Reise ans Ende der Nacht

nach Louis-Ferdinand Céline

Kopflos wie eine ganze Generation läuft Ferdinand Bardamu in den Ersten Weltkrieg, wird verwundet und landet in einer psychiatrischen Anstalt, flüchtet nach Afrika in die Kolonien, flüchtet, kommt als Gefangener auf einer Galeere bis Amerika, flüchtet, irrt einsam und pleite durch die Kinos New Yorks, schuftet in Detroit am  Fließband bei Ford, flüchtet zurück nach Paris, wo er Armenarzt in der Vorstadt wird. Er trifft Soldaten, Huren, Kinder und Irre, monströse Familien und einsame Reisende wie er selbst - und immer wieder begegnet ihm Robinson, sein Doppelgänger, seine Kopfwunde, seine menschgewordene Angst, sein Wahn.

Frank Castorf beschäftigt sich nach "Nord" aus Célines Deutschland-Trilogie nun zum zweiten Mal mit diesem polarisierenden Autor und interessiert sich besonders für dessen anarchischen Pazifismus. "Reise ans Ende der Nacht" ist der Debütroman Célines, der in der literarischen Welt der 30er einschlug wie eine Bombe, ein furioser Abgesang auf das Gute im Menschen, dabei voller Zärtlichkeit und Schönheit, Gewalt und Verzweiflung, wild funkelnder Sprache und dem Schmutz der Straße.

  • premiere 31 Okt 13
  • Vorstellungsdauer ca. 4 std. 30
  • eine pause
  • Regie Frank Castorf
  • Bühne Aleksandar Denić
  • Kostüme Adriana Braga Peretzki
  • Licht Gerrit Jurda
  • Live-Kamera Marius Winterstein + Jaromir Zezula
  • Video Stefan Muhle
  • Dramaturgie Angela Obst

Theater macht das Unmögliche zur Wahrheit

Interview mit Bibiana Beglau

Vor der Premiere von "Baal" sprach Bibiana Beglau mit dem Studentenmagazin Philtrat über Unterhaltung, die Nulllinie und Herzkranzverfettung. Und darüber, welche Funktion Theater für sie haben soll: "Es ist auf der einen Seite das unterhaltende Moment der Ablenkung wie bei allen großen Romanen oder jetzt bei den großen Serien. Aber was darin auch steckt: Wir gucken in ein anderes Leben, wir verlassen das eigene Leben und erleben durch die Geschichte der anderen einen Teil von uns selber. Bei Menschen, die keine Geschichten mehr haben, wird es sehr gefährlich, weil eine Lücke entsteht, die durch alles Mögliche, z. B. Ideologien aufgefüllt wird. Eigentlich ist es ein Liebesdienst, um uns woanders hinzubringen und dadurch die Möglichkeit zu schaffen, etwas anderes zu sehen, eine Horizonterweiterung: Ich war nie in Afrika, aber ich habe eine Geschichte gehört … Es macht das Unmögliche zur Wahrheit."

Theater macht das Unmögliche zur Wahrheit
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...und die Wuselweltenbühnen- bilder drehen sich weiter

Kunstherbst München, das neue Portal für die Kunststadt München, hat sich mit den vielfach preisgekrönten Bühnenräumen von Aleksandar Denic beschäftigt, der dieses Jahr nicht nur zum Bühnenbildner des Jahres gekürt wurde für "Reise ans Ende der Nacht", sondern auch kürzlich mit dem FAUST-Preis ausgezeichnet wurde. Und geht der Frage nach, was die Bühnenbilder von Denic so einzigartig, bestaunenswert und so kurzweilig, fast filmisch macht? "Betrachtet man diese Kunstwerke auf den Bühnen, so scheint es, als hätte Denic Angst vorm (zu) leeren Raum – ein fast barocker horror vacui. Denn er baut nicht nur ein Bühnenbild, das sich flächig über die Horizontale ausbreitet, sondern mehrere Ebenen, die sich in die Höhe zu polylokalen Welten ineinander- und aufeinander schachteln. Dadurch wird nicht nur die Parallelität unserer Welt simultan, ohne Szenenwechsel, auf der Bühne sichtbar, sondern auch deren Unterschiede prallen gnadenlos aufeinander."

...und die Wuselweltenbühnen- bilder drehen sich weiter

"Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins"

Interview

Nach der Spielzeiteröffnung mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" sprach das Münchner Feuilleton mit der "Schauspielerin des Jahres" Bibiana Beglau über bildende Kunst und Comics, Castorf und Gotscheff und die Schauspielerei im Allgemeinen: "Ich kann ja nicht spielen – im Sinne von etwas vorspielen –, sondern vertrete immer eine Meinung. Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins – nur dann hat das Sinn. Da weiß man hinterher, warum einem die Knochen wehtun."

"Auf der Bühne geht’s um den Live-Moment eines Seins"
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Bayerischer Kunstförderpreis 2014 für Resi-Schauspieler Franz Pätzold

Franz Pätzold erhält für seine Arbeit am Residenztheater den bayerischen Kunstförderpreis 2014 in der Sparte Darstellende Kunst. Die mit je 6.000 Euro dotierten Preise gehen an Franz Pätzold, Anna Drexler, Cathrin Lange und Anna-Maria Thoma. "Mit den Bayerischen Kunstförderpreisen zeichnen wir herausragende bayerische Nachwuchskünstlerinnen und -künstler aus", betont Bayerns Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle. "Unsere Preisträger in der Sparte Darstellende Kunst haben durch ihr Spiel auf der Bühne nicht nur die Jury beeindruckt. Der Preis soll für unsere jungen Talente nicht nur Anerkennung, sondern auch ein Ansporn für ihre weitere Entwicklung sein", so Spaenle weiter.

Bayerischer Kunstförderpreis 2014 für Resi-Schauspieler Franz Pätzold

BIBIANA BEGLAU IST "SCHAUSPIELERIN DES JAHRES"

Kritikerumfrage kürt die Höhepunkte der Theatersaison

Resi-Ensemblemitglied Bibiana Beglau wurde in der jährlichen Kritikerumfrage der Fachzeitschrift "Theater heute" zur "Schauspielerin des Jahres" gekürt für ihre Rolle des Bardamu in Frank Castorfs Inszenierung von "Reise ans Ende der Nacht", wie das Magazin heute bekannt gab. Für das Bühnenbild dieser Inszenierung, die bereits zum Berliner Theatertreffen 2014 eingeladen war, wurde zudem Aleksandar Denic zum "Bühnenbildner des Jahres" gewählt. Daneben erhielt das Residenztheater mehrere Nennungen in der Umfrage, u.a. wurden Franz Pätzold und Britta Hammelstein mehrmals als "Nachwuchsschauspieler des Jahres" genannt und landeten jeweils auf dem zweiten Platz. Bibiana Beglau wird in der kommenden Spielzeit in Martin Kušejs Inszenierung von Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" die Rolle der Martha übernehmen. Premiere ist am 18. September 2014 zur Eröffnung der neuen Spielzeit, die Proben laufen bereits.

BIBIANA BEGLAU IST "SCHAUSPIELERIN DES JAHRES"
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