniziert über vielleicht auch Themen, die einem nicht so angenehm sind. Es wäre schön, das auch auf der Bühne zeigen zu können und dass die Zuschauer von dieser Offenheit von hoffentlich allen überwältigt sein werden. 

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