Anna Karenina

Premiere
Residenztheater
Fr 21 Feb
ANNA KARENINA
nach dem gleichnamigen Roman von Lew Tolstoi
Premiere 21. Februar 2020
Residenztheater
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Lew Tolstois erste Gedanken zu «Anna Karenina» notiert seine Frau Sofja Andrejewna 1870 in ihrem Tagebuch: eine Frau, «verheiratet, aus der höchsten Gesellschaft, die aber sich selbst verloren hat». Als eine der großen tragischen Liebenden ist die Figur in die Literaturgeschichte eingegangen. Sie bricht die Ehe mit dem hochdekorierten Staatsbeamten Karenin, um mit dem jungen Offizier Wronski durchzubrennen, lässt ihren Sohn ebenso zurück wie die Salons der Hautevolee. Anna Karenina zerbricht nicht an den starren gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit wie Fontanes Effi Briest oder Flauberts Madame Bovary, sondern ist eher eine ältere Schwester der Exzentrikerinnen des Fin de Siècle wie Wedekinds Lulu oder Wildes Salome. Sie scheidet mit einem radikalen Willen aus dem Leben, ist mehr Racheengel als gedemütigtes Opfer der Umstände.

 

«Jeder hat im Herzen seine ‹skeletons›, wie die Engländer sagen.»

 

Tolstois Roman ist aber nicht nur eine Abhandlung über die Unbedingtheit der Liebe, sondern gleichermaßen das Sittenbild einer Gesellschaft in Zeiten erodierender Werte und des Umbruchs, in dem die Geschichte von Anna Karenina nur ein gutes Drittel einnimmt. Tolstoi erzählt in seinem Epos von zwei Familien, zeigt die Oberschicht und das leise Zerbrechen ihrer Welt, die Zweifel ebenso wie die Ignoranz. Der verzweifelte Tod der Titelheldin ist darin keineswegs eine singuläre Tat, sondern ein Schritt, den die meisten Figuren im Lauf der Geschichte erwägen.

 

Nach vierzehn Verfilmungen und unzähligen Theateradaptionen entwickelt die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Karin Henkel – u. a. 2018 mit dem Theaterpreis Berlin für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater – eine neue Bearbeitung des großen Klassikers der russischen Literatur, in der die Konflikte der persönlichen Zwänge und Triebe der Figuren genauso im Zentrum stehen wie der brüchige gesellschaftliche Zusammenhang, der sie umgibt.

Künstlerische Leitung

Inszenierung Karin Henkel
Dramaturgie Bendix Fesefeldt