Welt/Bühne 2017/18

Schreibwerkstatt mit internationalen Autoren

Die Globalisierung macht es täglich deutlich – es gibt nur eine Welt. Gleichzeitig ist die weltweite Vernetzung auf dem Gebiet der dramatischen Literatur nicht annähernd so fortgeschritten wie in anderen Bereichen der darstellenden Künste. Dramatische Texte, sofern sie nicht aus dem angloamerikanischen Bereich stammen, "reisen" oft nicht so problemlos, wie andere Theaterformen, die, mitunter weniger textbasiert, über die Kanäle der internationalen Festival-Netzwerke eine größere Verbreitung finden. Vielfach erscheint die Notwendigkeit einer sorgfältigen literarischen Übersetzung als Voraus-Investition auf einem ungesicherten Markt als Hindernis. Häufig ist aber auch gerade die dramatische Produktion sehr auf aktuelle lokale oder regionale politische Phänomene bezogen und erscheint daher nicht umstandslos auf andere gesellschaftliche Voraussetzungen übertragbar.

Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017

Mit der "Welt/Bühne" hat das Residenztheater es sich zusammen mit dem Goethe-Institut und unterstützt von den Freunden des Residenztheaters zur Aufgabe gemacht, sich mit diesem Umstand der Dramatik auseinanderzusetzen. Unter dem Projekttitel hat in der Spielzeit 2016/17 eine Reihe begonnen, die sich vor allem auf den "Import" von internationaler Dramatik spezialisierte. In vier Veranstaltungen wurden Stücke aus dem erweiterten arabischsprachigen Raum und dem Mittleren Osten thematisch gebündelt und in Lesungen und Autorengesprächen am Residenztheater vorgestellt.

In der Spielzeit 2017/18 geht nun die Förderung neuer internationaler Dramatik mit Unterstützung durch die Freunde des Residenztheaters einen Schritt weiter. Dafür finden unter dem Titel "Welt/Bühne" zwei miteinander verknüpfte Projektphasen statt. Die erste ist eine Schreibwerkstatt, in der fünf internationale Autoren im November 2017 am Residenztheater zusammenkamen, sich untereinander austauschten und kurze Stücke zu schreiben begannen. Die zweite ist das Welt/Bühne Festival im Sommer 2018, in der die entstandenen Texte in Inszenierungen präsentiert werden. Dabei wird die dramatische Produktion auf ihre Möglichkeiten eines Austauschs hin untersucht. Die Autoren kommen bereits früh mit den Produktionsteams zusammen und das Festival wird einen diskursiven Rahmen über die Inszenierungen hinaus bieten.

Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017

Im Sommer 2017 hat das Residenztheater ausgewählte Autoren eingeladen, an der Schreibwerkstatt im November 2017 teilzunehmen. Gemeinsam ist den Autoren dabei, dass sie alle etwa derselben Generation angehören und zwischen 1975 und 1988 geboren sind. Weiterhin stammen keine Autoren vom selben Kontinent und bringen daher unterschiedlichste dramatische Traditionen, aber auch Fragestellungen mit.

Erstmals kamen die fünf Autoren vom 3. bis zum 5. November 2017 am Residenztheater in München zusammen. Im Rahmen des Workshop-Wochenendes lernten sie sich und das Residenztheater kennen, wobei die Grundlage der gemeinsamen Arbeit gelegt wurde. Was treibt Menschen auf den verschiedenen Kontinenten um? Wie können wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede benennen? Gibt es sowas wie "eine Zukunft" oder auch nur "eine Welt"? Und wenn die Antwort für eine dieser Fragen ja ist, wie schauen dann "Zukunft" und "Welt" aus einer nicht eurozentristischen Sicht aus? Die Welt/Bühne Schreibwerkstatt sollte Antworten auf diese Fragen bieten, ein globales Panorama oder Mosaik schaffen, oder den Diskurs in eine neue Perspektive rücken.

Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017

DIE AUTOREN

SUSANNA FOURNIER (geb. 1988, KANADA)
ist eine mehrfach ausgezeichnete kanadische Theatermacherin und Artistic Producer für PARADIGM productions. Ihre künstlerische Arbeit, vornehmlich im Bereich Theater, ist feministisch, expressionistisch und anti-imperialistisch geprägt. In ihren Texten erkundet sie geschlechtsspezifische und sozioökonomische Machtstrukturen und ihre Perversion. Ihre Texte wurden bereits in verschiedenen kanadischen Theatern aufgeführt und waren in Europa bereits in Dublin, London und Berlin zu sehen. 2016 war sie als Theaterschaffende des Jahres Finalistin des KM Hunter Awards. Mit ihrer Gruppe PARADIGM, gegründet 2014, führte sie bereits mehrere ihrer Stücke auf. In der Spielzeit 2018/19 wird PARADIGM außerdem ihre Trilogie "The Empire" in Toronto aufführen. In den drei Stücken geht es um die Verästelungen des Imperialismus der letzten 300 Jahre Menschheitsgeschichte, und darum, wie diese jeden Aspekt des Lebens beeinflusst, vom Erschaffen globaler "Empires" bis hin zur Kolonialisierung der menschlichen Psyche. Susanna Fournier wird unterstützt von The Canadian Council for the Arts, The Toronto and Ontario Arts Council, The National Arts Center, The Banff Center for the Arts, The Herman Voaden National Playwriting Competition sowie The Cayle Chernin Award.

ZAINABU JALLO (geb. 1983, NIGERIA)
ist Dramatikerin und Dokumentar-Fotografin; sie arbeitet häufig an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Text. Ihr Stück "Onions Make Us Cry" entwickelte Sie am Royal Court Theatre in London im August 2008, wo sie Stipendiatin eines Residency-Programms für internationale Dramatik war. Sie erhielt das Literaturstipendium des Global Arts Village (New Delhi), wo das mehrfach ausgezeichnete Stück "Onions Make Us Cry" zur Uraufführung gebracht wurde. Zainabu gab zudem Masterclasses am Garden Literary Festival im Dezember 2010 zusammen mit Helon Habila. Sie ist Stipendiatin der internationalen Sommer-Residency am Royal Court Theatre in London, sowie Stipendiatin des Global Arts Village, des Sundance Institute, des Chateau Lavigny, des Ledig-Rowohlt Foundation House, des Instituto Volusiano of Artes, zuletzt der Royal Society of Arts. Zainabu Jallo schloss ihr Bachelorstudium in Theatre & Communications an der Universität Jos Nigeria, sowie ihr Masterstudium in World Literature an der Universität Bern, Schweiz, ab.

MARIA MILISAVLJEVIC (geb. 1982, DEUTSCHLAND)
ist in Arnsberg geboren und lebt in Berlin. Sie studierte englische Kulturwissenschaften, Englische Literatur und Kunstgeschichte. Im Anschluss arbeitete sie u.a. als Regisseurin an Theatern in Deutschland und London und promovierte über das Londoner Royal Court Theatre. Sie lebte von 2013 bis 2015 in Toronto, Kanada, wo sie am Tarragon Theatre als Dramaturgin und Regisseurin arbeitete. Außerdem war sie dort 2013-2014 international Playwright-in-Residence. Mit "Brandung" gewann sie 2013 den Kleistförderpreis für junge Dramatik. Zudem wurde sie mit dem John McGrath Scholarship in Theatre Studies der Schottischen Universität im Bereich Creative Writing ausgezeichnet (2009), erhielt das Stipendium des Bayerischen Mi-nisteriums für Wissenschaft und Kultur (2009-2012), den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts für das Stück "Beben" (2016), sowie den Else-Lasker Schüler-Förderpreis des Pfalztheaters Kaiserslautern für "Beben" (2016).

SANTIAGO SANGUINETTI (geb. 1986, URUGUAY)
Als Schauspieler, Regisseur, Dramaturg und Dozent bekam der 31-jährige politische Theatermacher Santiago Sanguinetti zahlreiche internationale Stipendien, die ihn nach Avignon (Festival d’Avignon, 2007), Barcelona (Sala Beckett Theater, 2011), Nottingham (World Event Young Artists, 2012), Santiago de Chile (Teatro Amplio, 2014), Buenos Aires (Panorama Sur, 2015) und Montpellier (Centre Dramatique National, 2015) führten. Er erhielt u.a. den Premio Nacional de Literatur. In seiner "Trilogía de la revolucíon" entmystifiziert der Autor und Regisseur Santiago Sanguinetti die Ideologien, die die nord- und südamerikanische Welt beherrschen. Die schwarze Komödie "Sobre la teoría del eterno retorno aplicada a la revolucíon en el Caribe" ("Von der Theorie der ewigen Wiederkehr anhand der Karibischen Revolution") bildet den Abschluss dieser Trilogie. Sanguinetti spielt dabei mit der Idee einer dritten Revolution in Haiti und reflektiert zugleich die politische Diskussion um die umstrittene Anwesenheit der UN-Friedenstruppen.

PAT-TO YAN (geb. 1977, HONG KONG)
ist Dramatiker, Regisseur und Teilzeit-Lektor. Er schloss ein Bachelor Studium in Englischer Literatur und ein Masterstudium in Soziologie an der Universität von Hong Kong ab, sowie einen Master in Playwriting an der Royal Holloway University of London. Sein Stück in Englischer Sprache "A Concise History of Future China" war unter den fünf Finalisten des Theatertreffens Stückemarkt, der Berliner Festspiele 2016, als erstes chinesisches Stück überhaupt eingeladen. Sein kantonesisches Stück "White Blaze of the Morning" wurde 2015 am EMW Festival of Hong Kong Repertory Theatre uraufgeführt, und als bestes Stück der 8. Hong Kong Theatre Libre prämiert. Yan ist zudem Mitglied des Komitees The House of Hong Kong Literature.

Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017Welt/Bühne Schreibwerkstatt im November 2017

WELT/BÜHNE 2017/18 (FOTOGALERIE)

Internationale zeitgenössische Dramatik

"Welt / Bühne" mit Monologen der Migration

Die vierte und letzte "Welt / Bühne" vor der Sommerpause präsentiert Monologe der Migration. Die Stücke von Wasim Ghrioui und Amer Hlehel ziehen Verbindungen in vier Länder, die sich als Ausgangspunkte, Zwischenhalte oder Zielorte von Fluchtbewegungen in der Geschichte finden: Palästina, Syrien, Libanon und Deutschland.

Internationale zeitgenössische Dramatik

WELT / BÜHNE 2016/17 (FOTOGALERIE)

Welt / Bühne IV

Welt / Bühne IV

Plattform für internationale Dramatik

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Welt / Bühne III

Welt / Bühne III

Plattform für internationale Dramatik

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Welt / Bühne II

Welt / Bühne II

Plattform für internationale Dramatik

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Neue Plattform für internationale Dramatik

Veranstaltungsreihe "Welt / Bühne" mit dem Goethe Institut

Ab dieser Spielzeit startet das Residenztheater in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und unterstützt vom Verein der Freunde des Residenztheaters im Marstall eine neue Veranstaltungsreihe internationaler zeitgenössischer Dramatik.

Neue Plattform für internationale Dramatik
WELT / BÜHNE I

WELT / BÜHNE I

Plattform für internationale Dramatik

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