Borderline

BORDERLINE
Ein dokufiktionaler Theaterabend von Jürgen Berger
Uraufführung
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Südkorea und Deutschland sind sich näher, als die mehr als achttausend Kilometer Fluglinie zwischen den beiden Ländern vermuten lassen. Es gibt vor allem eine Verbindungslinie von der Halbinsel am nordöstlichen Rand Asiens zu dem Land in Mitteleuropa mit den meisten Außengrenzen: Deutsche blicken nach Südkorea und erinnern sich an die Zeit, als Deutschland in Ost und West geteilt war. Südkoreaner* innen haben den großen Wunsch, dass aus den getrennten Hälften im Norden und Süden ein gemeinsamer Staat werde. Sie blicken nach Deutschland und fragen: Wie habt ihr das gemacht mit der Wiedervereinigung? Gleichzeitig leben in Südkorea knapp dreißigtausend nordkoreanische Geflüchtete, die nach einer langen Fluchtgeschichte in Südkorea angekommen sind. Dort versuchen staatliche und nicht staatliche Organisationen, ihnen ein einigermaßen angstfreies Leben in der neuen Hightech-Turboheimat zu ermöglichen.

 

Südkorea hat ähnliche Aufgaben zu meistern wie Deutschland, das sich seit 2015 mit einer großen Zahl von Geflüchteten aus dem Nahen Osten und Afrika konfrontiert sieht. Wie schafft man es, die Neubürger*innen zu integrieren – und was ist unter Integration überhaupt zu verstehen? Wie mit den Ängsten der Altbürger*innen umgehen, und wie mit all den mehr oder weniger offenen Hassreaktionen, denen sich die «Neuen» ausgesetzt sehen? Das Thema Flucht bewegt die Menschen in der heutigen Zeit wie kaum ein anderes. Viele wollen helfen, viele haben aber auch Angst vor Geflüchteten und begegnen ihnen mit Vorurteilen und Strategien der Ausgrenzung.

 

«Borderline» ist dokufiktionales Theater, das von Interviews und dokumentarischem Material ausgeht. Südkoreanische Schauspieler*innen stehen zusammen mit deutschen Kolleg*innen des Residenztheater-Ensembles auf der Bühne und beschäftigen sich mit der jüngsten Geschichte Ostasiens und Westeuropas. Sie erzählen Geschichten der Flucht und Ankunft, der Trennung und Wiedervereinigung. Für die Recherche und den Text verantwortlich ist der Journalist und Autor Jürgen Berger, Regisseur ist der mehrfach ausgezeichnete Leiter von Creative VaQi Theater Seoul, Kyungsung Lee.