Premiere
Marstall
Fr 23 Jun
BLUES IN SCHWARZ WEISS
mit Texten von May Ayim und Julienne De Muirier
Premiere 23. Juni 2023
Marstall

«in deutschland gross geworden, bin ich unterwegs», schrieb May Ayim 1983, «weg vom: hautfarbesein, nationalitätsein, / religionsein, parteisein, / grosssein, kleinsein, intelligentsein, dummsein, / sein oder nichtsein / auf dem weg zu mir / auf dem weg zu dir.» Die Dichterin, Pädagogin und Aktivistin war eine prägende Stimme der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), die in den 1980er-Jahren für Gleichstellung zu kämpfen begann. In engem Austausch mit der afroamerikanischen Feministin Audre Lorde entstand der Begriff «afrodeutsch», der verdeutlicht, dass sich eine afrikanische und eine deutsche Identität nicht gegenseitig ausschließen. In den beiden vor ihrem frühen Tod veröffentlichten Gedichtbänden findet May Ayim eine knappe, poetische Sprache, in der sie ihre Erfahrungen von Rassismus und Unverständnis genauso verarbeitet wie ihre Kindheit und ihre Liebessehnsucht, ihre Freude und ihre Traurigkeit. Sie spielt mit Klängen, Schreibweisen und Buchstaben und findet doch immer sehr klare Worte für das, was sich in Deutschland ändern muss.

Die Regisseurin Miriam Ibrahim entwickelt gemeinsam mit der Autorin Julienne De Muirier das Stück «blues in schwarz weiss», das Ayims Gedichte, Briefe und Essays mit ihrem Nachhall in der Gegenwart verbindet.

«Intersektionaler Rassismus ist Teil unser aller Sozialisierung, doch trifft und formt er uns unterschiedlich – als individuelle Person oder in Gemeinschaften. May Ayims Texte und Gedichte haben mir das Gefühl gegeben, nicht allein mit diesen Themen zu sein, sondern Teil eines Kollektivs nicht-weißer Menschen in Deutschland. Sie beschreibt das fein verwobene Geflecht unterschiedlicher Erfahrungen und Erlebnisse, Machtverhältnisse und -prozesse, die einer Afrodeutschen in unterschiedlichen Lebensräumen begegnen und Emotionen und Verletzungen hervorrufen. Sie hat schon sehr früh ein Fenster einer Schwarzen Perspektive in Deutschland geöffnet und so den Weg für viele andere geebnet, die Stimme zu erheben und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu teilen. Als Empowerment oder als Widerstand.» Miriam Ibrahim

Künstlerische Leitung

Inszenierung und Musik Miriam Ibrahim
Bühne Nicole Marianna Wytyczak
Kostüme Veronika Utta Schneider
Video Amon Ritz
Dramaturgie Katrin Michaels
Recherche und Wissenschaftliche Beratung Daniele G. Daude