Reigen

von Arthur Schnitzler

In zehn Dialogen umgarnen und umtänzeln sich jeweils ein Mann und eine Frau, stoßen sich gegenseitig ab und ziehen einander wiederum nah zu sich – bis die Gespräche in den Koitus münden. Oder in die Gewalt? Die zehn Figuren kommen aus unterschiedlichsten sozialen Schichten, und die erotische Spannung zwischen ihnen speist sich aus Machtunterschieden. Was Schnitzler im Wien des Fin de siècle ansiedelt, legt die intime Keimzelle einer Gesellschaft offen, die noch immer die unsere ist. Zu seinen Lebzeiten waren Aufführungen des "Reigen" nur mit Polizeischutz möglich. Die Frage bleibt offen, ob sich die gesellschaftliche Abwehr auf die moralische Freizügigkeit bezog oder auf den sozialen Zündstoff von Schnitzlers Stück.

Empfohlen ab 16 Jahren.

Marstall
  • Mo 12. Mai 14, 20:00 Uhr
  • Mi 04. Jun 14, 20:00 Uhr
  • premiere 20 Okt 12
  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 10
  • Keine Pause
  • Regie Patrick Steinwidder
  • Bühne Anneliese Neudecker
  • Kostüme Lili Wanner
  • Licht Uwe Grünewald
  • Dramaturgie Veronika Maurer
mit
  • Sophie von Kessel Die Prostituierte/Das Hausmädchen/Die junge Frau/Die Schauspielerin
  • Guntram Brattia Der Soldat/Der junge Herr/Der Ehemann/Der Dichter/Der Graf
  • Anne Stein Das süße Mädel

Gespräch mit Alain Badiou über fehlende Verbindungen, Narzissmen und Wiederholungszwänge in der Sexualität

"Jacques Lacan erinnert uns daran, dass in der Sexualität in Wirklichkeit jeder großteils mit sich selbst zu tun hat, wenn ich so sagen darf. Es gibt natürlich die Vermittlung des Körpers des anderen, aber letztlich wird das sexuelle Genießen immer das eigene sein. Das Sexuelle verbindet nicht, es trennt."

Gespräch mit Alain Badiou über fehlende Verbindungen, Narzissmen und Wiederholungszwänge in der Sexualität

"Geschrieben hab ich den ganzen Winter über nichts als eine Scenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, … aber, nach ein paar hundert Jahren ausgegraben, einen Theil unsrer Cultur eigentümlich beleuchten würde" 
(A. Schnitzler über "Reigen", 1897)

Bild 

"Zurück bleibt ein schwarzes Loch"

Notizen aus einem Gespräch mit Patrick Steinwidder

"'Reigen' ist Schnitzlers radikalstes Stück. Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich: weil es um die Leere geht, die zwischen Mann und Frau verbleibt, obwohl oder weil sie Sex miteinander haben. Im sexuellen Akt machen wir eine Grenzerfahrung, wir berühren eine traumatische Sphäre, die dem Tod nahe kommt."

"Zurück bleibt ein schwarzes Loch"

Reigen

Inhaltsangabe

In zehn Szenen treffen jeweils eine Frau und ein Mann aufeinander. Es entspinnt sich jeweils ein Gespräch, in dem einer um den andern wirbt, beide einander schmeicheln, zurückweisen und necken – bis der Dialog schließlich in den Koitus mündet. In Schnitzlers Text wird dieser allerdings nur durch Gedankenstriche angedeutet.

Reigen
12 Okt 12
Bild

"Es ist nur … ein Rausch." (Arthur Schnitzler, "Reigen", ab 19. Oktober im Marstall)

"Es gibt keinen Sex zwischen Menschen, nur Macht."
P. Steinwidder

Marstall

Der Marstall, erbaut von Leo von Klenze, diente der adeligen Gesellschaft Anfang des 19. Jahrhunderts als Hofreitschule. Doch mit dem Untergang der Monarchie findet auch das Reiten im Marstall ein Ende. 1971 wird im Marstall das Potential einer Studio- und Experimentierbühne erkannt und ein gutes Jahr später eröffnet Walter Schmidinger mit Franz Xaver Kroetz‘ Stück "Globales Interesse" die neu gewonnene Spielstätte.

Marstall