DJ Hell
Zwischen Clubkultur und Hochkultur: Der Produzent als Konzeptkünstler
Helmut Geier, international bekannt als DJ Hell, hat sich nicht nur als stilprägender Akteur innerhalb der elektronischen Musikszene etabliert, sondern avancierte im Laufe der letzten Dekaden zu einer Schlüsselfigur im Spannungsfeld zwischen Subkultur, Pop und Hochkultur. Seine künstlerische Praxis überschreitet die Grenzen des klassischen DJ- und Produzentenverständnisses – sie oszilliert zwischen avanciertem Sounddesign, politischer Haltung und bildender Kunst.
Bereits in den 1990er-Jahren legte DJ Hell mit seinem Label International Deejay Gigolo Records den Grundstein für das, was später unter dem Begriff Electroclash firmieren sollte – ein Hybrid aus 1980er-Jahre-New-Wave, Punk-Attitüde, Techno und postironischer Camp-Ästhetik. Hell war dabei nicht nur Teil dieser Bewegung, sondern ihr eigentlicher Konzeptgeber und Namensstifter. Insofern lässt sich seine Rolle mit der eines künstlerischen Kurators vergleichen, der stilistische, visuelle und ideengeschichtliche Strömungen zusammenführt und transformiert.
Sein aktuelles Werk, «Meese x Hell – Gesamtklärwerk Deutschland» (2025), realisiert mit dem Aktionskünstler Jonathan Meese, lässt sich als radikale Synthese aus politischer Klangkunst, postdadaistischem Pathos und technopolitischer Avantgarde begreifen. Der Titel selbst verweist – in Anspielung auf das Wagner’sche «Gesamtkunstwerk» – auf ein bewusst transgressives Verständnis von Kunst als kultureller Intervention. Die Produktion, aufgenommen im imaginären «Klärwerk» der deutschen Gegenwart, verarbeitet Themen wie nationale Identität, Sprachspiel, Mythos und Populärkultur.
Im Vorwort zu Uwe Schüttes Kraftwerk-Studie «Mensch–Maschine–Musik» (2020) hebt DJ Hell Kraftwerks Rolle als konzeptuelle Blaupause für sein eigenes Schaffen hervor:
Ohne Kraftwerk gäbe es keinen DJ Hell. Ihre Musik war für mich wie ein futuristisches Manifest – minimalistisch, aber maximal wirkungsvoll.
Diese Aussage verdeutlicht die ästhetische Kontinuität zwischen Hell und der Düsseldorfer Schule – eine Musik, die nicht nur hörbar, sondern auch denkbar sein will.
DJ Hell ist damit nicht nur ein Produzent, sondern ein künstlerisch-ästhetischer Denker, dessen Werk eine semiotische Tiefenschärfe besitzt, die ihn in den Kanon zeitgenössischer Kulturproduktion einreiht. Seine Produktionen sind nicht nur Tracks, sondern Diskurse im Medium des Klanges.
Header Foto: Max Attila Bartsch
Stücke
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Munich Machine