Resi liest

Die Schauspieler*innen des Residenztheaters lesen für Sie den Roman «Die Sommer» von Ronya Othmann und Auszüge aus Georg Büchners «Briefen» sowie seine revolutionäre Flugschrift «Der Hessische Landbote». Mit Musik von Ensemblemitglied Camill Jammal.

«Die Reise nach Ordesa» von Manuel Vilas

Der Ich-Erzähler scheint – dem Autor gleich – biografisch an einem schwierigen Punkt angelangt: An seinen eigenen Lebensentwürfen gescheitert, beruflich wie privat, beschreibt Manuel Vilas in 157 knappen Kapiteln universelle Verlusterfahrungen und imaginiert sich zum Trost eine idyllische Kindheit im Spanien nach dem Ende des Franquismus. Die eigentliche Sprachlosigkeit zwischen dem Ich-Erzähler und dessen Vater, die große Leerstelle der eigenen Familienchronik füllt Vilas mit der Fiktion von Liebe. In der Re-Konstruktion seiner Kindheit macht der Autor als Erzähler so auch die Konstruktion sichtbar – ähnlich einem psychoanalytischen Prozess ist Geschichte vor allem eins: eine die Chronologie verweigernde, lose miteinander verknüpfte, hochpoetische Sammlung von Geschichten gegen das Schweigen und Vergessen auf der Suche nach metaphysischem Sinn.

 

Ab MO 18 JAN erscheint täglich um 18.30 Uhr eine neue Folge!

«DIE SOMMER» VON RONYA OTHMANN

Leyla ist die Tochter eines jesidischen Kurden und einer Deutschen aus dem Schwarzwald. Angelehnt an die eigene Biografie erzählt die junge Schriftstellerin Ronya Othmann, Gewinnerin des Publikumspreises des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs (2019) und des Mara-Cassens-Preises (2020), von Leylas Kindheit in Deutschland und ihren Sommerferien bei ihren Großeltern in einem jesidischen Dorf in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Von ihrer Münchner Heimat aus muss sie mit ihrer Familie im Fernsehen hilflos mitansehen, wie Assads Truppen Aleppo zerstören und der IS Massaker unter der jesidischen Bevölkerung begeht. Wut und Trauer über die Teilnahmslosigkeit und das Unverständnis ihrer Umgebung und ihrer Mitschüler*innen lassen Leyla verzweifeln.

 

Der komplette Podcast ist bis 31. Januar 2021 online!

Georg Büchner «Briefe» Ausschnitte aus seinem Briefverkehr. Ein Resi-Podcast

Georg Büchners Briefverkehr wurde nur in geringen Teilen überliefert – und vor allem durch seinen Bruder Ludwig Büchner nach den Gesichtspunkten, «was zur Kenntnis der politischen Bewegungen jener Zeit und des Anteils, den Büchner daran hatte, wichtig schien», vorsortiert und editiert. Man muss davon ausgehen, dass diesen Auswahlkriterien vor allem private und literarische Themen zum Opfer fielen.

«Der hessische Landbote» Büchners revolutionäre Flugschrift

 

«Der Hessische Landbote» aus dem Jahr 1834 ist der erste, wenn auch anonym publizierte Text Georg Büchners und darf als eine der bedeutendsten sozialrevolutionären Flugschriften der deutschen Geschichte bezeichnet werden. Sie zeigt Büchner, den Dichter, als Revolutionär.