Teile (Hartes Brot)

Premiere
Marstall
Apr 2021
TEILE (HARTES BROT)
von Anja Hilling nach «Das harte Brot» von Paul Claudel
Uraufführung/Auftragswerk
Premiere Apr 2021
Marstall
Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Von 1909 bis 1916 arbeitet der französische Dramatiker Paul Claudel an einer historischen Trilogie, deren Mittelstück «Das harte Brot» ist. An den Figuren macht er den sozialen, politischen und geistigen Wandel der 1840er-Jahre sichtbar, der mit der Französischen Revolution seinen Anfang genommen hat. Die Aufklärer*innen von gestern werden zu den restaurativen Ausbeuter*innen der Gegenwart. Die einstmals hohen Ideale sind korrumpiert, Egoismus und Gier triumphieren. Zwischen Turelure, Vertreter der alten Ordnung, seiner Geliebten Sichel, seinem Sohn Louis und dessen Verlobten Lûmir entbrennt ein Kampf um das Wesentliche: Geld, Ertrag, Macht. Mit enormer Gewalt und scharfem Geschäftssinn sind sie bestrebt, die jeweils eigenen Zukunftsvisionen zu verwirklichen. Vor allem die Frauen, bis dahin als Handlungsträgerinnen nicht ermächtigt, trachten danach, dieser Phase des Umbruchs ihren Namen einzuschreiben. Die Dramatikerin Anja Hilling, die sich bereits in mehreren Überschreibungen des Werks Claudels angenommen hat, holt sein historisches Drama in unsere Zeit.

«Eine gewisse Gesetzlosigkeit stärkt die Zufriedenheit.»

«Claudel interessiert mich, weil er keine Grenzen wahrt. Ich lese ‹Das harte Brot› aus dieser Gegenwart, diesem Europa, und aus mir, meinen persönlichen Grenzen, die ich im Körper finde und im Denken, und das Überschreiben bringt mich an einen Ort, den ich keiner Zeit mehr zuordnen kann. Eine Art archaische Zukunft. Und es sind die Frauen, in deren Hände Claudel die Störung der lichtlosen, nur durch Besitz erhellten Existenz legt. Die Stärke ihres Begehrens ist Motor ihrer Handlungen und Mittel zur Veränderung der Verhältnisse.» Anja Hilling

 

Die Hausregisseurin Julia Hölscher inszeniert nach «Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen» bereits zum zweiten Mal eine Uraufführung von Anja Hillings sprachgewaltiger Dramatik.

Zur Autorin Anja Hilling

Anja Hilling, geboren 1975, absolvierte das Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin sowie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihr erstes Theaterstück «Sterne» (UA 2006, Stadttheater Bielefeld) wird 2003 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen und dort mit dem Preis der Dresdner Bank für neue Dramatik ausgezeichnet. Die Tragikomödie «Mein junges idiotisches Herz» (UA 2005, Münchner Kammerspiele) wird 2005 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Von der Theaterzeitschrift «Theater heute» wird die Dramatikerin 2005 zur «Nachwuchsautorin des Jahres» gewählt. 2006 wird ihr Stück «Bulbus» am Burgtheater Wien zur Uraufführung gebracht. Das Zivilisationsdrama «Schwarzes Tier Traurigkeit» (UA 2007, Schauspiel Hannover) wird auf zahlreichen großen Bühnen im deutschsprachigen Raum sowie in ganz Europa, u.a. am La Coline in Paris und dem Königlichen Dramatischen Theater Stockholm (Dramaten) gezeigt. Weitere Stücke u.a. «Sinn» (DSE 2007, Thalia Theater Hamburg), «Nostalgie 2175» (UA 2009, Thalia Theater Hamburg) und «Radio Rhapsodie» (UA und Einladung zu den Autorentheatertagen am Thalia Theater Hamburg 2009). Am Schauspielhaus Wien werden «Der Garten» (UA 2011) nebst einer Bearbeitung des in vier Tage gegliederten Monumentalwerks von Paul Claudel «Der seidene Schuh oder Das Schlimmste trifft nicht immer zu» (UA 2012, «III.Tag: Die Eroberung der Einsamkeit») und «Sinfonie des sonnigen Tages» (UA 2014) uraufgeführt. Für das Jugenddrama «was innen geht» (UA 2016, Theater praesent Innsbruck) wird Anja Hilling für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert. Am Theater Basel wird 2017 das Auftragswerk «Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen», eine Überschreibung von Paul Claudels «Mittagswende», uraufgeführt. Weitere Arbeiten folgen u.a. am Nationaltheater Mannheim («wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben», UA 2017) und dem Theater Bonn («Apeiron», UA 2020).

Künstlerische Leitung

Inszenierung Julia Hölscher
Bühne Paul Zoller
Kostüme Janina Brinkmann
Musik Friederike Bernhardt
Licht Markus Schadel
Dramaturgie Stefanie Hackl