Lulu

Marstall, 20.00 Uhr
Fr 13 Dez
Marstall, 20.00 Uhr
Sa 21 Dez
Marstall, 20.00 Uhr
Fr 27 Dez
Marstall, 19.00 Uhr
Di 31 Dez
Marstall, 20.00 Uhr
Fr 03 Jan
Marstall, 20.00 Uhr
Di 07 Jan
Marstall, 20.00 Uhr
Fr 17 Jan
Marstall, 20.00 Uhr
Mi 22 Jan
Marstall, 20.00 Uhr
Sa 25 Jan
Marstall, 20.00 Uhr
Do 30 Jan
LULU
von Frank Wedekind in einer Bearbeitung von Bastian Kraft
Premiere 22. November 2019
Marstall
1 Stunde 45 Minuten
Keine Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Über zwanzig Jahre lang arbeitete der Münchner Dramatiker Frank Wedekind an der von ihm sogenannten Monstretragödie, die aufgrund der harschen Zensur zu seinen Lebzeiten keine Aufführung in München erlebte. Zu anrüchig, zu lüstern. Wedekind schuf mit Lulu eine Schlange, geschaffen, um «zu locken, zu verführen» – und um zu morden. Für ihre Liebhaber scheint Lulu Projektionsfläche – was Mann wünscht, er findet es in ihr. Und mehr: Lulus Verführungen treiben ihre Liebhaber*innen in München und Paris reihenweise in den Tod, bis sie sich schließlich in den Londoner Gassen ihrem eigenen Tod in die Arme wirft.

 

«Als ich mich im Spiegel sah, hätte ich ein Mann sein wollen …
Mein Mann!»

 

Bereits im Prolog teilt Wedekind uns allerdings den Namen eines noch gefährlicheren Raubtiers mit, das dieses Stück bevölkert: «Verehrtes Publikum!» Denn nicht nur für die Männer in ihrer Welt ist Lulu ein Wert, etwas, das sich anhand des eigenen Lustgewinns bemessen lässt. Auch vor dem Publikum muss sie sich fortwährend dem objektivierenden Blick aussetzen. Auch für Publikum und Regisseur ist Lulu Projektionsfläche, auf der sich Frauenbilder sezieren lassen. Wer also steckt hinter diesen beiden erotischen Silben? Diese Frage ergründet der Regisseur Bastian Kraft, indem Lulu nur mit Lulu spricht. Gespielt von drei Schauspielerinnen, verhandelt Lulu in einem vielstimmigen Dialog mit sich selbst ihre eigene Geschichte. Sie übernimmt hiermit ihr Schicksal. Der lineare Handlungsverlauf löst sich auf, und ihren Liebhabern begegnet Lulu, indem sie die Männer selbst spielt. So verschiebt sich die Macht des Begehrens in das erotische Spannungsfeld verschwimmender Geschlechtergrenzen. Und die Lust an der Travestie zeigt kein Frauenbild, sondern Lulus Blick auf die Männerbilder, die Wedekind in diesem Stück zeichnet.

 

Bastian Krafts multimediale Bearbeitungen verdichten literarische Klassiker auf ihr Kernpersonal, dem sie eine neue Erzählperspektive und Stimme geben, und haben ihn an die wichtigsten Bühnen des deutschsprachigen Raums geführt. Mit «Lulu» wird er nun in München seine intensive Beschäftigung mit Videokunst auf der Bühne fortsetzen, wobei es ihm gelingt, trotz formaler Zugriffe stets die Schauspieler*innen in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, wofür er vielfach ausgezeichnet worden ist.

Künstlerische Leitung

Inszenierung Bastian Kraft
Bühne Peter Baur
Kostüme Dagmar Bald
Musik Arthur Fussy
Licht Monika Pangerl
Video Kevin Graber
Dramaturgie Bendix Fesefeldt