DER WALDGANG

Ernst Jünger

Im Waldgang betrachten wir die Freiheit des Einzelnen in dieser Welt.

Waldgänger nennen wir jenen, der, vereinzelt und heimatlos geworden, sich endlich der Vernichtung ausgeliefert sieht. Das könnte das Schicksal vieler, ja aller sein – es muss also noch eine Bestimmung hinzukommen. Diese liegt darin, dass der Waldgänger Widerstand zu leisten entschlossen ist und den, vielleicht aussichtslosen, Kampf zu führen gedenkt. Der Waldgang führt hart an den Tod heran – ja, wenn es sein muss, durch ihn hindurch.

Der Widerstand des Waldgängers ist absolut, er kennt keine Neutralität, kein Pardon, keine Festungshaft. Er erwartet nicht, dass der Feind Argumente gelten lässt, geschweige denn ritterlich verfährt. Er weiß auch, dass, was ihn betrifft, die Todesstrafe nicht aufgehoben wird. Der Waldgänger kennt eine neue Einsamkeit, wie sie vor allem die satanisch angewachsene Bosheit mit sich bringt – ihre Verbindung mit der Wissenschaft und dem Maschinenwesen, die zwar kein neues Element, doch neue Erscheinungen in die Geschichte bringt.

Die Waldgänger werden sich rekrutieren aus jenen, die auch in aussichtsloser Lage für die Freiheit zu kämpfen entschlossen sind. Der Waldgänger ist kein Soldat. Er kennt nicht die soldatischen Formen und ihre Disziplin. Sein Leben ist zugleich freier und härter als das soldatische.

Was seinen Ort betrifft, so ist Wald überall. Wald ist in den Einöden wie in den Städten, wo der Waldgänger verborgen oder unter der Maske von Berufen lebt. Wald ist im Vaterlande wie auf jedem anderen Boden, auf dem der Widerstand sich führen lässt. Wald ist vor allem im Hinterland des Feindes selbst. Der Waldgänger steht nicht im Banne der optischen Täuschung, die den Angreifer als Nationalfeind sieht. Er kennt seine Zwangslager, die Schlupfwinkel der Unterdrückten, die Minderheiten, die ihrer Stunde entgegenharren. Er führt den kleinen Krieg entlang der Schienenstränge und Nachschubstraßen, bedroht die Brücken, Kabel und Depots. Seinetwegen muss man die Truppen zur Sicherung verzetteln, die Posten vervielfachen. Der Waldgänger besorgt die Ausspähung, die Sabotage, die Verbreitung von Nachrichten in der Bevölkerung. Er zieht sich ins Unwegsame, ins Anonyme, um wieder zu erscheinen, wenn der Feind Zeichen von Schwäche zeigt. Er verbreitet eine ständige Unruhe, erregt nächtliche Paniken. Er kann selbst Heere lähmen.

Der Waldgänger verfügt nicht über die großen Kampfmittel. Aber er weiß, wie Waffen, die Millionen kosten, durch kühnen Ansatz zu vernichten sind. Er kennt ihre taktischen Schwächen, ihre Blößen, ihre Entzündbarkeit. Er verfügt auch freier über die Wahl des Ortes als die Truppe und wird sich dort ansetzen, wo durch geringe Kräfte großer Abbruch geleistet werden kann - an den Engpässen, an Adern, die durch schwieriges Gelände führen, an Plätzen, die weit entfernt von den Basen sind. Ein jeder Vormarsch erreicht äußerste Punkte, an denen Menschen und Mittel kostbar werden, weil sie über riesige Strecken heranzutragen sind. Auf einen Kämpfer kommen dann hundert andere im rückwärtigen Dienst. Und dieser eine stößt auf den Waldgänger.

 

THE END

JIM MORRISON

This is the end, beautiful friend.
This is the end, my only friend,
The end,
Of our elaborate plans,
The end,
Of everything that stands,
The end,
No safety or surprise,
The end,
I´ll never look into your eye again.
Can you picture what will be,
So limitless and free
Desperately in need
Of some stranger´s hand,
In a desperate land.
Lost in a Roman wilderness of pain,
And all the children are insane,
All the children are insane
Waiting for the summer rain.

THE END

EINE ZEIT IN DER HÖLLE

ARTHUR RIMBAUD

Ich warte auf Gott wie ein Vielfraß auf Speise. Ich bin von niederer Rasse, in Ewigkeit.

So liege ich nun an bretonischer Küste. Wie doch die Städte aufleuchten am Abend! Mein Tagewerk ist getan. Ich verlasse Europa. Seewinde werden mir die Lungen ausbrennen, verlorene Klimate die Haut beizen. Schwimmen, Gras brechen, jagen, rauchen vor allem, Branntweine trinken, stark wie kochendes Metall – es treiben wie die herzigen Ahnen am Feuer.

EINE ZEIT IN DER HÖLLE

GESANG AUS DEM AQUARIUM. 5. PSALM

Bertolt Brecht

Ich habe den Becher geleert bis zur Neige.
Ich bin nämlich verführt worden.

Ich war ein Kind und man liebte mich.

Die Welt verzweifelte, denn ich blieb rein.
Sie wälzte sich auf dem Boden vor mir,
mit weichen Gliedern und lockenden Hinterteilen.
Ich blieb standhaft.

Sie zu besänftigen, als sie es zu arg trieb,
legte ich mich zu ihr und wurde unrein.

Die Sünde befriedigte mich. Die Philosophie half
mir im Morgengrauen, wenn ich wach lag.
Ich wurde so, wie man mich wollte.

GESANG AUS DEM AQUARIUM. 5. PSALM

Baal

Inhaltsangabe

Ein Künstler und Säufer ist dieser Baal, der sich genussvoll mit der bürgerlichen Gesellschaft überwirft und lauthals lachend die Konventionen der Zeit brüskiert, der Frauen verschleißt und Freunde verrät, der sich in Leiber und Wälder wühlt, der alles zwischen Erdkern und Sternen begehrt und wegwirft, was er hat. Sein Rhythmus ist die Opposition, sein Ziel die weltumfassende Gebärde, in der er untergeht.

Baal

"Du musst das Tier herauslocken. In die Sonne mit dem Tier! Bezahlen! Ans Tageslicht mit der Liebe! Nackt in der Sonne unter dem Himmel!"
Bertolt Brecht, "Baal"

Baal

Baal

von Bertolt Brecht

Baal