Hinter den Kulissen einer Magazinredaktion

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Das Theaterjahr ist noch jung, doch schon sind die Endproben für "Gloria" in vollem Gange. Im Stück beschreibt der Autor Branden Jacobs-Jenkins die Machtkämpfe und Überlebensnot in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts indem er den Büroalltag der Mitarbeiter einer Kulturredaktion aufzeichnet. Doch wie genau funktioniert eine Redaktion? Was macht eigentlich eine Schlussredakteurin? Wie sehr bestimmen Machtkämpfe und Frustration den Büroalltag? Um diese Fragen zu beantworten, besuchte das Team von "Gloria" das Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung und unterhielt sich mit Timm Klotzek, dem Chefredakteur des SZ-Magazins.

In dem Gespräch konnten die Schauspieler und das Regieteam ihre Fragen an den Chefredakteur stellen und mit ihm über die zentralen Themen des Stückes diskutieren. Dabei erfuhren sie beispielsweise, dass der Konflikt zwischen Print- und Digitalmedien im Alltag der Redaktion eine ebenso große Rolle spielt wie der Generationenkonflikt in "Gloria",  den die von Cynthia Micas verkörperte Kendra in einem leidenschaftlichen Monolog thematisiert.

Auch Detailfragen über den Arbeitsalltag und die Aufgabengebiete der Figuren konnte Timm Klotzek dem Ensemble beantworten. So beschrieb er die Figur des Lorin (gespielt von Bijan Zamani), den Dokumentar in Glorias Redaktion, als ein wichtiges Bindeglied im Redaktionsalltag. Denn als Fakten-Checker müsse er jeden eingereichten Artikel vor seiner Veröffentlichung auf seine Richtigkeit überprüfen. In einer Redaktion kontrolliert ein Dokumentar nicht nur die Quellen auf die die Autoren zurückgreifen, er bewertet auch ihre Seriosität und Glaubhaftigkeit. Dabei gilt: je sensibler die Daten und das Thema desto zeitintensiver und detaillierter die Recherche. Damit schützt ein Dokumentar die Redaktion insbesondere bei anspruchsvollen Themen vor Klagen und Einsprüche der Öffentlichkeit oder betroffenen Personen und Firmen.

Im Anschluss an das Gespräch konnte das Ensemble bei einer Führung durch die Redaktion die Abläuft live erleben. Für das Ensemble und Produktionsteam der Inszenierung war die Exkursion sehr aufschlussreich, da sie tiefe Einblicke in die Arbeit einer Redaktion bot, die sich ­­– insbesondere in Anbetracht von Konflikten zwischen Digital Natives und Verfechtern des Printjournalismus, Filterblasen und sogenannter alternativer Fakten – immer neuen Herausforderungen stellen muss. Wäre "Gloria" ein Magazin würde längst die Schlussredaktion ihre letzten Änderungen einarbeiten. Am Theater wurde bis zur Premiere mit den neuen Erkenntnissen weitergeprobt. Das Ergebnis ist ab dem 20. Oktober im Residenztheater zu erleben.