Reigen. Variationen
von Anja Hilling frei nach »Reigen« von Arthur Schnitzlervon Anja Hilling frei nach »Reigen« von Arthur Schnitzler
Inhalt
Vierundzwanzig Stunden im Englischen Garten. Irgendwo zwischen Monopteros und Haus der Kunst begegnen sich – in zehn Szenen und jeweils zu zweit – die DJane Ada, der Unternehmer Franzi, der Dichter Graf, die Reinigungskraft Maround die Sexarbeiterin Eleonore. Die vielfach ausgezeichnete Dramatikerin Anja Hilling denkt Arthur Schnitzlers »Reigen« neu für unsere Gegenwart.
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Vierundzwanzig Stunden im Englischen Garten. Irgendwo zwischen Monopteros und Haus der Kunst begegnen sich – in zehn Szenen und jeweils zu zweit – die DJane Ada, der Unternehmer Franzi, der Dichter Graf, die Reinigungskraft Maround die Sexarbeiterin Eleonore. Die vielfach ausgezeichnete Dramatikerin Anja Hilling denkt Arthur Schnitzlers »Reigen« neu für unsere Gegenwart.
Während Schnitzlers Uraufführung 1920 aufgrund ihres expliziten sexuellen Inhalts einen Theaterskandal auslöste, nimmt Hilling die zufälligen Treffen von Menschen quer durch die Gesellschaft zum Anlass, poetisch und zärtlich die Möglichkeit von Nähe und Intimität zu befragen. Vor und nach dem sexuellen Akt spielen Schnitzlers Dialoge, dazwischen ein bedeutungsvoller Gedankenstrich. Bei Anja Hilling sucht nur Graf nach einem Onlinedate, das sich aber prompt als Irrtum entpuppt und nicht vollzogen wird. Eine Technoparty führt die Menschen in den Park – eine Mußestunde im hektischen Alltag oder ein Leben ohne Zuhause. Dann zieht ein Sturm auf, der nicht nur den Park verwüstet, sondern auch die Figuren entwurzelt. »Nachher« heißt bei Hilling nach dem Unwetter, das die für verbürgt gehaltene Gesellschaftsordnung buchstäblich aus den Angeln reißt. Denn was ist schon ein Geldautomat, der aus der Wand gerissen auf der Wiese strandet, oder ein Ladekabel ohne funktionierende Steckdose? Anja Hilling erzählt den Umbruch eines Starkwetterereignisses nicht als Schreckensszenario, sondern als Möglichkeitsraum, als Befreiung.
Seit ihrem Debüt 2003 fängt die Autorin in ihren Stücken in poetischen Worten und sinnlichen Bildern zielsicher den Gefühlshaushalt der Gegenwartsgesellschaft ein. Sie schrieb zuletzt Auftragswerke für das Schauspiel Frankfurt, das Theater Basel sowie »Teile (hartes Brot)« (2021) für das Residenztheater.
Das Auftragswerk inszeniert der in Israel aufgewachsene Regisseur Ran Chai Bar-zvi, der mit »Reigen. Variationen« sein Debüt am Residenztheater gibt. Er zeigte seine atmosphärischen, nahbaren Inszenierungen bisher unter anderem am Münchner Volkstheater, am Thalia Theater in Hamburg und am Schauspiel Frankfurt. 2024 wurde er mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis für Nachwuchsregisseure ausgezeichnet.