Es waren ihrer sechs

Marstall, 19.00 Uhr
So 14 Nov
Marstall, 19.00 Uhr
So 05 Dez
Karten ab 30.10.2021
Marstall, 19.00 Uhr
So 12 Dez
Karten ab 30.10.2021
Marstall, 20.00 Uhr
Sa 18 Dez
Karten ab 30.10.2021
ES WAREN IHRER SECHS
frei nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Neumann
Uraufführung
Premiere 08. Oktober 2021
Marstall
1 Stunde 30 Minuten
Keine Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Als 1945 der Roman «Es waren ihrer sechs» des nach Los Angeles emigrierten Autors Alfred Neumann erscheint, löst er in Deutschland eine heftige öffentliche Kontroverse aus. Basierend auf einem Zeitungsartikel aus dem «Time Magazine» über die Flugblattaktionen und die Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose entwickelte Neumann aus dem Leben und Wirken der Widerstandskämpfer*innen ein «freies Spiel der Fantasie», wie er es nannte: «Es geht nicht um die Geschwister Scholl. Es geht nicht einmal um die von mir geschaffenen Geschwister Möller, deren Name und Sprache und Nationalität getrost ausgewechselt werden können. Es geht nur um die Gestaltung einer ewigen Idee.»

 

Der polnische Regisseur Michał Borczuch und der Dramaturg und Autor Tomasz Śpiewak nehmen diese «ewige Idee» vom jugendlichen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme zum Ausgangspunkt ihrer Bearbeitung des Romans. Es ist der Versuch, sowohl die Gedankenwelt von Neumanns Protagonist*innen als auch das reale Wirken der Weißen Rose zu rekonstruieren. Borczuchs Abend ist eine Versuchsanordnung an der Schnittstelle von Theater und Film, die sich über die Stationen Jugend, Verfassen der ersten Flugblätter, Verhaftung, Gefängnis und Hinrichtung Neumanns Figuren annähert. Darüber hinaus sucht Borczuch, in jeder der Stationen eine Brücke in unsere Gegenwart und zu heutigen jugendlichen Protestformen zu schlagen.

 

Nach dem filmischen Inszenierungseinblick für das Digitalformat «Resi sendet» im Frühjahr 2021 entwickelt Michał Borczuch seine Arbeit für die analoge Premiere im Marstall nochmals weiter. Borczuchs Regiehandschrift zählt zu den markantesten der gegenwärtigen polnischen Theaterszene. In seinen Arbeiten spielt er mit dem Grenzbereich zwischen Authentizität und Fiktion sowie der gegenseitigen Einflussnahme von Leben und Theater. «Es waren ihrer sechs» ist seine erste Arbeit in München.

Erinnerung und Vermächtnis

Die Uraufführung von Alfred Neumanns Roman «Es waren ihrer sechs» führt die programmatische Linie weiter, die mit Judith Herzbergs Stücktrilogie «Die Träume der Abwesenden» zu Beginn der Spielzeit gesetzt wurde: Es geht um Erinnerung und Vermächtnis; darum was Erinnerungskultur bis heute leistet und wie sie künftig aussehen kann. Der bewusste Wille zum Vergessen, der Wunsch nach einem Schlussstrich wird zusehends lauter formuliert und die nur noch wenigen lebenden Zeitzeugen immer weniger gehört.

DIGITALER BÜCHERTISCH

IN ZUSAMMENARBEIT MIT BÜCHER LENTNER

Literaturempfehlungen aus der Dramatugie
 

«Es waren ihrer sechs»
von Alfred Neumann
Mit Materialien zur Rezeptionsgeschichte, benachwortet von Peter Graf
(Gebunden. Verlag das kulturelle Gedächtnis, 2018)
 


«Flamme sein!»
Hans Scholl und die Weiße Rose
von Robert M. Zoske
(Gebunden. C.H. Beck, 2018. 2. Auflage)



«Die Weiße Rose»
Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden
von Miriam Gebhardt
(Kartoniert. Pantheon Verlag, 2018. 2. Auflage)



«Wie schwer ein Menschenleben wiegt»
Sophie Scholl. Eine Biografie
von Maren Gottschalk
(Gebunden. C.H. Beck, 2020. 2. Auflage)



«Alexander Schmorell, Christoph Probst: Gesammelte Briefe.»
Herausgegeben von Christiane Moll
(Gebunden. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, 2011)

Trailer

Künstlerische Leitung

Inszenierung Michał Borczuch
Bühne und Kostüme Dorota Nawrot
Video Wojciech Sobolewski
Musik Bartosz Dziadosz
Licht Jacqueline Sobiszewski
Dramaturgie Tomasz Śpiewak, Michael Billenkamp