DerniereBAYERISCHE THEATERTAGE INGOLSTADT
Gastspiel, 19.00 Uhr
14 Jun 2024
WARTEN AUF PLATONOW
von Thom Luz nach Motiven von Anton Tschechow
Premiere 08. Oktober 2022
Cuvilliéstheater
2 Stunden
Keine Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Trailer

«In Ihrer Brust klimpert ein kleines Klavier. Hören Sie es nicht?»

 

Tschechows Humor, schrieb Vladimir Nabokov, sei unvergleichlich und könne deshalb nur als spezifisch tschechowsch beschrieben werden:

«Für ihn waren die Dinge lustig und traurig zugleich, aber das Traurige sah man nur, wenn man auch das Lustige sah, weil beide miteinander verbunden waren.»

Seine Texte seien durchdrungen von seiner Herzensgüte und einem «leicht irisierenden Wortnebel», alle seine Wörter schwebten im gleichen Dämmerlicht, «einer Farbe zwischen der eines alten Zauns und der einer niedrig hängenden Wolke».

Tschechows Texte, zuallererst sein Fragment gebliebenes Jugendwerk «Platonow», sind Ausgangspunkt für einen neuen musikalischen Theaterabend von Hausregisseur Thom Luz. Er versammelt eine Gesellschaft, die in den Liedern einer längst vergangenen Zeit die Melodie der Freuden und Schrecken der Zukunft zu erlauschen sucht. Die offene Frage, ob die Menschen darin eigentlich überhaupt einen eigenen Handlungsspielraum besitzen oder nur einzelne Töne in einer Sinfonie der großen Komponistin Natur sind, hält sie nicht vom Versuch ab, ihre individuellen Harmonien und Dissonanzen zu erproben.

«Man kann die Funktionsweise von Tschechows Texten auch mit der Gebrauchsanweisung für die selbstspielenden Klaviere der Firma Hupfeld aus dem Jahr 1926 vergleichen: Ziehen Sie dieses lange Stück Papier durch jenen Holzkasten und hören Sie die Gespenster singen – Lieder von der Welt von gestern. Dort, wo im Papier ein Loch ist, erklingt später ein Ton. Ab sofort müssen Sie nicht mehr selbst Klavier spielen, wenn Sie von Ihren gescheiterten Liebesgeschichten träumen wollen. Diese Technologie wird bald so überholt sein wie Sie selbst. Kaufen Sie heute auf Kredit! Garantie: Das Klavier wird bis zur Pfändung weiterspielen. Wenn es langweilig wird: Fangen Sie noch einmal von vorne an. In der unveränderten Wiederholung all Ihrer Fehler liegt der Schlüssel zum Glück.» Thom Luz

DIGITALER BÜCHERTISCH

IN ZUSAMMENARBEIT MIT BÜCHER LENTNER

Literaturempfehlungen aus der Dramaturgie

«Tschechow lesen»
von Janet Malcolm


«Ein Unglück, das man bis zum Ende verteidigen muss»
von Samuel Beckett


«Hier»
von Richard McGuire


«Freiheit»
von Maggie Nelson

Künstlerische Leitung

Inszenierung, Bühne und Sounddesign Thom Luz
Musikalische Leitung Mathias Weibel
Kostüme und Licht Tina Bleuler
Licht Verena Mayr
Choreografie Javier Rodríguez Cobos
Dramaturgie Katrin Michaels