Michael Billenkamp

Stücke

Vor sechzig Jahren, am 11. April 1961, begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann, Leiter des nationalsozialistischen Referats für «Judenangelegenheiten» und einer der Hauptverantwortlichen des organisierten Genozids. Heinar Kipphardt verarbeitete die Verhörprotokolle des israelischen Geheimdienstes mit Eichmann zu seinem Dokumentartheaterstück «Bruder Eichmann», das 1983 am Residenztheater uraufgeführt wurde. Regisseur Sebastian Baumgarten wird sich dem bei der Uraufführung kontrovers diskutierten Text mit den Möglichkeiten und Mitteln des digitalen Theaters annähern.

Bruder Eichmann

Judith Herzberg zeichnet in ihrer Trilogie mit feinem Humor das Porträt einer jüdischen Großfamilie aus Amsterdam. Hinter der alltäglichen und fröhlichen Fassade aber verbirgt sich ein verwundetes Seelenleben. Es sind die Geschichten von Überlebenden des Holocaust und ihrer Nachkommen, in deren Körper sich die Traumata der Verfolgung und Shoah tief eingeschrieben haben. Sich von der Vergangenheit zu lösen, scheint unmöglich, trotzdem tanzen, lieben und heiraten sie aufs Neue und bleiben auf der Suche nach einem Neuanfang.

Die Träume der Abwesenden
Premiere
Residenztheater, 17.00 Uhr
So 26 Sep
Residenztheater, 17.00 Uhr
Fr 01 Okt
Residenztheater, 17.00 Uhr
Fr 15 Okt
Residenztheater, 17.00 Uhr
Sa 16 Okt
Residenztheater, 17.00 Uhr
So 31 Okt

Im Zentrum des 1945 erschienenen Romans «Es waren ihrer sechs» von Alfred Neumann steht die Idee vom jugendlichen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme. Basierend auf einem Zeitungsartikel über die Flugblattaktionen und die Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose entwickelte Neumann aus dem Leben der Widerstandskämpfer*innen ein «freies Spiel der Fantasie». Der polnische Regisseur Michał Borczuch unternimmt mit seiner Bearbeitung des Stoffs den Versuch, die Gedankenwelt von Neumanns Figuren wie auch das reale Wirken der Weißen Rose aus heutiger Sicht zu rekonstruieren.

Es waren ihrer sechs
Premiere
Marstall, 20.00 Uhr
Fr 08 Okt
Marstall, 19.00 Uhr
So 17 Okt
Marstall, 20.00 Uhr
Mo 25 Okt

Elisabeth Gärtner hat nur noch den Wunsch zu sterben. Sie verlangt nach einem Medikament, das sie tötet. Vor dem Ethikrat soll nun grundsätzlich ihr Fall und damit das kontroverse Thema Sterbehilfe diskutiert werden. Die Expert*innen streiten leidenschaftlich über die Fragen: Hat der Mensch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Dürfen Ärzt*innen beim Suizid helfen? Wem gehört unser Leben?

Gott
Residenztheater, 19.30 Uhr
Mi 29 Sep
Residenztheater, 19.30 Uhr
Do 30 Sep
Residenztheater, 19.30 Uhr
Fr 08 Okt
Residenztheater, 19.30 Uhr
Di 12 Okt

Erst die physische Qual seiner Krebserkrankung durchbricht für Fritz Zorn den Schutzschild einer anerzogenen «Unempfindlichkeit der Seele», erst der drohende Tod weckt seinen Widerstand gegen das Nichtlebendürfen: «Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein.» Mit diesen Worten beginnt der Schweizer Autor Fritz Zorn seine Abrechnung mit Herkunft, Familie und Erziehung. Aber: Die Besinnung auf den Tod ist auch eine Besinnung auf Freiheit. Die Kunst zu sterben, befreit den einzelnen von jeder Unterwürfigkeit und allem Zwang und bietet durch die Akzeptanz der eigenen Finalität die Möglichkeit, sich als Teil eines übergeordneten Transformationsprozesses wahrzunehmen.

 

Für Ensemblemitglied Max Mayer und Bühnenbildner Jonas Vogt bildet die Besonderheit des Areals hinter dem Marstall die Grundlage für ihre installative Auseinandersetzung mit Existenz, Verlust, Trauer und Transformation.

Mars
Premiere
21.30 Uhr
Do 23 Sep
21.30 Uhr
Sa 25 Sep
20.00 Uhr
Mo 27 Sep
21.30 Uhr
Do 30 Sep
21.30 Uhr
Di 05 Okt
21.30 Uhr
Mi 06 Okt

Auch zehn Jahre nach dessen Selbstenttarnung sind die Hintergründe des NSU-Komplexes nach wie vor ungeklärt. «Urteile (revisited) – Nach dem Prozess» basiert auf dem 2014 uraufgeführten Stück «Urteile». Es thematisiert, was die Hinterbliebenen in München bis zur Selbstenttarnung der Täter*innen im November 2011 erleben mussten. «Urteile (revisited) – Nach dem Prozess» wird darüber hinaus um eine Betrachtung aus dem Jahr 2021 erweitert: Wie denken und fühlen die Betroffenen über die Ereignisse und den Prozess heute?

Urteile (revisited) – Nach dem Prozess
Premiere
Marstall, 20.00 Uhr
Do 21 Okt
Marstall, 20.00 Uhr
Di 26 Okt

Der polnische Regisseur Michał Borczuch und der Dramaturg und Autor Tomasz Śpiewak nehmen in ihrer Bearbeitung des Romans diese «ewige Idee» vom jugendlichen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme zum Ausgangspunkt. Es ist der Versuch, sowohl die Gedankenwelt von Neumanns Protagonisten als auch das reale Wirken der Weißen Rose zu rekonstruieren. Borczuchs Inszenierung ist eine Versuchsanordnung an der Schnittstelle zwischen Theater und Film, die sich über die Stationen Jugend, Verfassen der ersten Flugblätter, Verhaftung, Gefängnis und Hinrichtung diesen Figuren annähert. Darüber hinaus sucht Borczuch in jeder der Stationen eine Brücke in unsere Gegenwart und zu heutigen, jugendlichen Protestformen zu schlagen.

Die Onlineversion von «Es waren ihrer sechs» ist kein klassischer Inszenierungsmitschnitt, sondern arbeitet mit dem über den gesamten Probenzeitraum gedrehten Filmmaterial.

Resi streamt: Es waren ihrer sechs