LOLA UND LUDWIG

von Peter Hacks

Sie saß auf seinem Lederknie
Und spielte ihm im Barte,
Die Oberlippe wölbte sie,
Die maurisch leicht behaarte,
Zum sanften Kusse ihm hinan,
Ihr Aug, das irisch blaue,
Es sprach: Du bist der erste Mann,
Dem ich mein Herz vertraue.

Da klirrts, da splitterts. Ein Rumor
Von außerhalb des Tores.
– Mein liebster Ludwig, was geht vor?
– Das Schicksal zürnt, Dolores.
Das Schicksal zürnt. Es murrt und knurrt
Und wirft mir ein die Scheiben.
Erfüllung, die dem Alter wurd,
Hat wohl kein Recht zu bleiben.

Ja, ich bin alt, und du bist kalt,
Uns peinigt kein Verlangen.
Der Erdenmensch kann dergestalt
Schon Himmelsglück empfangen.
Die Liebe edlerer Natur,
Vom Drang erlöst der Sinnen,
Man findet sie bei Greisen nur
Und bei Tänzerinnen.

– Wer aber wirft die Scheiben ein?
– Ach, Kind, man kann nur raten.
Es können die Jesuiten sein,
Doch auch die Demokraten.
Die Roten und die Schwarzen sind
Sich eins zum jetzgen Zeitpunkt,
Denn über dich und mich, mein Kind,
Besteht ja gar kein Streitpunkt.

Sie lieben selbst wie Hund und Sau,
Die Weiber, die sie haben,
Sind ungewaschen, und picklig rauh
Die Hintern der Meßknaben.
Die Roten oder Schwarzen sinds,
Die uns die Wonne neiden.
’s gilt nicht der Kunst, ’s gilt nicht dem Prinz,
Es gilt gewiß uns beiden. –

Sie hielten sich erschrocken fest
Und saßen Haupt an Haupt gepreßt
Und saßen stumm und lange,
Die schöne Frau, der alte Mann,
Und eine welke Träne rann
Über ihre rote Wange.

Das Volk der Baiern trennte voll Hohn
Das keusche Seelenerlebnis.
So blieb die deutsche Revolution
Doch nicht ganz ohne Ergebnis.

 Peter Hacks: Lola und Ludwig, in: ders.: Werke. Erster Band. Die Gedichte. Lieder zu Stücken, Gesellschaftsverse, Liebesgedichte, Berlin 2003. 

Lola Montez

Lola Montez

Dramma per musica von Peter Kreuder und Maurus Pacher in einer Fassung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner

Lola Montez

Mein Streben. – Der Kampf der Welt. – Religion. – Politik. – Philosophie.

aus den Memoiren der Lola Montez (Gräfin von Landsfeld)

Wir stehen an dem Schlusse dieser Memoiren. Zwar noch viel, sehr viel könnte ich niederschreiben. Ich könnte noch manche männliche Thorheit enthüllen, auch noch von mancher weiblichen Schwäche erzählen. Aber ist es nöthig, daß man Alles ausplaudert, was man weiß?

Mein Streben. – Der Kampf der Welt. – Religion. – Politik. – Philosophie.