PLAYING :: KARLSTADT INHALTSANGABE

Die Theaterentwürfe des Trios RAUM+ZEIT betreiben ein Spiel mit der Logik eines konsistenten Raum-Zeit-Kontinuums und der inneren Welt der Wahrnehmung. Ihre neueste Arbeit entwickeln Bernhard Mikeska, Lothar Kittstein und Alexandra Althoff für das Residenztheater in der Ludwigsvorstadt. Das turbulente Bahnhofs- und das verkehrsberuhigte Klinikviertel werden durch die Schillerstraße verbunden. Schillerstraße 49 – der Startpunkt der Inszenierung – war die Adresse des renommierten Münchner Volkssängerlokals Frankfurter Hof. Der Beginn von Karl Valentins Karriere ist mit diesem Ort verbunden und hier begegnet er der 18-jährigen Elisabeth Wellano zum ersten Mal. Die Frau, die fortan als seine heimliche Geliebte und vor allem als seine Bühnenpartnerin die wichtigste Rolle in seinem  Leben spielen wird. 1945 blickt er wehmütig zurück: "Gedenkst Du noch der schönen Maientage? Oh wie glücklich waren wir 1911. Es war einmal." Tatsächlich heiratete Valentin, gerade frisch verliebt in Liesl, am 31. Juli 1911 eine andere Frau: Gisela Royes, die Mutter seiner beiden Töchter. Die  Begegnung im Frankfurter Hof ist der Auftakt einer jahrzehntelangen  Arbeits- und heimlichen Liebesbeziehung, die in beidseitige zerstörerische Abhängigkeit führt. Valentin schreibt seiner Partnerin die erste komische Rolle und er gibt ihr einen neuen Namen, den sie nie wieder ablegen wird: Liesl Karlstadt.

Die Rollen sind dabei höchst ungleich verteilt. Auf der Bühne wie im Leben stellt Karlstadt die belastbare, ausgleichende Partnerin an der Seite des mit allen Ängsten der Welt behafteten Misanthropen Valentin dar. Das Publikum akzeptiert seine geniale Hypochondrie. Während er als Selbstdarsteller der eigenen Vertracktheit hervortritt, verschwindet sie virtuos in einer Vielzahl von Rollen. Ihre Innenwelt ist auf der Bühne nicht gefragt. Nicht zufällig fehlt wohl deshalb ein bestimmtes Gefühl in allen Stücken des Bühnenpaars Valentin-Karlstadt: die Liebe.

Was Liesl Karlstadt auch aus Berufsgründen geheim halten muss, ist ihre schwere Depression. Die Komikerin leidet unter Schmerzen und unerträglichen Angstzuständen. In einer autobiographischen Skizze schreibt  Karlstadt, dass sie schon 1917 bei der Besteigung des Wendelstein eine Selbstmordsehnsucht fühlte und 1923 bei einem Gastspiel in Wien den Drang spürte, sich vor die Straßenbahn zu werfen. Am 6. April 1935 wird sie nach einem Selbstmordversuch aus der Isar gerettet. Mehrere stationäre Aufenthalte in der Psychiatrischen Klinik in der Nussbaumstraße folgen. Wer war die Frau, die man hinter ihren verschiedenen Masken kaum  als ein und dieselbe Person erkennt?

RAUM+ZEIT entwerfen kein neues Szenario für Liesl Karlstadts Leben, sondern eines für ihren Seelenzustand. Erinnerungen sind in intimen Momenten eingefangen. Es wird schon bald fraglich, ob es überhaupt eine klare Grenze gibt zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Zuschauer und beobachteter Figur. Eine subjektive Reise ins Innere.

360° :: Karlstadt

Eine Begegnung mit Liesl Karlstadt im virtuellen Raum

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Mit einer VR-Brille in das Labyrinth von Liesl Karlstadts Leben.

360° :: Karlstadt

Playing :: Karlstadt Programmheft Auszug (PDF)

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PLAYING :: KARLSTADT (FOTOGALERIE)

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von Bernhard Mikeska + Alexandra Althoff + Lothar Kittstein (RAUM+ZEIT)

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