Marstall, 20.00 Uhr
Sa 29 Jun
Zum letzten Mal
Marstall, 20.00 Uhr
Do 11 Jul
BAVARIA
von Guillermo Calderón
aus dem Englischen von Katrin Michaels
Uraufführung/Auftragswerk
Premiere 02. März 2023
Marstall
1 Stunde 40 Minuten
Keine Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Trailer

Der chilenische Regisseur und Autor Guillermo Calderón schafft in seinem Schreiben eine ganz eigene Verbindung von Humor und politischer Brisanz. Viele seiner Texte erzählen durchaus komisch von den Vorurteilen, der Ignoranz und dem Egoismus, die im interkulturellen Austausch zutage treten. In seinem neuen Stück für das Residenztheater trifft sich eine Gruppe Frauen zur Chorprobe. Doch sie singen nicht nur zusammen, sie wollen auch eine neue Form der Gemeinschaft gründen, ein neues «Bavaria», das ihren Vorstellungen von einem guten Leben besser entspricht als die bayerische Realität. Nur wo? Irgendwo auf dem Land? Oder doch besser am anderen Ende der Welt, in Südamerika? Während sie schon einmal die spanischen Lieder proben, die Franka, eine deutschstämmige Paraguayerin, ihnen beibringen soll, stellt sich nach und nach heraus, dass hier längst nicht alles so harmonisch ist, wie es den Anschein hat und Verwicklungen und Unwahrheiten nicht nur die Gruppe durchdringen, sondern auch die deutsche Siedlungsgeschichte in Lateinamerika.

«In diesem Stück möchte ich die Beziehung zwischen den Motiven der deutschen Kolonist*innen und denen der chilenischen Regierung untersuchen, die deutschen Siedler*innen seit dem 19. Jahrhundert viel Land und Unterstützung zukommen ließ. Die zu trauriger Berühmtheit gelangte ‹Colonia Dignidad› war nur eine von vielen. Es ging dabei einerseits um die Entwicklung unseres Lands, des Militärs und des Bildungswesens, aber auch ganz wesentlich darum, das Land der indigenen Bevölkerung wegzunehmen, die noch heute in diesen Gegenden lebt und nach wie vor viel weniger Einfluss hat als die Nachkommen der deutschen Immigrant*innen, die zur gesellschaftlichen Elite gehören.» Guillermo Calderón

Guillermo Calderón ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Theaterschaffenden Chiles. Die Produktionen seiner Compagnie touren weltweit. In den USA, wo er als Drehbuchautor arbeitet, liegt ein weiterer Lebensmittelpunkt von ihm. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem renommierten Filmregisseur Pablo Larraín.

Zum Autor Guillermo Calderón

Der Dramatiker, Drehbuchautor und Regisseur Guillermo Calderón wurde in Santiago de Chile geboren. Nach einem Schauspielstudium in Chile und dem Studium der Filmwissenschaft in New York gründete er eine Theatergruppe und erhielt bereits mit deren erster Produktion «Neva» weltweit Anerkennung. Seitdem touren seine Produktionen erfolgreich zu allen großen Festivals in Südamerika, Europa und Nordamerika. Calderón schrieb zahlreiche Auftragsstücke, u.a. für das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Theater Basel, das HAU Berlin, die Center Theater Group in Los Angeles und das Public Theater in New York City, deren Produktionen er zum größten Teil selbst inszenierte. Im Herbst 2017 wurde sein Stück «B» am Royal Court Theatre in London uraufgeführt, Regie: Sam Pritchard. Mit seiner Gruppe «Teatro en el blanco» inszenierte er 2020 «Dragón» eine Produktion, die international auf Tournee ging. Für das Riksteater in Stockholm schrieb und inszenierte er 2022 «Stortorget». Im Januar 2023 kam seine neue Produktion «Colina» im Rahmen des Festivals Teatro a Mil in Santiago de Chile heraus. Neben seiner Theaterarbeit schreibt er auch Drehbücher, u.a. für Filme des Regisseurs Pablo Larraín. «El Club» wurde 2015 bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, «Neruda» wurde 2016 beim Cannes Film Festival präsentiert. Im Februar 2023 feierte sein erster eigener Spielfilm «Maquillame Otra Vez» (Drehbuch und Regie: Guillermo Calderón) in Mexico City seine Premiere. Im gleichen Jahr erhielt er gemeinsam mit Pablo Larraín den Preis für das beste Drehbuch beim Venedig Filmfestival für den Film «El Conde» (seit 15. September 2023 auf Netflix).  «Bavaria», ein Auftragswerk des Residenztheaters, ist seine erste Arbeit, die in München zu sehen ist.

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IN ZUSAMMENARBEIT MIT BÜCHER LENTNER

Literaturempfehlungen aus der Dramaturgie

«Die Colonia Dignidad zwischen Erinnern und Vergessen»
von Meike Dreckmann-Nielen


«Mit Rechten reden»
von Leo Per, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn


«Rechte Esoterik»
von Matthias Pöhlmann


Podcast-Empfehlung
Seelenfänger aus der ARD Audiothek

Künstlerische Leitung

Inszenierung Guillermo Calderón
Bühne und Kostüme Sophia Sylvester Röpcke
Komposition und Musikalische Leitung Stephen Delaney
Licht Markus Schadel
Dramaturgie Katrin Michaels