ANTIGONE

Inhaltsangabe

In Theben ist ein blutiger Bruderkrieg zuende gegangen. Nachdem Ödipus sich geblendet und die Stadt verlassen hatte, waren seine Söhne Eteokles und Polyneikes übereingekommen, die Macht zu teilen und abwechselnd für je ein Jahr zu regieren. Nach dem ersten Jahr auf dem Thron aber war Eteokles nicht gewillt, Polyneikes seinen Platz zu räumen und verbannte den Bruder aus der Stadt. Dieser wandte sich an Adrastos, den König von Argos, der sich bereit erklärte, ihn bei der Rückeroberung Thebens zu unterstützen. Es kam zu einer überaus verlustreichen Belagerung der siebentorigen Stadt. Um dem Blutvergießen ein Ende zu machen, schlug Polyneikes schließlich vor, die Entscheidung im Duell der beiden Brüder zu suchen. Keiner der beiden überlebte den Kampf. Kreon, der Schwager des Ödipus, übernahm nun den Befehl über das thebanische Heer und schlug die Argiver in die Flucht. 

Die nun folgende Handlung scheint in dieser Konstellation weitgehend eine eigenständige Erfindung des Sophokles zu sein: frühere Fragmente deuten zwar auf das Thema des Bestattungsverbots im Zusammenhang mit dem thebanischen Bürgerkrieg hin, die Fokussierung auf Polyneikes und die Gestaltung der Antigone als Hauptfigur einer Tragödie waren allerdings neu, als das Stück um 442 v. Chr. erstmals aufgeführt wurde. 

Kreon versucht darin, seine Macht auf eine bestimmte Interpretation der Geschichte zu stützen, die Eteokles zum Verteidiger des Vaterlandes erhebt und Polyneikes zum Verräter stempelt, dessen nicht mehr gedacht werden soll. Aus diesem Grund verbietet Kreon ein Begräbnis nach den vorgesehenen Riten und gibt den toten Körper den Vögeln und wilden Tieren preis. Die politische Bedeutung, die eine Bestattung (und also auch deren Verweigerung) besitzen konnte, lässt sich anhand der Totenrede, die Perikles für die Gefallenen des Peloponnesischen Krieges zehn Jahre später gehalten hat (S. 19), gut nachvollziehen. Dass Antigone, die Schwester des Polyneikes und des Eteokles, die Bestattung entgegen dem Verbot dennoch vollzieht, hat jedoch kein vordergründig politisches Motiv. Sie will Polyneikes nicht rehabilitieren, nicht eine abweichende Interpretation des Bürgerkrieges durchsetzen, sondern sie möchte ihren Bruder bestatten, nach angeblich „ewigem“, nicht näher begründetem Recht. Um dieses Recht, den geliebten 

Nächsten nicht dem Vergessen überlassen zu müssen, geht es. Deshalb ist die Bestattung selbst auch nicht in erster Linie von Bedeutung. Nach zweimaligem Versuch, das Ritual mit etwas Staub und Weihegüssen durchzuführen, gilt die Leiche de facto immer noch als unbestattet, wie der Seher Teiresias bei seinem späten Auftritt beklagt. Wichtiger und eigentlich strafwürdig ist Antigones Bekenntnis zur Tat, die Behauptung ihres Rechts gegen die gesetzliche Verordnung. Es ist also ein Sprachakt, mit dem die politische Ordnung zum Einsturz gebracht wird. Zur Textfassung unserer Aufführung schreiben Hans Neuenfels und sein Mitarbeiter Philipp Lossau:

"Der Text basiert größtenteils auf der Übersetzung von Ernst Buschor, dennoch haben wir viel nach unserem Sprachempfinden geändert. Zu der Rolle des Chores, die bei uns die ‚Frau aus Theben‘ heißt, haben wir Teile des sophokleischen Textes durch neu erfundene ersetzt, wobei die Struktur des Dramas unversehrt geblieben ist."

Antigone zum Vorbild

TUSCH – Theater und Schule am Theresia-Gerhardinger-Gymnasium

Das Schuljahr 2016/17 stand für die 9. Jahrgangsstufe des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums neben unzähligen Unterrichtsstunden vor allem für eine sehr besondere Theatererfahrung. Vier Spielleiter vom Residenztheater haben sich im Laufe des Jahres immer wieder in die Schule aufgemacht und Theaterluft in die Turnhallen, Musiksäle und Klassenzimmer gebracht. Zu den Stücken "Antigone" und "Die Troerinnen" entwickelten die Schülerinnen ihre eigenen Ideen und stellen mit Schrecken fest, wie viel das Thema Krieg heute noch mit ihnen zu tun hat. Wie viel von den starken Frauenfiguren dieser Dramen in ihnen selbst steckt, zeigen sie in "und ich brenne und ich fürchte und ich hoffe".

Antigone zum Vorbild
Bild 
Antigone

Antigone

von Sophokles

Antigone