"Der Feind im Inneren"

Gesprächsreihe mit der Süddeutschen Zeitung

Auf ganz verschiedene Weise ist der Feind im Inneren zur Figur der Stunde geworden: Er wohnt in den Vorstädten unserer Hauptstädte und trifft uns an den empfindlichen Orten unseres freiheitlichen Selbstverständnisses, er gründet rechtsradikale Terrororganisationen mitten im Land und wird von unseren eigenen rechtsstaatlichen Strukturen genährt, er wird zu einem von uns und wir zu ihm, wenn unser Staat argwöhnisch unser digitales Ich zu fassen sucht. Manche glauben ihn gar im syrischen Geflüchteten zu erkennen.

Heiner Müllers Diktum "Wer keinen Feind mehr hat, trifft ihn im Spiegel" stand während des letzten Sommers auf der Residenztheater-Fassade: So wie Ödipus einen Mörder sucht und sich selbst überführt, sind wir, die Bürger, anscheinend selbst der blinde Fleck, den es in der Transparenzgesellschaft zu entlarven gilt. Zwischen NSA- und NSU-Skandal sehen wir der schrittweisen Aushebelung unserer bürgerlichen Grundrechte zu. Angesichts der „besorgten Bürger“ unseres Landes, die in der "Das wird man doch noch sagen dürfen"-Gebärde zum Brandbeschleuniger der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte werden, angesichts des (wenn auch reformierten) Patriot Acts und des in Frankreich kürzlich verhängten Ausnahmezustands, angesichts der Flüchtlingsbewegungen und der europäischen Bankrotterklärungen des Jahres 2015 steht fest: Wir müssen reden. Mit Experten. Im Theater, inmitten von Künstlern und Rezipienten, Bürgern und Bürgern, zwischen Fakt und Fiktion. Agora 2016.

Wir laden einmal im Monat gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung zu einem Gespräch in die "Schöne Aussicht" ein, das vor einer inhaltlich angebundenen Vorstellung den Blick auf politische, juristische, gesellschaftstheoretische Fragen rund um den Feind im Inneren lenkt.

 

3. Juli 2016, 18.00 Uhr
DER FEIND IM INNEREN: V. LEKTIONEN IM ABENDLAND
RELIGION UND GRUNDGESETZ

 

Selbsternannte Vertreter unseres christlich konnotierten Abendlandes meinen ihn im muslimischen Geflüchteten zu erkennen. Mit Muezzindauerschleifen soll in München die Aufklärung verteidigt werden, ein geplanter Moscheebau in Erfurt treibt Thüringen den Angstschweiß auf die Stirn, mancherorts wird angesichts der befürchteten Islamisierung Deutschlands auch gleich die Religionsfreiheit zur Debatte gestellt. Mit allen Mitteln wird das Bewusstsein vorangetrieben, dass unser Land nicht bleiben kann, wie es ist. Aber wie soll es werden?

Zu Gast: Aiman A. Mazyek studierte Arabistik, Philosophie, Ökonomie und politische Wissenschaften, leitete im Jahr 2000 den ersten Islampavillon auf einer Expo-Weltausstellung und gründete gemeinsam mit Rupert Neudeck 2003 die Hilfsorganisation Grünhelme e.V. Seit 2010 ist er Vorstandsvorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Mazyek engagiert sich vielfältig für den christlich-islamischen Dialog und arbeitet als freier Publizist und Medienberater. Am 23. Mai 2016, dem 67. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes, wurde sein Gespräch mit Vertretern der AfD nach einer knappen Stunde abgebrochen.

Moderation: Sonja Zekri studierte Geschichte, Slawistik und Journalismus, arbeitete für FAZ, stern und ZDF und ist seit 2001 Redakteurin der Süddeutschen Zeitung. 2008 bis 2011 war sie Korrespondentin in Moskau, danach in Kairo, von wo sie für die SZ und den Tagesanzeiger über den arabischen Raum berichtete. Seit 2015 leitet Zekri gemeinsam mit Andrian Kreye das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung.

Eintritt frei, mit Einlasskarten.

Im Anschluss "Geächtet" im Residenztheater.

 

In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung. 

 

 

Der Feind im Inneren: V. Lektionen im Abendland.

Der Feind im Inneren: V. Lektionen im Abendland.

Sonja Zekri und Aiman A. Mazyek diskutieren

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Der Feind im Inneren: IV. Im Bad der Menge.

Der Feind im Inneren: IV. Im Bad der Menge.

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Der Feind im Inneren: III. Unter uns.

Der Feind im Inneren: III. Unter uns.

Alex Rühle und Prof. Dr. Andreas Zick diskutieren

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Der Feind im Inneren

Martin Kušej präsentiert seine Pläne für die Spielzeit 2015 16 am Residenztheater

Am 29. April 2015 stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende Spielzeit 2015 16 am Residenztheater vor. In vielen Stücken der neuen Spielzeit am Residenztheater richtet sich der Verdacht nach innen, sitzt der (vermeintliche) Feind im eigenen Lager, stellt sich heraus, dass Richter und Täter identisch sind: Das gilt sowohl für die ganz großen klassischen Stoffe wie "Prinz Friedrich von Homburg" und den Mythos von "Ödipus" als auch für modernere Dramen wie Arthur Millers "Hexenjagd". Und insbesondere in den zeitgenössischen Stücken "Die Netzwelt" von Jennifer Haley, Ayad Akhtars Pulitzer-Preis-gekröntem Stück "Geächtet", Peter Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße" sowie in Stefano Massinis "Lehman Brothers" wird der Feind im Inneren besonders deutlich spürbar.

Der Feind im Inneren
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