Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes

von Roland Schimmelpfennig

DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG!

"Es war eine komplette Katastrophe. Ein absolutes Desaster", sagt Frank gleich zu Beginn und meint damit erstaunlicherweise nicht die humanitären Katastrophen in Afrika, über die an diesem Abend räsoniert wird, sondern den Abend selbst, das Wiedersehen zweier aus Studientagen befreundeter Ärztepaare. In den vergangenen sechs Jahren hat Frank mit seiner Frau gutbürgerlich Kind und Karriere gemacht, das andere Paar kehrt resigniert von jahrelangem Engagement in Afrika zurück. Ihr freudig erwartetes Wiedersehen wird zur Konfrontation zweier Lebensentwürfe, in der Diskussion über den "dunklen Kontinent" und das dort zurückgelassene Pflegekind, dem die Puppe Peggy Pickit gehörte, kommen unerfüllte Wünsche, enttäuschte Hoffnungen und existentielle Ängste ans Tageslicht. 

Der derzeit erfolgreichste und meistgespielte deutsche Dramatiker Roland Schimmelpfennig *1967 präsentiert in dieser Zimmerschlacht Menschen, die über das richtige Leben in einer schlechten Welt diskutieren und dabei doch nur um ihre eigenen Befindlichkeiten kreisen. In seiner Inszenierung, die mit dem Deutschen Theater in Berlin koproduziert ist, überschüttet Martin Kušej die bürgerliche Betroffenheitsrhetorik konsequent mit weiterem Wohlstandsmüll.

  • Vorstellungsdauer ca. 1 std. 30
  • Keine Pause
  • Regie Martin Kušej
  • Bühne Annette Murschetz
  • Dramaturgie Anika Steinhoff
  • Kostüme Werner Fritz
  • Musik Bert Wrede
  • Licht Wolfgang Schünemann + Markus Schadel
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MARTIN KUŠEJ ÜBER "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes"

"Fasziniert hat mich an diesem Text, dass es eine indirekte, über Bande gespielte Geschichte ist, die uns genau deshalb nahegeht. Das Stück fordert nicht die übliche Betroffenheit ein oder eine Verpflichtung zum Engagement, zum humanitären Denken und Handeln, sondern verweigert klare Positionen und Antworten. Es ist wirklich eine theatralische und poetische Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema.

MARTIN KUŠEJ ÜBER "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes"

Latte Macchiato in Nairobi

Binyavanga Wainaina beschreibt in seinem Text für ifa-online, warum es nervt, wie alle Afrika helfen wollen.

Latte Macchiato in Nairobi

Afrika als “Krisenkontinent”

Stichworte, die sich hierzulande mit Afrika verbinden: Bürgerkriege, Wirtschaftskrisen, Staatszerfall, Naturkatastrophen und Hungersnöte und natürlich Aids. „I‘m hearing only bad news from Radio Africa“ – die guten Nachrichten, die es zweifelsohne gibt, interessieren hingegen nicht.

Afrika als “Krisenkontinent”

Just who do they think they are?

Just who do they think they are?
Just who do they think we are?
Just who do we think we are?

Just who do they think they are?

Radio Africa (1984)

von Latin Quarter

I’m hearing only bad news from Radio Africa
I’m hearing only sad news from Radio Africa
They’ve still got trouble with a monster in the South
Heads buried deep in that lion’s mouth
Like a jaw snapped shut, it keeps them apart
If that jaw got broke it would be a start
The West still complains about the foreign aid
They’d do better to change the terms of trade

Radio Africa (1984)

Geschichten die man kleinen Mädchen gern erspart

Auf einem niedrigen Tisch liegt eine Plastikpuppe der Marke „Peggy Pickit“, die als Geschenk für ein afrikanisches Kind gedacht ist. Außerdem eine aus Afrika stammende kleine, handgeschnitzte Holzpuppe, die ein Kind der westlichen Welt bekommen soll.

Geschichten die man kleinen Mädchen gern erspart

Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes Programmheft (PDF)

Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes Programmheft (PDF)
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