Tartuffe oder Das Schwein der Weisen

Premiere
Residenztheater
Sa 18 Apr
TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN
von PeterLicht nach Molière
Münchner Premiere
Premiere 18. April 2020
Residenztheater
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

«Tartuffe» war jene Komödie Molières, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 in der Blüte des Barocks mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde. Die einflussreiche katholische «parti des dévots» sah sich durch Molières Figu- renzeichnung angegriffen, denn hinter Tartuffes Maske der Gottesfürchtigkeit und Tugend wird sichtbar, dass dieser ausschließlich an monetären und sexuellen Bedürfnisbefriedigungen interessiert ist. Und so kämpft die Familie des Bürgers Orgon gegen Tartuffes Einflussnahme auf den von ihm geblendeten Patriarchen und versucht, ihre dem gängigen Moralkodex vermeintlich zuwiderlaufende Lebensführung zu verteidigen.

 

«Du schwappst in die Sphäre des Geilen»



Der Autor und Musiker PeterLicht löst das für uns heute nur unzureichend lesbare Sittengemälde aus der gesellschaftspolitischen Realität des französischen Absolutismus und nimmt in seiner Neudichtung «Tartuffe oder das Schwein der Weisen» die Gegenwart ins Visier. Dabei operiert er durchaus mit dem Personal des Originals, seine literarischen Nachfahren sind allerdings einem Übermaß an Freiheit(en) ausgesetzt: In säkularen Zeiten herrscht der Horror Vacui, und so erhofft und fürchtet die «sozial miteinander connectete Skulptur» das Erscheinen Tartuffes, er dient als Wunschmaschine und Projektionsfläche.



«Alte Texte muss man zerstäuben. Man muss sie Wort für Wort zerreiben. Und den Plot verschleißen, dann entsteht wieder etwas, was da mal war. Vielleicht etwas im Sinne Molières. Ich hege große Sympathie für diesen Autor. Aber ich bin kein Historiker. Wort- oder Plottreue kann ihn auch nicht mehr retten.» PeterLicht



Claudia Bauer wurde mit ihrer rasanten, präzisen und opulenten Inszenierung des Theater Basel zum Berliner Theatertreffen 2019 eingeladen.

 

Übernahme der Uraufführungsinszenierung des Theater Basel

Zum Autor PeterLicht

Der deutsche Musiker und Autor PeterLicht bewegt sich mit seiner Arbeit zwischen Text und Musik, Popkultur und Theater. Er veröffentlichte zahlreiche Alben, u.a. «14 Lieder» (2001), «Stratosphärenlieder» (2003), «Lieder vom Ende des Kapitalismus» (2006), «Melancholie und Gesellschaft» (2008), «Das Ende der Beschwerde» (2011), «Lob der Realität» (2014) und «Wenn wir alle anders sind» (2018). 2006 erschien sein erstes Buch «Wir werden siegen – Buch vom Ende des Kapitalismus», es folgten «Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends» (2008, ausgezeichnet mit dem 3sat-Preis und dem Publikumspreis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2007) und «Lob der Realität» (2014). 2009 kuratierte PeterLicht an den Münchner Kammerspielen das «Festival vom unsichtbaren Menschen». Folgende seiner Stücke kamen zur Aufführung: «Räume Räumen» (UA 2009, Regie: PeterLicht und S.E.Struck, Münchner Kammerspiele), «Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends» (UA 2009, Regie: Florentine Klepper, Theater Basel), «Der Geizige. Ein Familiengemälde nach Molière» (UA 2010, Regie: Jan Bosse, Maxim Gorki Theater Berlin), «Das Abhandenkommen der Staaten» (UA 2010, Regie: Mareike Mikat, Schauspiel Leipzig), «Wunder des Alltags» (UA 2012, Regie: Peter Kastenmüller, Düsseldorfer Schauspielhaus), «Das Sausen der Welt» (UA 2013, Regie: SEE!, Schauspiel Köln) sowie «Der Menschen Feind» (UA 2016, Regie: Claudia Bauer, Theater Basel). «Tartuffe oder das Schwein der Weisen» ist ein Auftragswerk für das Theater Basel und wurde zum Berliner Theatertreffen 2019 eingeladen. Am 20. Dezember 2019 kommt außerdem sein Stück «Der eingebildete Kranke» zur Premiere, welches als Auftragswerk für das Residenztheater entstanden ist.

Künstlerische Leitung

Inszenierung Claudia Bauer
Bühne Andreas Auerbach
Kostüme Vanessa Rust
Arrangements und Musikalische Leitung Henning Nierstenhöfer