Resi liest

«Der Hessische Landbote»

Büchners revolutionäre Flugschrift
Gelesen von Sibylle Canonica
 
2 Folgen: DO 26 & FR 27 NOV, jeweils 18.30 Uhr

 

«Der Hessische Landbote» aus dem Jahr 1834 ist der erste, wenn auch anonym publizierte Text Georg Büchners und darf als eine der bedeutendsten sozialrevolutionären Flugschriften der deutschen Geschichte bezeichnet werden. Sie zeigt Büchner, den Dichter, als Revolutionär.

 

Bereits in seiner ersten Straßburger Studienzeit Ende 1832 hatte Büchner geplant, eine «politische Abhandlung» zu verfassen; 1834 galt sein wichtigstes politisches Ziel der Gründung einer revolutionären Geheimgesellschaft nach dem Vorbild der «Société des droits de l´homme et du citoyen». Der Zweck dieser «Gesellschaft der Menschenrechte» lag sowohl im Aufbau eines oppositionellen Netzwerks als auch in der Verbreitung revolutionärer Schriften. In diesem Zusammenhang suchte Büchner unter anderem den Kontakt zu Friedrich Ludwig Weidig, einem oppositionellen Theologen und Rektor, der als zentrale Gestalt der hessischen Oppositionsbewegung galt.

«Friede den Hütten, Krieg den Palästen.»

Ein erster, von Büchner allein konzipierter Entwurf des «Hessischen Landboten» ist nicht erhalten geblieben. Die sprachmächtige Kombination von sozialrevolutionärer Rhetorik und biblischer Metaphorik erklärt die literaturhistorische Bedeutung der Flugschrift, die in zwei Fassungen überliefert ist: Die erste erschien im Juli, die zweite im November 1834 – beide, wie bei illegalen Flugschriften üblich, ohne Angaben zu Autor, Ort, Verlag und Druck. Weiding, der die agitatorische Zugkraft der Büchner'schen Schrift erkannte, scheint dabei starke Eingriffe in die Textgestalt vorgenommen zu haben. Mittels möglichst flächendeckender Verbreitung der illegalen Flugschrift sollte die propagandistische Beeinflussung und politische Mobilisierung der Bauern und Handwerker im Großherzogtum Hessen gewährleistet werden, um so in der Bevölkerung eine Basis für einen revolutionären Umsturz zu schaffen. Daher ist es auch keineswegs überraschend, dass «Der Hessische Landbote» von Behördenseite als «eine der bösartigsten revolutionären Schriften» und als dementsprechend «hochverräterisch» eingestuft wurde.

 

Ton: Dominic von Nordheim
Musik: Camill Jammal

«Der Hessische Landbote», Teil 1
«Der Hessische Landbote», Teil 2
Georg Büchner «Briefe» Ausschnitte aus seinem Briefverkehr. Ein Resi-Podcast

➜ 4 Folgen: DO 19 bis SO 22 NOV, jeweils 18.30 Uhr
 

Georg Büchners Briefverkehr wurde nur in geringen Teilen überliefert – und vor allem durch seinen Bruder Ludwig Büchner nach den Gesichtspunkten, «was zur Kenntnis der politischen Bewegungen jener Zeit und des Anteils, den Büchner daran hatte, wichtig schien», vorsortiert und editiert. Man muss davon ausgehen, dass diesen Auswahlkriterien vor allem private und literarische Themen zum Opfer fielen.

«Es gibt hier Leute, die mir eine glänzende Zukunft prophezeien.» (Georg Büchner)

Dennoch dokumentieren die Briefe zentrale Stationen im so kurzen Leben Büchners, nämlich dessen ersten Straßburger Studienaufenthalt vom Herbst 1831 bis zum Sommer 1833, seinen unbedingten Willen, gravierende gesellschaftliche Umwälzungen voranzutreiben, der im März 1835 in seiner Flucht ins politische Exil über die französische Grenze nach Straßburg kulminierte, und schließlich die letzten Lebensmonate von September 1836 bis Februar 1837 als Universitätsdozent in Zürich. Die Briefe sind aber nicht nur biografische Quelle und historisches Dokument, sondern geben einen Einblick, wie sehr Leben und Schreiben Georg Büchners miteinander verflochten waren, wie sehr sowohl thematische als auch stilistische Korrelationen zwischen Werk und Autor bestehen.

 

Mit
Thomas Lettow als Georg Büchner
Nicola Mastroberardino als Karl Gutzkow, Schriftsteller, Literaturkritiker und erster Förderer Büchners
Barbara Horvath als Büchners Mutter Caroline Büchner
und Steffen Höld als Büchners Vater Ernst Büchner
 

Ton: Thomas Hüttl
Musik: Camill Jammal

«BRIEFE», Teil 1
«BRIEFE», Teil 2
«BRIEFE», TEIL 3
«BRIEFE», Teil 4
«ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS» VON ANNE WEBER

Verlängerung: Online bis 31. Dezember 2020

Während des ersten Lockdowns konnten Sie Jonathan Swifts Gulliver auf seinen Reisen in fantastische Welten begleiten. In der Neuauflage unseres Hörformats werden die Schauspielerinnen unseres Ensembles die ebenso fantastische, im Unterschied zu Gulliver allerdings reale Geschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir exklusiv für Sie lesen. «Annette, ein Heldinnenepos» lautet der Titel von Anne Webers mit dem deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnete biografische Epos, in dem sie ebenso leicht wie unpathetisch das beeindruckende Leben der 1923 in der Bretagne geborenen Anne Beaumanoir nachzeichnet.

Anne Weber nimmt uns mit auf eine Homerische Reise ihrer Heldin von den Anfängen des letzten Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart: Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher – wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel «Gerechte unter den Völkern»erhielt –, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung und bis heute eine überzeugte Kämpferin für Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit.


Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. © Matthes & Seitz, Berlin 2020.


Ton: Thomas Hüttl
Musik: Camill Jammal

Teil 1
Gelesen von Barbara Horvath
Teil 2
GELESEN VON KATJA JUNG
Teil 3
GELESEN VON MAREIKE BEYKIRCH
Teil 4
Gelesen von Liliane Amuat
Teil 5
Gelesen von Lisa Stiegler
Teil 6
Gelesen von Cathrin Störmer
Teil 7
Gelesen von Luana Velis
Teil 8
Gelesen von Linda Blümchen
Teil 9
Gelesen von Myriam Schröder
Teil 10
Gelesen von Nicola Kirsch