GLAUBE LIEBE HOFFNUNG INHALTSANGABE

Für manchen Menschen bleibt nur noch eine letzte Pfütze Leben und wenn die verschwunden ist, hat er oder sie nichts mehr. Elisabeth ist genau da angekommen. Doch sie gibt nicht auf. Die nötigen Mittel für die Geldstrafe und den Wandergewerbeschein müssen doch irgendwie zu beschaffen sein, selbst wenn sie dafür ihren eigenen Körper verkaufen muss. Natürlich erst, wenn sie gestorben ist. Dann sollen die Herren Wissenschaftler in der Anatomie mit ihrem Körper machen, was sie wollen. Bis dahin will sie aber möglichst ihr "eigener Herr" bleiben, auch wenn das in unserer "regressiven Abstiegsgesellschaft" für eine junge Frau wie sie schwierig ist. Doch Elisabeth kämpft tapfer gegen die sozialen und psychischen Verwundungen, die ihr der prekäre Alltag zufügt. Ihre Arbeitgeberin Irene Prantl steht mit ihrem Miederwarengeschäft nicht viel besser da, und Maria, die Teilzeitprostituierte am Rande der Kleinstkriminalität, kann Elisabeth das schnelle Geld auf dem freien Markt der Liebe auch nicht schmackhaft machen. Doch dann wird ihr der nette Herr Präparator mit seinem Terrarium zum Verhängnis. Er fühlt sich von Elisabeth betrogen und bringt sie ins "Zuchthaus". Hernach bleibt Elisabeth nur der Ausweg in die versorgungstechnisch sichere Zweierbeziehung, ein Beamter wäre ideal und mit einer Heirat die Existenz gesichert. Der Polizist Alfons Klostermeyer hätte Interesse. Elisabeth erinnert ihn an eine "liebe Tote". Und so wird zur Abwechslung in der Welt der "lebendigen Toten" harmonisches Liebesleben gespielt. Als Alfons jedoch erfährt, dass Elisabeth vorbestraft ist und im Gefängnis gesessen hat, lässt er sie aus Angst um seine Karriere fallen. Elisabeth wird untergehen. 1932 schrieb Ödön von Horváth (1901–1938) nach einer Idee des Münchner Gerichtsreporters Lukas Kristl seinen "kleinen Totentanz", der die Verunsicherungen und die Zwänge einer krisengeschüttelten Gesellschaft am tragischen Schicksal der jungen Frau Elisabeth beschreibt. Die kleinen Angestellten und Beamten, denen sie begegnet, empfinden ihre kleinen Sicherheiten als Privileg und sind doch nicht weniger von Abstiegsängsten und der Sorge um ihre Existenz bestimmt. Die Prekären und die Privilegierten unterscheiden sich nur wenig. Wie gehetzte Tiere krallen sie sich aneinander. Diesem "ewigen Schlachten" in einer von Geld, Paragraphen und Egoismus bestimmten Gesellschaft galt Horváths Interesse. Während er an "Glaube Liebe Hoffnung" arbeitete, sprach der Dramatiker „von seinen Charakteren wie von lebendigen Menschen, mit denen er die meiste Zeit verbrachte", so Schauspielerin Hertha Pauli, die in München zu dieser Zeit fast täglich mit Horváth zusammen war. Besonders ergötzte ihn die Bosheit der Figuren. "Sind’s nicht tierisch?“ Ödön von Horváth schrieb immer wieder über die Befriedigung "asozialer Triebe"“ durch das Theatererlebnis und das Unheimliche in seinen Theaterstücken, denn „was geht denn da vor, wenn nicht ein durch Miterleben mitgemachter Mord?" David Böschs Inszenierung erzählt in poetischen Bildern vom einsamen "Totentanz" Elisabeths und ihrem verzweifelten Ringen darum, in dieser Welt irgendwann und irgendwo doch noch glücklich zu sein. Der Regisseur stellt seine Hauptfigur in den Widerschein der berühmten Horváth‘schen "Fräuleins": der Karoline und der Marianne aus seinen Theaterstücken „Kasimir und Karoline“(1932) und den "Geschichten aus dem Wiener Wald" (1931), sowie dem Münchner Fräulein Pollinger aus seinem "Ewigen Spießer" (1930), die Bösch textlich zitiert und die, ebenso wie Elisabeth und das Fräulein aus "Rund um den Kongress" (1929), kläglich zu Grunde gehen. Elisabeths unnachgiebige Frage nach "jemand Zuständigem" geht uns alle an.

Glaube Liebe Hoffnung

Glaube Liebe Hoffnung

von Ödön von Horváth

Glaube Liebe Hoffnung