Zuhause im Zoo

Marstallplan 2

von Edward Albee

Deutsch von Michael Walter

Peter geht es gut. Er hat eine schöne Frau, zwei Töchter, Wellensittiche und eine leitende Stellung in einem Fachbuchverlag, eine Lieblingsparkbank und gern seine Ruhe. It’s only Mittelstand but I like it. Doch plötzlich redet seine Frau von Brustamputation und dem wilden Sex-Tier, und im Park kreuzt ein fremder Mann auf, der vom Hundevergiften faselt und die geliebte Parkbank erobert, als ginge es um die Schweinebucht. Und wo steckt Gott eigentlich? – Edward Albee hat 2004 seinen frühen Einakter "Die Zoogeschichte" um den Text "Familienleben" erweitert. Beide künden sie vom dünnen Firnis der Zivilisation, von der schmalen Grenze zwischen Freiheit und Gewalt und dem Tor zur Hölle. Fraglich ist, ob Peter und wir mit ihm VOR oder IN ihr sind.

Der Eindringling stört. Er bricht ein in die Blase, in der es bequem und zugleich unerträglich zugeht, er ist der Fremdkörper, der sich in die gehegte und verabscheute Ordnung zwängt, der urplötzlich hereinplatzt und doch schon lange da war. Er stößt auf erbitterten Widerstand, wird sehnsüchtig erwartet, gleich wie kommt er unaufhaltsam und mit ihm die Veränderung. Denn nichts kann bleiben, wie es ist, und nichts ist quälender als die Unsicherheit vor dem Folgenden. Der Marstallplan 2017 sucht nach dem Auslöser, der Leben zerbrechen, der Gewohnheit und Glauben hinterfragen lässt, der durch Untergang das Neue hervorbringt. Gesellschaft definiert sich über gemeinsame Werte und Normen, reagiert auf ein Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit, doch wenn die Zwänge dadurch überhandnehmen, wird die Angst vor dem Chaos zur Sehnsucht. 

Marstall
  • Sa 01. Jul 17, 19:00 Uhr
  • Sa 08. Jul 17, 19:00 Uhr
  • Fr 21. Jul 17, 19:00 Uhr
  • premiere 01 Jul 17
  • Regie Alexander Krieger
  • Bühne Swetlana Klee
  • Kostüme Anna Maria Schories

Marstallplan 2017: Der Eindringling

Der Marstallplan 2017 forscht nach den Verlustängsten und Hoffnungen in sich ändernden Zeiten. Nichts kann bleiben, wie es ist, doch nichts ist quälender als die Unsicherheit vor dem Folgenden. Knappes Budget, drei Wochen Probenzeit und kurze Auf- und Abbauzeiten sind die Bedingungen, unter denen vier junge Regisseure ab 30. Juni + 1. Juli ihre Arbeiten zeigen.

Marstallplan 2017: Der Eindringling