Münchner Premiere
Residenztheater, 19.30 Uhr
Fr 6 Nov
Weitere Termine folgen
FAUST I
Eine Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe
Eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen
Münchner Premiere am 6. November 2026 im Residenztheater

Inhalt

»Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust« – Goethes Faust beschreibt damit nicht nur ein persönliches Drama, sondern eine Erfahrung moderner Subjektivität: Das Ich erscheint als Gefüge widersprüchlicher Kräfte. Goethes Drama zeigt den modernen Menschen als Getriebenen einer Logik permanenter Steigerung – zwischen Selbstkontrolle, Konsum und Zerstörung. Ulrich Rasche zeigt dieses Geschehen als inneres Kammerspiel. Die Figuren verkörpern Kräfte eines zerrissenen Bewusstseins; Mephisto wird zu einem dunklen Schatten des Subjekts selbst.

Mehr Infos zum Stück anzeigen

Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Erzählung des Doktor Faust, der seine Seele dem Teufel verschreibt, zum Kernrepertoire der europäischen Literatur. Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Stoff durch Johann Wolfgang von Goethe eine radikale Transformation. Seine Arbeit am Faust-Projekt umfasst einen Zeitraum von etwa sechzig Jahren. In seinem Opus magnum entwirft Goethe einen Reflexionsraum, der – semantisch überdeterminiert, ausufernd und unausdeutbar – den Blick weit ins 19. Jahrhundert bis in die Moderne hinein öffnet.

Mit dem berühmten Diktum »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust« beschreibt Goethes Faust nicht nur sein persönliches Drama, sondern eine Erfahrung, die zum Kennzeichen moderner Subjektivität geworden ist: Das Ich erscheint nicht mehr als geschlossene Einheit, sondern als Gefüge widersprüchlicher Kräfte. Faust ist nicht als historische Einzelgestalt zu lesen, sondern als ein Modellfall der Gegenwart: leistungsfähig, erfolgreich und stets in Bewegung. Er optimiert sich, funktioniert und bleibt zugleich in permanenter Distanz zu sich selbst gefangen. Seine Zerrissenheit verweist auf eine Existenzform, in der das Subjekt sich selbst formt und zugleich an den eigenen Ansprüchen zerbricht. 

Ulrich Rasche, vielfach ausgezeichnet für seine formstrengen, durchkomponierten Inszenierungen, verdichtet dieses Geschehen zu einem zeitgenössischen Kammerspiel. Die Bühne wird zum inneren Raum, in dem die Figuren Kräfte eines zerrissenen Bewusstseins verkörpern. Mephisto tritt weniger als äußere Macht auf denn als Schatten des Faust selbst – als Ausdruck seiner eigenen zerstörerischen Impulse. Die Macht, die Faust antreibt, kommt nicht von außen, sondern aus ihm selbst. Goethes Drama zeigt den modernen Menschen als Getriebenen einer Logik unablässiger Überschreitung. Die Spannung zwischen Selbstkontrolle und Kontrollverlust schlägt in Gewalt um – nicht nur als individuelles Verhalten, sondern als Folge einer gesellschaftlichen Dynamik, die Steigerung und Zerstörung untrennbar miteinander verbindet.

Künstlerische Leitung

Inszenierung und Bühne Ulrich Rasche
Kostüme Annika Lu Hermann
Komposition und Tondesign Alfred Brooks
Körperarbeit Yannik Stöbener
Video Florian Seufert
Dramaturgie Yvonne Gebauer

Das könnte Ihnen auch gefallen