Iwanow

von Anton Tschechow

"Iwanow ist erschöpft", schreibt Tschechow in einem berühmten Brief, "er begreift sich selbst nicht", aber das Leben kümmert das nicht.

Er lebt verschuldet in der Provinz und leidet, aber das Leben kümmert das nicht. Es plagen ihn Menschen, die sich an ihm bereichern, ihn plagt seine verlöschende Tatkraft und die schwindende Liebe zu seiner Frau Anna ebenso wie die Verliebtheit der jungen Sascha, aber das Leben kümmert das nicht. Das Leben verlangt die Ernte einzubringen, die Schulden zu bezahlen, sich um die kranke Anna zu kümmern und Sascha die Wahrheit zu sagen. Iwanow schiebt es auf: Anna stirbt, er verspricht Sascha die Heirat, kündigt sie auf und erschießt sich. Schwäche kann grausam sein.

Tschechow darf getrost als "Poet des Mordes und des Terrors gelesen werden, dessen Sehvermögen für den Schmerz der Existenz nur noch erhöht wird durch die disziplinierte Stimme des Verständnisses, mit dem er davon erzählt" (Rufus W. Mathewson). Iwanow wollte anfangs anderes und scheiterte damit an seiner Umgebung. Das macht ihn brutal und kalt, steigert sein Desinteresse am Leben und anderen Menschen. Auch Tschechow ist dieser Begrenztheit in seiner Arbeit immer wieder begegnet, wenn er sich für Bauern oder Strafgefangene einsetzte. Es hat ihn verhärtet, es hat seine Ideale verpanzert. Zum Glück hatte er Erfolg und auch mal eine Liebschaft, das rettet einen doch aus dem Stumpfsinn. Aber das Leben kümmert das nicht. Bis heute.

Residenztheater
  • Mi 07. Jun 17, 19:00 Uhr
  • premiere 04 Jun 16
  • Vorstellungsdauer ca. 3 std. 20
  • eine pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Annette Murschetz
  • Kostüme Heide Kastler
  • Musik Bert Wrede
  • Licht Tobias Löffler
  • Dramaturgie Götz Leineweber
mit

Nachrichten aus der Produktion

In Deutschland gibt es ein berühmtes Missverständnis gegenüber Anton Tschechow: Tschechow das russisches Klischee. Gerne haftet dann Konstantin Stanislawski gleich mit und seine gesamte Methode wird verdächtigt oder als überkommener Naturalismus gescholten. MEHR ...
Nachrichten aus der Produktion
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Kurt-Meisel-Preis 2016 für Oliver Nägele

Förderpreise für Genija Rykova und Valerie Pachner

Resi-Schauspieler Oliver Nägele, der bereits seit 2001 dem Ensemble des Residenztheaters angehört, erhält den diesjährigen Kurt-Meisel-Preis des Vereins der Freunde des Residenztheaters. Die Mitglieder des Vereins würdigen damit Nägeles herausragende schauspielerische Leistungen am Residenztheater. Die Förderpreise für junge Theatertalente gehen in diesem Jahr an die beiden Schauspielerinnen Genija Rykova, die seit 2012 am Resi spielt, sowie Valerie Pachner, die seit 2013 dem Ensemble angehört. Die feierliche Verleihung findet im Rahmen einer öffentlichen Theatermatinee am Sonntag, den 10. Juli, um 11.00 Uhr im Residenztheater statt!

Kurt-Meisel-Preis 2016 für Oliver Nägele
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"Ihr geht mir auf die Nerven. Alle." ab 4. Juni im Resi: Tschechows "Iwanow"!

"Ihr geht mir auf die Nerven. Alle." ab 4. Juni im Resi: Tschechows "Iwanow"!

"Ihr geht mir auf die Nerven. Alle."

Anton Tsche- chow, "Iwanow"

Der Feind im Inneren

Martin Kušej präsentiert seine Pläne für die Spielzeit 2015 16 am Residenztheater

Am 29. April 2015 stellte Intendant Martin Kušej im Rahmen einer Pressekonferenz sein Programm für die kommende Spielzeit 2015 16 am Residenztheater vor. In vielen Stücken der neuen Spielzeit am Residenztheater richtet sich der Verdacht nach innen, sitzt der (vermeintliche) Feind im eigenen Lager, stellt sich heraus, dass Richter und Täter identisch sind: Das gilt sowohl für die ganz großen klassischen Stoffe wie "Prinz Friedrich von Homburg" und den Mythos von "Ödipus" als auch für modernere Dramen wie Arthur Millers "Hexenjagd". Und insbesondere in den zeitgenössischen Stücken "Die Netzwelt" von Jennifer Haley, Ayad Akhtars Pulitzer-Preis-gekröntem Stück "Geächtet", Peter Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße" sowie in Stefano Massinis "Lehman Brothers" wird der Feind im Inneren besonders deutlich spürbar.

Der Feind im Inneren
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