DER SCHWEINESTALL INHALTSANGABE

Julian will nichts, noch nicht einmal sich selbst kennenlernen. Er ist sich fremd und seine von der Studentenbewegung faszinierte Freundin Ida sagt ihm, wer nichts wolle, strebe wohl nach Macht. Aber dazu müsste Julian gehorchen, was er nicht kann. Genausowenig will er nicht-gehorchen und wie die anderen jungen Leute auf der Straße protestieren. Julians Vater, der Alt-Nazi und Rüstungsindustrielle Klotz, hadert mit dem Sohn, der seine Prinzipien und Spielregeln des Erfolgs nicht akzeptieren will. denn Julian beugt sich niemandem, sondern entzieht sich dem dunklen Spiel von Macht und Liebe und flüchtet hinaus aus der elterlichen Villa. Julian sucht das Glück bei den Schweinen im Koben, auf dem Land; dort scheint es ihm wahrhaftiger als bei den Machenschaften seines alten Herrn zu sein. Der liefert sich mit seinem Konkurrenten Herdhitze, der im dritten Reich als besonders grausamer KZ-Arzt wirkte, ein bitterböses Spiel. Beide betreiben die feindliche Übernahme der Fabriken des anderen. Ihre Waffen sind List und die Schwächen des Gegners. Klotz weiß, dass Herdhitze im KZ, noch unter dem Namen Hirt, Juden umbringen ließ, und Herdhitze weiß, was Julian im Stall mit den Schweinen treibt.

Und so treffen die beiden Konkurrenten aufeinander, um ihr Wissen gegen den jeweils anderen auszuspielen. Aber die alten Kameraden erkennen, dass - Spiel hin, Spiel her - sie nur gemeinsam ihre Vergangenheit beerdigen, die Gegenwart beherrschen und die Zukunft gewinnen können. Herdhitze & Klotz fusionieren. Kapital verdrängt Moral und Julian flieht von der großen Fusionsparty wieder in den Schweinestall, wo er mit dem Philosophen Spinoza über Anpassung, die Macht des Verstandes und die Herrschaft des Konsums diskutiert. Julian verweigert sich der Anpassung im Leben und behauptet von sich, dass er trotz allem”der glücklichste Mensch der Welt“ sei. Er wird den Schweinestall nie wieder verlassen und lässt sich von denen fressen, die leben, um gefressen zu werden.

Der kroatische Regisseur Ivica Buljan betrachtet Pasolinis anti-bürgerliche Satire von 1967 als True Horror. Für ihn ist Pasolinis Stück eine der provokativsten Parabeln über menschliche Schwächen, Perversionen und den politischen Horror. In seiner Art ein Unikat des Welttheaters. Von Pasolini als eine Satire auf das kapitalistische Nachkriegsdeutschland entworfen, spiegelt es mit heutigem Blick die neoliberale Konsumgesellschaft, die auf der nur dürftig vom Faschismus befreiten Gesellschaft fußt. In albtraumhaften Szenen werden die Geschäfte des restaurierten Kapitalismus als Gesellschaftsspiel der Alt-Nazis vorgeführt und in eine Gegenwart versetzt, in der Anpassung, die ”Herrschaft des Konsums“ (Pasolini) und grenzenlose Freiheit des Kapitals die neuen subtilen Formen der nie endenden Unterdrückung darstellen. Die Fragen nach Anpassung und Revolution, Identität, Ethik und Vernunft des menschlichen Daseins stellen sich wie bei Spinoza 1667 und bei Pasolini 1967 auch 2016 in der Inszenierung von Ivica Buljan.

Der Schweinestall

Der Schweinestall

von Pier Paolo Pasolini

Der Schweinestall